Nachdem im Jahr 2014 die US-Unternehmen Facebook und Apple angekündigt haben, ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen, ist Social Freezing als Behandlungsmöglichkeit für die Bewahrung der weiblichen Fruchtbarkeit allseits bekannt.

Was ist Social Freezing?

Social Freezing (auch Kryokonservierung genannt) bezeichnet die Konservierung von Eizellen ohne medizinischen Grund. Die Behandlung wird grundsätzlich in einem Kinderwunschzentrum durchgeführt.

Beim Social Freezing werden unbefruchtete Eizellen der Frau entnommen, schockgefroren und in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius eingelagert. Später werden die Eizellen wieder aufgetaut und für eine künstliche Befruchtung verwendet.

Durch die rasche medizinische Entwicklung des Einfrierens von Eizellen in den letzten Jahren, insbesondere durch die Vitrifikation, wurde die Wahrscheinlichkeit einer folgenden Schwangerschaft stark erhöht.

Warum Kryokonservierung?

Beruf und persönliche Freiheit gehen vielen jungen Frauen über alles. Insbesondere Akademikerinnen möchten zunächst Karriere machen, bevor sie sich binden mit einer Familie. Andere haben vielleicht noch nicht den richtigen Mann gefunden, möchten aber in einer späteren Lebensphase auf jeden Fall Kinder haben. Das gehört für sie zum Leben dazu. Diese Frauen möchten selbst bestimmen, wann die richtige Zeit für eigene Kinder ist.

Mehr als ein Viertel aller Akademikerinnen wird erst mit 35 Jahren zum ersten Mal Mutter, der Durchschnitt für alle Frauen in Deutschland liegt bei 30 Jahren.

Bei etwa 90% der Frauen, die Ihre Eizellen per Social Freezing konservieren, ist der Grund aber nicht die Karriere, sondern ein fehlender Partner. Freilich können viele dieser Frauen auch noch auf natürliche Weise schwanger werden, sobald der richtige Mann da ist.

Die Fruchtbarkeit einer Frau ist in jungen Jahren mit 23 Jahren am höchsten und nimmt bereits ab einem Alter von 32 Jahren langsam ab. Ab einem Alter von etwa Mitte 30 ist die Fertilität noch weiter eingeschränkt und die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden, ist niedriger.

Mit zunehmendem Alter ab etwa 38 Jahren nimmt die Fertilität deutlich ab, die Fehlgeburtsrate steigt an und auch die Wahrscheinlichkeit mittels künstlicher Befruchtung schwanger zu werden, sinkt merklich. So beträgt die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit mit 40 Jahren nur noch 5%. Über 43 Jahren tritt eine spontane Schwangerschaft nur noch sporadisch ein.

Mit der Kryokonservierung verschieben Frauen ihren Kinderwunsch und gewinnen ein Zeitfenster von 5 – 10 Jahren, bis ihre berufliche und private Situation bereit ist für die Erfüllung des Kinderwunsches. Gleichzeitig bewahren sie ihre aktuelle Fruchtbarkeit im höheren Alter, auch wenn die biologische Uhr tickt.

Für knapp ein Drittel der jungen Erwachsenen in Deutschland kommt Social Freezing für die Erfüllung des Kinderwunsches als Methode in Frage. Nur bei etwa 30% der Eingriffe für das Einfrieren von Eizellen handelt es sich um Social Freezing ohne medizinischen Grund. Mehr als 70% der Behandlungen werden aus medizinschen Gründen durchgeführt (z.B. bei anstehender Chemotherapie).

Eizellen einfrieren: Wie funktioniert Kryokonservierung?

Beim Social Freezing werden Eizellen der Frau nach der Entnahme eingefroren. Hierzu werden die Eierstöcke über die Dauer von ca. 10 – 14 Tagen mit Hormonen stimuliert, so dass viele Eizellen heranreifen.

Wenn die Eibläschen groß genug sind, wird die Eizellreifung ausgelöst, und wie bei der künstlichen Befruchtung werden die Eizellen in einer kurzen Narkose aus dem Körper mit einer feinen Nadel durch die Scheidenwand herauspunktiert.

Durch das Vitrifikationverfahren, ein besonders schnelles Kälteverfahren, können die entnommenen Eizellen im IVF-Labor rasch auf eine Temperatur von -196 C tiefgefroren werden und können in diesem Zustand viele Jahre unbeschadet in flüssigem Stickstoff eingefroren bleiben.

Wenn eine Frau mit Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt plant, schwanger zu werden, tauen Ärzte die kryokonservierten Eizellen Eizellen wieder auf und befruchten sie mit dem Samen des Mannes mittels IVF oder ICSI. Der entstandene Embryo kann nun in die Gebärmutterhöhle eingesetzt werden.

Wie stehen die Erfolgschancen?

Letztlich entscheidend ist, wie hoch die Chancen auf ein Baby nach dem Einfrieren der Eizellen sind. Dies hängt entscheidend vom Lebensalter der Patientin beim Einfrieren der Eizellen ab. Je jünger eine Frau ist, desto höher sind die Chancen. Um eine gute Chance auf ein gesundes Kind zu haben, sollten mindestens 20 – 30 frische Eizellen gewonnen werden. Häufig sind hierzu 2 – 3 Behandlungszyklen notwendig.

