Man liest es in Kinderwunsch-Foren, hört es in Gesprächen mit Freunden oder sieht es in Magazinen beim Arzt: Der TSH einer Frau sollte einen bestimmten Wert haben, sofern bei ihr ein akuter Kinderwunsch besteht und sie schwanger werden möchte.

Was bedeutet das Wort TSH überhaupt? Wie hoch oder wie niedrig muss der TSH sein? Und welche Auswirkungen können Abweichungen vom Normwert haben? Wir haben Ihnen die wichtigsten Informationen rund um den Wert des schilddrüsenstimulierenden Hormons in diesem Artikel zusammengefasst.

Was ist der TSH-Wert?

Bevor man den TSH-Wert erklären kann, sollte man zunächst einige Fakten über die Schilddrüse wissen. Das beim Menschen nur drei bis vier Zentimeter hohe und sieben bis elf Zentimeter breite Organ sitzt vor der Luftröhre und knapp unter dem Kehlkopf.

Gerade bei Frauen kann es jedoch sein, dass es im Laufe des Zyklus zu Veränderungen der Größe und des Gewichts der Schilddrüse kommt. Man selbst kann das leicht durch tägliches Abtasten feststellen. Nach außen hin auffällig wird sie aber meistens erst dann, wenn sie entzündet und vergrößert ist – das äußert sich im sogenannten Kropf, der vor allem bei älteren Menschen auftreten kann.

Das kleine Organ produziert stimulierende Hormone, die sich auf den kompletten Hormonhaushalt eines Menschen auswirken.

Den TSH-Wert kennen viele Menschen zunächst aus der Untersuchung und Behandlung von Erkrankungen der Schilddrüse. Ärzte bestimmen den TSH basal im Blut, um eine Schilddrüsenunterfunktion bzw. -überfunktion erkennen zu können. Der TSH-Wert ist aber besonders auch dann interessant, wenn man schwanger werden möchte und schon seit längerer Zeit ein unerfüllter Kinderwunsch besteht.

TSH steht für „Thyreoidea stimulierendes Hormon“. Der basale Wert kann im Blut untersucht werden, um die Funktion der Schilddrüse zu bewerten. TSH wird von der Hirnanhangsdrüse hergestellt und fördert verschiedene Hormone, die bei einer anstehenden Schwangerschaft wichtig sind.

Für eine Kinderwunschbehandlung sollte der TSH Wert bei 0,5 – 2,0 mU/l liegen. Idealerweise sollte er 1 mU/l oder weniger betragen – hier spricht man von einem normalen TSH-Wert. Zu niedriges TSH deutet auf eine Schilddrüsenüberfunktion hin und kann zu Zyklusstörungen führen.

Der Wert des Schilddrüsenhormons T3 sollte bei einer erwachsenen Person zwischen 0,9 und 1,8 ng/ml liegen. T3 wird auch Triiodthyronin genannt und ist das stärkste Hormon in der Schilddrüse.

Das T4 (Tetraiodthyronin) unterscheidet sich vom T3 nur durch die Anzahl der gebundenen Iodatome und ist das zweitstärkste Hormon der Schilddrüse. Der optimale basale Normwert des T4 im Blut liegt zwischen 5,5 und 11,0 μg/dl.

Zu hoher TSH-Wert

Ein zu hoher basal-Wert bei Schilddrüsenunterfunktion kann Fehlgeburten und Frühgeburten verusachen. Ein hoher Wert wird außerdem mit niedrigem Geburtsgewicht und Lungenversagen bei Neugeborenen in Verbindung gebracht.

Ist der TSH-Wert erhöht bzw. liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor, kann dies unter anderem an folgenden Symptomen bemerkt werden:

  • Überdauernde Müdigkeit,
  • Konzentrationsprobleme,
  • Kälteempfindlichkeit,
  • Verstopfung,
  • plötzliche Gewichtsveränderung.

Die Unterfunktion kann mit weiteren Symptomen einhergehen und läuft individuell ab. Bei nur leicht erhöhten Werten wird deshalb im Normalfall der Blutwert mehrere Male verglichen. Wenn sie also in einem Monat andere Werte haben als in der Zeit zuvor, wird dies der behandelnde Arzt berücksichtigen und in die Diagnose mit einbringen.

Zu niedriger TSH-Wert

Wenn der TSH-Wert im Blut zu niedrig ist, spricht man von einer Schilddrüsenüberfunktion oder von einer primären Hyperthyreose. Auch sie kann sowohl Männer als auch Frauen treffen, wobei jedoch letztere deutlich häufiger unter der Krankheit leiden.

Zu den Symptomen einer Überfunktion der Schilddrüse zählen unter anderem:

  • Starkes Schwitzen,
  • häufiges Durstgefühl,
  • Herzrasen,
  • Schlafstörungen,
  • Nervosität,
  • plötzliche Gewichtsveränderung.

Eine Überfunktion der Schilddrüse bildet sich häufig im Krankheitsbild von Morbus Basedow und bei einer Autonomie aus. Zu den weiteren Ursachen gehören eine Entzündung der Schilddrüse, hormonproduzierende Hormone im Bauchraum und eine bereits stattfindende Hormontherapie.

