Anhaltende Zyklusstörungen können eine Schwangerschaft erschweren. Ein häufig eingesetztes Mittel zur Unterstützung des Kinderwunsches ist Mönchspfeffer. Lesen Sie alles zur Wirkung, Anwendung und zu möglichen Nebenwirkungen.

Was ist Mönchspfeffer?

Mönchspfeffer (Vitex Agnus-Castus) ist auch unter den Namen Keuschbaum oder Keuschlamm bekannt. Der bis zu fünf Meter hohe Strauch gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und ist im Mittelmeergebiet und in Südwestasien zu Hause.

Die großen Blätter sind handförmig geteilt und blühen in wohlriechenden fliederfarbenen Blütenständen im September und im Oktober. Die kugeligen, rötlich-schwarzen Früchte erinnern an Schwarzen Pfeffer. Sie schmecken scharf und riechen leicht salbeiartig.

Bereits seit der Antike wird Mönchspfeffer als Heilpflanze geschätzt. Agnus-Castus wurde u.a. zur Förderung der Regelblutung eingesetzt.

Mönche und Nonnen kultivierten Keuschlamm in ihren Kräutergärten und nutzten sie für die Einhaltung ihrer Keuschheitsgelübde. Mönchspfeffer hatte den Ruf, sexuelle Lust zu mindern und wurde deshalb gemahlen als Pfefferersatz verwendet.

In niedrigerer Dosierung harmonisieren die Wirkstoffe aus den Samen den weiblichen Hormonhaushalt und können einen positiven Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben.

So gehört Keuschlamm heute zu den am häufigsten empfohlenen natürlichen Heilmitteln in der Gynäkologie. Er hilft bei Unfruchtbarkeit, bei Beschwerden in den Wechseljahren, bei Regelschmerzen und Zyklusunregelmäßigkeiten.

Woher kommt die Namensgebung?

Die Ähnlichkeit zu den Pfefferschoten hat einerseits ganz sicher zum Namen Mönchspfeffer beigetragen, ebenso wohl die Verwendung der Frucht durch die Mönche für die Zügelung ihrer sexuellen Lust.

Der lateinische Name „Agnus-Castus“ bedeutet übersetzt „keusches Lamm“. Und so ist Mönchspfeffer auch als „Keuschlamm“ bekannt.

Wie wirkt Vitex Agnus-Castus?

Die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe von Agnus-Castus sind Iridoidglykoside (Agnusid und Aucubin), Triglyceride, Flavone und Flavonoide (Casticin, Penduletin, Chrysospenol-D), außerdem ätherische Öle und spezielle Fettsäuren. Es werden ausschließlich getrocknete Früchte für pharmazeutische Zwecke verarbeitet.

Medizinisch anerkannt ist Keuschlamm zur Behandlung von Störungen der Periode. Zudem wird die Heilpflanze bei schmerzenden Brüsten (Mastodynie) sowie dem prämenstruellen Syndrom (PMS) empfohlen. Beim PMS treten vor der Menstruation Beschwerden wie Völlegefühl, Gereiztheit, Bauch-, Rücken-, und Kopfschmerzen auf.

Der Extrakt aus den Früchten greift in den Hormonhaushalt ein. So kann auch die Wirkung bei gynäkologischen Beschwerden erklärt werden, denn sie sind oft das Ergebnis eines unausgeglichenen Hormonhaushalts.

Zudem wird Mönchspfeffer beim Eintritt in die Wechseljahre empfohlen, wenn die Monatsblutung unregelmäßiger wird. Eine medizinische Wirkung ist hier jedoch unklar.

Wie kann Keuschlamm einen Kinderwunsch unterstützen?

Menstruationsstörungen und Brustschmerzen können auf zu hohen Werten des laktotropen Hormons (Prolaktin) beruhen. Die Heilpflanze stimuliert die Andockstellen des Botenstoffes Dopamin in der Hypophyse. Die Ausschüttung von Prolaktin wird gehemmt.

Zu hohe Prolaktin-Werte können durch Stress entstehen, bei prämenstruellen Syndrom oder bei einer Schilddrüsenunterfunktion,

Das Gelbkörperhormon hat für Frauen mit Kinderwunsch eine besondere Bedeutung. Werden vom Körper zu wenige Gelbkörper produziert, kann sich das Ei nicht in der Gebärmutter einnisten. Auch wenn die Eizelle befruchtet wurde, wird die Frau nicht schwanger.

