Jedes 6. bis 7. Paar kann nicht auf natürliche Weise und ohne ärztiche Unterstützung schwanger werden. Zudem werden Frauen in Deutschland immer älter bei der Geburt ihres ersten Kindes. Im Alter nimmt die Fruchtbarkeit der Frau jedoch ab. Immer mehr Paare entscheiden sich für den Versuch, mit Hilfe der Kinderwunschmedizin ein Baby zu bekommen.

Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) wird die Befruchtung der weiblichen Eizelle durch ein Spermium im Reagenzglas (in vitro) vorgenommen. Die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) unterscheidet sich von der IVF in der Methode der Befruchtung. Bei der Insemination werden befruchtungsfähige Samenzellen in die Gebärmutter der Frau eingebracht. So soll die Eizelle schneller besser erreicht werden als nach einem Geschlechtsverkehr.

Etwa 30 Prozent aller Behandlungen mittels künstlicher Befruchtung sind erfolgreich. Die Erfolgschance steigt entsprechend, wenn eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion oder eine In-vitro-Fertilisation mehrmals durchgeführt wird. Bei der Insemination liegt die Erfolgschance bei etwa 10 Prozent.

Chancen IVF und ICSI

Die künstliche Befruchtung ist eine Chance für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch auf dem Weg zum Wunschkind. Die Risiken der IVF (in-vitro-Fertilisation) sind gleichzeitig überschaubar. Auch für lesbische Paare sind Behandlungen mittels In-vitro-Fertilisation und ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) unter bestimmten Voraussetzungen in deutschen Kinderwunschzentren möglich.

Für Paare, die eine künstliche Befruchtung in Erwägung ziehen, ist der mögliche Erfolg der Methode von großer Bedeutung. Denn die IVF-Behandlung kann mit erheblichen Kosten verbunden sein. Natürlich interessieren sich nicht nur Paare mit Kinderwunsch, sondern auch Ärzte für die Erfolgsquoten. In Deutschland werden die Zahlen und Erfolge der Kinderwunschzentren einmal jährlich durch das IVF-Register erfasst und ausgewertet.

Im internationalen Vergleich ist die In-Vitro-Befruchtung in Deutschland sehr erfolgreich. Eine wichtige Herausforderung für die Reproduktionsmedizin liegt in der Sicherung des Erfolgs von IVF-Behandlungen bei zunehmendem Alter von Patientinnen. Leider gibt das IVF-Register keine Zahlen und Statistiken für einzelne Zentren heraus. Auch sind keine Erfolgsquoten für lesbische Paare oder Social Freezing verfügbar.

Die European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) unterhält eine Arbeitsgruppe „European IVF Monitoring“, die auf europäischer Ebene Daten reproduktionsmedizinischer Behandlungen sammelt und auswertet. Hier gibt es die neuesten Ergebnisse der Arbeitsgruppe (Table II) zu Schwangerschaften pro Punktion für IVF und ICSI. Demnach würden Reproduktionsmediziner aus Ländern wie Weissrussland, Irland oder Mazedonien zu den besten Europas zählen. Wenn dann auch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse und Methoden zwischen den Ländern gegeben wäre.

Gemäß einer US-Studie ist der Erfolg einer IVF Behandlung zudem abhängig von Beruf, Einkommen und Bildung. Es besteht wohl auch bei uns in Deutschland ein positiver Zusammenhang zwischen hohem Einkommen und der Erfolgswahrscheinlichkeit einer künstlichen Befruchtung.

Die erfolgreiche Befruchtung einer Eizelle ist nicht mit einer erfolgreichen Schwangerschaft gleichzusetzen. Wie bei jeder Schwangerschaft auf natürlichem Wege, sind auch nach der Vitro Fertilisation Fehlgeburten und Eileiterschwangerschaften möglich.

Gleichzeitig klappt eine IVF/ICSI-Behandlung nicht immer beim ersten Versuch. In vielen Prozent der Fälle werden mehrere Behandlungszyklen durchgeführt, mit entsprechend höheren Erfolgsquoten. Behandlungen, Klinikaufenthalte, Untersuchungen und Ungewissheit können zur starken psychischen Belastung und zur Belastung für den weiblichen Körper werden.