Des Weiteren hängt die Erfolgswahrscheinlichkeit von der Qualität des Samens ab und von weiteren Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen. Nicht alle dieser Faktoren sind im Vorfeld bestimmbar.

Amerikanische Wissenschaftler haben anhand von verschiedenen Bevölkerungsdaten, nationalen Registern, Studien und Daten von Kinderwunschzentren ein Rechenmodell konstruiert, um den optimalen Zeitpunkt zu berechnen, an dem Eizellen für einen späteren Kinderwunsch eingefroren werden können.

Die höchste Wahrscheinlichkeit, dass die eingefrorenen Eizellen später auch wirklich zur Geburt eines Kindes führen besteht, wenn die Eizellen zwischen 25 – 30 Jahren eingefroren werden. Allerdings ist in diesem Alter der Unterschied zu den Frauen, die abwarten und natürlich konzipieren oder bei zunächst unerfülltem Kinderwunsch eine Kinderwunschbehandlung durchführen, sehr klein (< 3%).

Mit 37 Jahren besteht der größte Unterschied bei der Erzielung einer Lebendgeburt zwischen Frauen, die Eizellen einfrieren, im Gegensatz zu Frauen, die ein abwartendes Verhalten wählen. Hier kann durch Social Freezing die Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt um 10% gesteigert werden. Die Studie geht davon aus, dass nach durchschnittlich 3, 5 bzw. 7 Jahren eine Schwangerschaft angestrebt wird.

Die Autoren bieten auch einen Online-Rechner an, mit dem die Wahrscheinlichkeit berechnet werden kann, ob die eingefrorenen Eizellen zur Geburt eines Kindes führen werden, im Gegensatz zu einem spontanen Eintritt einer Schwangerschaft.

Gibt es auch Risiken?

Komplikationen in der Behandlung können bei der Hormon-Stimulation oder der Entnahme der Eizellen auftreten. Allerdings kommt es bei weniger 0,5% der Stimulationen zu einem schweren Überstimulationssyndrom.

Altersbedingt steigen mit zunehmendem Alter der Frau auch Risiken bzw. Komplikationen während der Schwangerschaft. Nicht ganz außer Acht zu lassen sind zudem mögliche psychologische Probleme im Falle einer erfolglosen Befruchtung der aufgetauten Eizellen.

Es gibt keinerlei Hinweise, dass bei der Kryokonservierung, im Vergleich zu anderen Methoden der Kinderwunschbehandlung, ein höheres kindliches Fehlbildungsrisiko besteht. Auch wenn diese Daten noch vorsichtig interpretiert werden müssen, da bislang noch keine große Zahl von Schwangerschaften nach Befruchtung von eingefrorenen Eizellen vorliegt.

Was kostet Social Freezing?

Je nach Anzahl der notwendigen Behandlungszyklen muss mit einmaligen Kosten zwischen ca. 3.000 Euro und 9.000 Euro für das Verfahren gerechnet werden. Die Kosten sind umso höher, je mehr Eizellen entnommen werden, um die Chancen zu verbessern. Hinzu kommen jährliche Kosten für die Lagerung der Eizellen von ca. 350 Euro bis 500 Euro.

Die Kosten für eine Behandlung mittels Social Freezing werden weder von gesetzlichen Krankenkassen noch von privaten Krankenversicherungen übernommen. Die Übernahme der Kosten durch Arbeitgeber (vglb. zu den USA) ist in Deutschland bislang kein Thema.

Social Freezing aus medizinischen Gründen

Die Kryokonservierung wird aus medizinischen Gründen eingesetzt, wenn eine Erkrankung der Eierstöcke vorliegt und eine mögliche Restaktivität genutzt werden soll. Oder sie kommt bei Frauen zur Anwendung, die eine Krebserkrankung haben und vor der anstehenden Chemotherapie ihre Eizellen einfrieren wollen.

Die Amerikanische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ACOG) empfiehlt, dass Frauen, die jünger als 35 Jahre alt sind, das Einfrieren von Eizellen als Alternative zum Einfrieren von Embryonen beispielsweise vor einer geplanten Chemotherapie oder Bestrahlung des Beckens angeboten werden sollte. Wenn also ein Risiko besteht auf vorzeitiges Versagen der Eierstocksfunktion.

Entsprechend gilt die Empfehlung auch für Frauen mit genetischen Erkrankungen, wie z.B. mit dem Fragilen-X-Syndrom oder mit Mosaiken für eine Monosomie X, die ein hohes Risiko tragen frühzeitig in die Wechseljahre zu kommen.

Kryokonservierung beim Mann

Auch für Männer gibt es die Möglichkeit, Spermien oder auch Hodengewebe über Jahre hinweg einzufrieren und zu lagern (z.B. weil sie sich einer Chemotherapie unterziehen müssen). Zum passenden Zeitpunkt kann dann der Kinderwunsch durch assistierte Reproduktion mittels IVF- oder ICSI-Behandlung realisiert werden. Auch die Fruchtbarkeit des Mannes nimmt mit zunehmendem Alter ab.

Das Einfrieren von Spermien kostet 500 bis 800 Euro zzgl. Lagerung.