Für viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch können die Reproduktionsmedizin und die Behandlungsmethode der künstlichen Befruchtung den Weg ebnen zum eigenen Baby. Kosten und Erstattungsmöglichkeiten sowie Förderungen können allerdings je nach Behandlungsmethode und Ausgangslage sehr unterschiedlich ausfallen.

Kosten für künstliche Befruchtung

Eine Einschätzung der Aufwendungen für Kinderwunsch-Behandlungen ist pauschal nicht möglich. Einflussfaktoren sind insbesondere die ärztliche Diagnose, notwendige Medikamente, die Auswahl von Praxis oder Kinderwunschklinik sowie die individuellen Vereinbarungen und Programme der eigenen Krankenkasse.

Die In-Vitro-Fertilisation (IVF), also eine Eizellen Befruchtung im Reagenzglas, ist tendenziell aufwändig und kostet rund 3.000 Euro inklusive Medikamenten, Narkose etc..

Eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) bietet sich vor allem für Paare an, bei denen die Fruchtbarkeit des Mannes stark eingeschränkt ist. Die Kosten liegen bei etwa 3.500 Euro inklusive Medikamenten. Je nach Beteiligung der Krankenkasse bzw. des Staates ist diese Summe die Berechnungsbasis für den eigenen Anteil.

Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bei verheirateten Paare 50 Prozent der Kosten für höchstens drei Behandlungsversuche bzw. Behandlungen mittels In-vitro-Fertilisation bzw. Intrazytoplasmatische Spermieninjektion.

Die dritte Behandlung wird im Allgemeinen allerdings nur dann zur Hälfte übernommen, wenn bei der ersten oder zweiten Behandlung eine Eizelle im Reagenzglas befruchtet werden konnte. Der vierte Versuch und weitere Versuche müssen selbst getragen werden.

Führt die Behandlung zur Geburt eines Babies, hat ein gesetzlich versichertes Paar Anspruch auf bis zu drei zusätzliche Therapien, wenn es ein weiteres Kind haben möchte. Als Geburt gilt die Lebend- oder Totgeburt eines Kindes, nicht jedoch eine Fehlgeburt nach Schwangerschaft.

Unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare mit Kinderwunsch tragen die vollen Kosten i.d.R. selbst – eine finanzielle Perspektive, die vielen Paaren die Entscheidung für ihr Wunschkind deutlich erschwert. Eine Garantie, dass es mit der Kinderwunschbehandlung auch zu einer Schwangerschaft kommt, gibt es selbstverständlich nicht.

Einige gesetzliche Krankenversicherungen bieten eine erweiterte Kostenerstattung für IVF bzw. ICSI zu etwa 75 Prozent an, ausgewählte Versicherungen übernehmen sogar 100 Prozent der Aufwendungen. Andere Kassen haben gelockerte Bedingungen für Kostenübernahmen. Deshalb sollten Patienten sich immer bei ihrer Versicherung nach den geltenden Regelungen erkundigen.

Grundsätzlich müssen bei allen Kassen u.a. folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Kinderwunschbehandlung muss nach deutschem Recht erlaubt sein.
  • Der behandelnde Arzt muss der Überzeugung sein, dass „hinreichend Aussicht auf Erfolg“ mit der Therapie besteht.
  • Nur verheiratete Paare bekommen einen Zuschuss.
  • Die Partner müssen zumindest 25 Jahre alt sein. Die Frau darf nicht älter als 39 Jahre, der Mann nicht älter als 49 Jahre sein.
  • Ein HIV-Test muss durchgeführt werden.

Die Krankenkassen tragen die vollen Kosten für Diagnostik sowie eine medikamentöse Therapie, etwa zur Stimulation der Reifung von Eizellen. Kinderwunschbehandlungen nach einer Sterilisation werden generell nicht von Versicherungen erstattet.

Vor Beginn der Kinderwunsch-Therapie stellt ein Kinderwunschzentrum einen Behandlungsplan auf. Darin sind alle Kosten aufgelistet, getrennt für Mann und Frau. Diese Aufstellung müssen beide bei ihrer Krankenkasse einreichen. Die Kasse übernimmt jeweils die Kosten, die für den bei ihr versicherten Partner entstehen.

Kostenerstattung durch private Krankenversicherungen

Bei den privaten Krankenversicherungen entscheidet der individuelle Vertrag über den Umfang der Kostenübernahme. Es ist deshalb sehr ratsam, sich zu erkundigen, welche Ausgaben genau die Versicherung für die Therapie übernimmt.