Mit dem Online Calculator der University of Aberdeen können Paare ihre Wahrscheinlichkeit berechnen mit einer IVF/ICSI schwanger zu werden, entweder vor dem Start oder auch nach (erfolglosen) IVF/ICSI Versuchen. Basis ist eine statistische Langzeitauswertung.

Eine möglichst grundlegende Information vor der In-vitro-Fertilisation und ggf. eine psychosoziale Begleitung der assistierten Reproduktion können die Chance auf ein eigenes Kind verbessern.

Zahlen zur Entwicklung von Kinderwunsch-Behandlungen

  • Weltweit wurden bislang mehr als 5 Millionen Kinder mittels künstlicher Befruchtung über IVF oder ICSI geboren.
  • In Deutschland wurden zwischen 1997 und 2014 insgesamt 250.000 Kinder nach Behandlung außerhalb des Körpers der Mutter geboren. Im Jahr 2014 wurden rund 10.000 Kinder nach IVF, ICSI und Auftauzyklen geboren.
  • Über 2,5% aller lebendgeborenen Kinder des Jahres 2014 wurden außerhalb des Körpers der Mutter geboren. Statistisch gesehen sitzt in jeder großen Schulklasse ein Kind, das sein Leben der künstlichen Befruchtung verdankt.
  • Das Durchschnittsalter der Frauen, die in Deutschland eine Befruchtung außerhalb des Körpers durchführen lassen, liegt seit vielen Jahren stabil bei 35 Jahren; Das Durchschnittsalter der Männer bei 39 Jahren.

Erfolgsquoten und Schwangerschaftsraten der künstlichen Befruchtung

  • Im Jahr 2015 wurden in 134 Behandlungszentren rund 100.000 Behandlungs-Zyklen bei 57.998 Frauen durchgeführt. Die Schwangerschaftsrate nach Durchführung einer IVF oder ICSI betrug pro Embryo Transfer im Jahr 2015 31,9%.
  • 72,7% der entstandenen Schwangerschaften führten zur Geburt. Das entspricht einer Geburtenrate von 20,5% pro begonnenem Behandlungszyklus und 23,5% pro durchgeführtem Embryo Transfer. Die Fehlgeburtenrate lag bei 20%.
  • Die Schwangerschaftsrate/Erfolgsquote für eine Frau unter 35 Jahren lag bei 35,6% pro Befruchtung. Nur 21,6% der behandelten 40-jährigen Frauen wurden schwanger. Das bedeutet eine altersabhängige Reduktion der Erfolgswahrscheinlichkeit um knapp 40%.
  • Die Befruchtung der Eizelle außerhalb des Körpers ist eine sehr sichere Methode mit relativ geringem Risiko. Die Komplikationen lagen 2015 unter 1%. Eine sehr schwere Überstimulation kam nur noch in 180 von 62.717 Fällen vor (0,29%).
  • Die Erfolgsquote beim Kryotransfer einer befruchteten Eizelle liegt im Vorkernstadium bei 8% bis 12%.

Das sollten Paare mit unerfülltem Kinderwunsch beachten

  1. Die Folgen des Alters auf die Entwicklung der natürlichen Fruchtbarkeit sollten richtig eingeschätzt werden.
  2. Der Wechsel vom eigenen Gynäkologen ins Kinderwunschzentrum sollte rechtzeitig passieren.
  3. Untersuchungen und der Beginn einer Kinderwunsch-Behandlung sollten frühzeitig in Erwägung gezogen werden. Bei der folgenden Behandlung dürfen Paare nicht zu schnell aufgegeben.

Quelle: Jahresbericht Deutsches IVF-Register, eigene Recherchen.

 

Update Dezember 2017: Zwischenzeitig ist das Jahrbuch des IVF-Registers für das Jahr 2016 erschienen. Wir haben Zahlen und Fakten aus dem Jahrbuch übersichtlich für Sie zusammengestellt.

 

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