Bei einer Gelbkörperschwäche, also ein Mangel an Progesteron, wirkt sich Mönchspfeffer positiv auf den Zyklus aus, indem er die Hormone Progesteron und Östrogen harmonisiert. Wenn der Progesteronspiegel ausgeglichen ist, wird sich die befruchtete Eizelle leichter einnisten. Hier kann Keuschlamm unterstützend eingesetzt werden.

In geringer Dosis erhöht die Heilpflanze die Bildung von Prolaktin und hemmt die sexuelle Lust. In höherer Dosis sorgt sie für eine Verringerung des Prolaktinwerts und gleicht so den Hormonhaushalt aus.

Viele Frauen nehmen deshalb Mönchspfeffer Präparate zur Stablisierung des Menstruationszyklus bei Kinderwunsch. Bei schweren Zyklusstörungen ist allerdings keine Wirkung zu erwarten, ebensowenig dann nicht, wenn der Eisprung ganz ausbleibt. In diesem Fall sollten Frauen mit ihrem Arzt mögliche Therapiemaßnahmen besprechen.

Beim polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO) kann Keuschlamm auf die Hirnanhangdrüse einwirken und die Ausschüttung von Prolaktin hemmen. Die Heilpflanze sorgt so dafür, dass LH und FSH in einem gesunden Verhältnis produziert werden. Die beiden Hormone steuern die Funktion der Eierstöcke. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es trotz PCO zu einer natürlichen Schwangerschaft kommen kann.

Wie schnell wirkt Mönchspfeffer?

Keuschlamm sollte 2-3 Monate eingenommen werden, damit sich der Hormonhaushalt harmonisiert. Paare mit Kinderwunsch müssen sich also ein wenig gedulden, bis die Wirkung des Präparates eingetreten ist.

Gibt es klinische Studien, welche die Wirkung belegen?

Die Wirkung von Agnus-Castus zur Unterstützung der Schwangerschaft kann durch klinische Studien belegt werden. U.a. weist darauf eine Untersuchung der Heidelberger Gynäkologin Ingrid Gerhard hin. Allerdings ist die Wirkung pflanzlicher und homöopathischer Arzneimittel insgesamt bei unerfülltem Kinderwunsch noch unzureichend nachgewiesen.

Welche Nebenwirkungen hat Keuschbaum?

Mönchspfeffer löst gelegentlich Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden, Schwindel, Kopfschmerzen, Akne und Juckreiz aus. Auch allergische Reaktionen können nicht ausgeschlossen werden, wie Gesichtsschwellung, Atemnot und Schluckbeschwerden.

Zudem können bereits bestehende psychische Probleme durch die Einnahme verstärkt werden, denn Keuschlamm kann die Wirkung von sogenannten Dopamin-Rezeptor-Antagonisten drosseln.

Es gibt bislang keine Hinweise, dass durch Mönchspfeffer schädliche Wirkungen bei einem Fötus wie Missbildungen oder andere Folgen zu befürchten sind.

Die Nebenwirkungen vergehen, sobald das Präparat absetzt wird.

Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Präparaten oder Medikamenten?

Zu vermeiden ist insbesondere also die gleichzeitige Einnahme von Agnus-Castus mit Psychopharmaka wie Dopamin-Antagonisten und Dopamin-Agonisten. Es kann zu Wechselwirkungen kommen. Frauen, die entsprechende Medikamente einnehmen, sollten sich von ihrem Arzt beraten lassen.

Das gilt auch, soweit Antiöstrogene eingenommen werden oder ein östrogenabhängiger Tumor wie Brustkrebs oder eine Hypophysenstörung diagnostiziert wurde.

Es liegen keine speziellen Untersuchungen zur gleichzeitigen Einnahme von Keuschlamm und Clomifen bzw. Hyhphyson vor. Sie sollten aber auch hier im Einzelfall mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen.

Von einer Selbstmedikation raten wir auch vor dem Hintergrund möglicher Wechselwirkungen dringend ab.