Komplizierter ist die Situation, wenn einer der Ehepartner privat und der andere Partner gesetzlich versichert ist. Normalerweise folgen die privaten Krankenversicherungen dem „Verursacherprinzip“. Falls eine Diagnose etwa ergibt, dass die männliche Unfruchtbarkeit für den unerfüllten Kinderwunsch ursächlich ist, trägt die private Krankenkasse des Mannes die Kosten der Behandlung, selbst wenn die Ehefrau nur gesetzlich abgesichert ist.

Soweit beide Partner privat versichert sind, können betroffene Paare für eine Kinderwunschbehandlung oft weitere Leistungen in Anspruch nehmen. Diesbezügliche Informationen sind beim Bundesverband der Reproduktionsmedizinischen Zentren erhältlich.

Kostenübernahme für spezielle Behandlungsmethoden

Die Übertragung des Samens vom Ehemann wird von gesetzlichen Kassen in einem Zyklus ohne hormonelle Stimulation bis zu achtmal zu 50 Prozent bezahlt. Die Kassen übernehmen von bis zu drei Behandlungen die Hälfte der Kosten, insoweit die Therapie mit hormoneller Stimulation der Eierstöcke vor der Insemination durchgeführt wird.

Die Kosten für eine Samenübertragung mit Spendersamen werden grundsätzlich weder von den gesetzlichen noch von den privaten Kassen übernommen.

Die Aufwendungen für das Einfrieren von Samenzellen und befruchteten Eizellen bzw. Social Freezing müssen im Normalfall privat bezahlt werden. Diese Ausgaben können i.d.R. auch nicht von der Steuer abgesetzt werden.

Spezielle Methoden wie testikuläre Spermienextraktion, Assisted Hatching und Kryokonservierung bei Krebserkrankung werden ggf. von gesetzlichen Krankenkassen als Zusatzleistungen übernommen.

An medizinischen Maßnahmen zur Gewinnung von Samenzellen, wie etwa TESE und MESA, beteiligen sich die meisten Krankenkassen.

Zusätzliche finanzielle Unterstützung

In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen erhalten Paare einen Zuschuss vom Land bzw. Bund von 25 Prozent des eigenen Anteils für die ersten drei Befruchtungsversuche und 50 Prozent für einen vierten bei einer IVF- oder ICSI-Behandlung.

Bereits seit 2012 unterstützt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ungewollt kinderlose Paare finanziell. Die Mittel werden unter der Bedingung gewährt, dass sich das Bundesland, in dem das Paar seinen ersten Wohnsitz hat, mindestens in gleicher Höhe wie der Bund an den Behandlungskosten beteiligt.

Das Bundesministerium hat im Januar 2016 die finanziellen Unterstützungen von Kinderwunschpaaren erweitert. Seitdem können auch Paare, die in einer nicht-ehelichen, heterosexuellen Lebensgemeinschaft leben, Zuschüsse für IVF und ICSI in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist allerdings auch hier, dass sich das jeweilige Heimat-Bundesland beteiligt.

Auf dem Informationsportal Kinderwunsch finden sich weitere Informationen über die Initiative des Ministeriums und die Voraussetzungen für eine weitergehende finanzielle Unterstützung.

Steuerliche Absetzbarkeit von Kinderwunsch-Behandlungen

Ehepaare können sich einen Teil der Kosten für die künstliche Befruchtung vom Finanzamt ersetzen lassen, indem sie ihre Ausgaben als außergewöhnliche Belastung bei der Steuererklärung ansetzen.

Das gilt laut einem Urteil der Bundesfinanzhofs von 2007 auch für nicht verheiratete Paare, wenn sie nach ärztlicher Meinung in einer „festgefügten Partnerschaft“ leben und der Mann die Vaterschaft anerkennen wird. Es darf dabei laut Urteil nur der Samen des Partners verwendet werden.

Unter Umständen sind für ein Ehepaar auch die Kosten einer künstlichen Befruchtung mit Spendersamen beim Finanzamt als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzbar. Das gilt dann, wenn der männliche Partner selbst keine Kinder zeugen und seine Spermien nicht für eine künstliche Befruchtung verwendet werden können.

Für lesbische Frauen in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft sind die Ausgaben für die künstliche Befruchtung nach IVF und ICSI dagegen nicht als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzbar. Die Begründung der Rechtssprechung hierzu lautet, dass die Kinderlosigkeit der Frau dadurch bedingt ist, „dass sie in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, in der die Zeugung eines Kindes auf natürlichem Wege ausgeschlossen ist“.

Kosten von der Steuer absetzen bei Behandlung im Ausland

Wer sich für die IVF-Behandlung eine Klinik im Ausland aussucht, kann die Kosten grundsätzlich ebenfalls als außergewöhnliche Belastung beim Finanzamt von der Steuer absetzen. Voraussetzung ist jedoch nach finanzgerichtlicher Entscheidung, dass die Behandlung im Ausland nicht gegen das deutsche Embryonenschutzgesetz verstößt.

 

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