Unproblematisch hingegen ist die gleichzeitige Verwendung von Mönchspfeffer und Folsäure bei bestehendem Kinderwunsch.

Welche sonstigen Gegenanzeigen gibt es?

Sobald eine Frau sich sicher ist, dass Sie schwanger ist, sollte sie die Mönchspfeffer-Präparate absetzen, auch wenn es keine Hinweise auf einen möglichen Schaden für das ungeborene Kind gibt.

Frauen in der Stillzeit sollten ebenfalls auf die Einnahme von Keuschbaum verzichten, da es ansonsten zu einer Laktationshemmung (Hemmung der Milchbildung) und einem verfrühten Wiederauftreten von Regelblutungen kommen kann.

Wieviel Akohol enthält Agnus-Castus?

Die Mönchspfeffer-Lösung Agnolyt etwa enthält 5 Vol. Prozent Alkohol. Eine Tagesdosis von 40 Tropfen enthält rund ein Gramm Alkohol. Ein Glas Wein (0,1 Liter) enthält zum Vergleich ungefähr zehn Gramm Alkohol und ein Glas Bier (0,2 Liter) ungefähr sieben Gramm Alkohol.

Der Alkoholgehalt in der Arzneimitteldosierung stellt bei normaler Anwendung kein gesundheitliches Risiko dar. Ausnahmen sind Risikogruppen wie Leberkranke, Alkoholkranke, Epileptiker und Hirngeschädigte, die alle alkoholhaltigen Substanzen meiden müssen.

Im Gegensatz zu Tropfen enthalten Mönchspfeffer Kapseln keinen Alkohol.

Wie sollte die Dosierung sein?

Empfehlungen zur Dosierung gehen recht weit auseinander, wie bei vielen anderen pflanzlichen Arzneien auch.

Die Kommission E – eine wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA) und des heutigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) – empfiehlt eine Dosis von 30-40 mg pro Tag.

Was ist bei der Einnahme zu beachten?

Die Inhaltsstoffmenge in Mönchspfefferfrüchten variiert. Deshalb sollte die Heilpflanze nur in Form standardisierter Fertigarzneimittel eingenommen werden. Nur so ist eine medizinische Wirksamkeit gewährleistet.

Es ist zudem zu beachten, dass Präparate mit Agnus-Castus über einen längeren Zeitraum eingenommen werden müssen, damit sich die Wirkung einstellt.

Die Pflanze ist nicht bei allen Hormonproblemen hilfreich. Sprechen Sie deshalb vor der Einnahme mit Ihrem Gynäkologen und beachten Sie die Packungsbeilage.

Welche Arten von Präparaten gibt es?

Üblich sind Mönchspfeffer-Tabletten, -Kapseln und -Tropfen. Auch Tee und Globuli sind erhältlich:

  • Die meistverkaufte Darreichungsform des Medikaments sind Kapseln mit standardisiertem Wirkstoffgehalt. Die Einnahme ist absolut unkompliziert.
  • Tabletten eignen sich als Filmtabletten für die tägliche orale Einnahme. Sie sind auch vegan erhältlich
  • Für Mönchspfeffer-Tee werden die Samen verwendet. Im Handel gibt es auch Mischungen mit anderen Frauen-Heilpflanzen.
  • Wer auf Trennmittel, Farbstoffe, Bindemittel oder andere Zusätze empfindlich reagiert, kann auch auf Tropfen zurückgreifen. Sie sind meist auf Alkohol-Basis angesetzt und lassen sich gut dosieren.
  • Mönchspfeffer Globuli kommen in unterschiedlicher Potenz bei homöopathischen Therapien zum Zuge. Je nach Einsatzgebiet wählt der Heilpraktiker eine passende Verdünnung.

Wo erhalte ich Mönchspfeffer und was kostet er?

Mönchspfeffer-Präparate gibt es rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen. Auch Online sind die Präparate erhältlich, oftmals viel preiswerter und besser verfügbar.

Orientieren Sie sich an der Empfehlung ihres Arztes und wählen Sie seriöse Hersteller. Weitere Aspekte beim Kauf sind Verträglichkeit und Qualität der Inhaltsstoffe.

Bei den günstigeren Präparaten kostet eine Monatsration etwa 5 Euro.

 

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