Bei Morbus Basedow befinden sich sogenannte TSH-Rezeptor-Antikörper (AK) im Blut. Diese TSH-AK richten sich gegen den eigenen Körper – und setzen sich in diesem Zuge auf die eigentlichen Rezeptoren für TSH.

Die Folge? Die Schilddrüse wird dauerhaft stimuliert und reagiert daher stärker als normal.

Wie läuft die Therapie ab?

Unterschieden werden müssen dauerhafte und vorübergehende Erkrankungen. Eine latente Unterfunktion oder Überfunktion kann und soll anders behandelt werden als eine manifeste. Um zu überprüfen, worum es sich handelt, wird mindestens einmal pro Monat Blut abgenommen und die TSH-Werte werden kontinuierlich mit dem Blutwert im Referenzbereich verglichen. Damit kann ausgeschlossen werden, dass individuelle hormonelle Schwankungen für niedrige oder erhöhte TSH-Werte verantwortlich sind.

Nach der exakten Diagnose einer Erkrankung der Schilddrüse kann mit der Behandlung begonnen werden. Um eine Schilddrüsenunterfunktion zu behandeln, werden dem Patienten – zumeist in Tablettenform – Hormone verabreicht.

Die durch Morbus Basedow ausgelöste Schilddrüsenüberfunktion löst sich nach ein bis zwei Jahren mit medikamentöser Unterstützung in den häufigsten Fällen selbst auf. Wenn die spontane Heilung nicht auftritt, sollten Betroffene ihren Arzt auf die Möglichkeiten einer Operation oder einer Therapie mit Jod ansprechen.

Wenn die Symptome einer Überfunktion besonders ausgeprägt sind, verordnen Mediziner zum Teil auch Betablocker, also Medikamente für das Herz.

TSH und Kinderwunsch

Frauen sollten ihr TSH prüfen lassen, wenn Sie planen ein Kind zu bekommen. Das kann für eine natürliche Schwangerschaft wichtig sein, aber auch im Vorfeld einer Kinderwunschbehandlung. Warum? Ein zu hoher oder zu niedriger TSH-Wert können mögliche Ursachen für bestimmte Störungen in der Schwangerschaft und vor der Empfängnis sein.

Der Einfluss von Schilddrüsenhormonen beeinflusst vor allem den Ablauf des Zyklus. Bleibt also der Eisprung durch eine Über- oder Unterfunktion aus, kann eine Schwangerschaft nicht eintreten. Es ist schlicht medizinisch nicht möglich.

Die Schilddrüse produziert die Hormone T3 und T4. Unabhängig davon, ob der TSH-Wert zu niedrig oder zu hoch ist, kann er zu Zyklusstörungen führen.

Bei einer Verschiebung des Zyklus kann eine Schwangerschaft zwar zustandekommen, die Wahrscheinlichkeit für Abgänge in den ersten Monaten ist jedoch deutlich erhöht. Mittlerweile konnten Wissenschaftler sogar nachweisen, dass ein Schilddrüsenwert mit einem basalen TSH über 2,5 mU/l häufiger zu Fehlgeburten führen als bei einem Normwert.

Wenn Probleme bestehen natürlich schwanger zu werden, kann das an einer Schilddrüsenunterfunktion liegen. Diese löst nämlich häufig die zugrunde liegenden Empfängnisstörungen aus. Schwangere mit entweder manifester oder latenter Hypothyreose sollten ihren Arzt um Rat fragen, der weitere Untersuchungen durchführt und die Überstimulation gegebenenfalls mit L-Thyroxin behandelt.

Sofern Sie bereits von ihren Schilddrüsenproblemen wissen und in Behandlung sind – vor allem bei Hashimoto -, sollten Sie bei Kinderwunsch ebenso mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen. Dieser wird erneut ihren aktuellen Blutwert bestimmen und kann mehr zur weiteren Vorgehensweise sagen.

Es ist wichtig, dass Ihre Medikation gegebenenfalls angepasst wird – nur dann können Sie eine Empfängnis und möglichst beschwerdefreie Schwangerschaft erreichen. Beispielsweise wird bei einer Unterfunktion oft die Gabe von Hormonen erhöht, bei einer Überfunktion nochmal deutlich gesenkt. Hier gilt: Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig nachfragen.

Aber auch ohne vorliegende Diagnose ist es sinnvoll, wenn man noch vor den ersten Schwangerschaftsversuchen den TSH-Wert genau bestimmen lässt. Nur leicht erhöhte oder niedrige Blutwerte können nämlich bei manchen Frauen schon der winzige, aber ausschlaggebende Grund für ein Nichtzustandekommen einer Empfängnis sein. Normal würde man hier noch nicht einmal von Unter- oder Überfunktionen sprechen.

Der Körper merkt später sehr schnell, dass er ein Baby versorgen muss und wird mehr Schilddrüsenhormone produzieren. Diese werden unter anderem für das Wachstum des Kindes benötigt. Besonders das Schilddrüsenhormon T3 steigt im Blutwert deutlich an. Um die 20. Woche bildet das Kind im Bauch der Mutter seine eigene Schilddrüse aus.

Da diese bereits funktionsfähig ist und Mutter und Kind durch die Nabelschnur miteinander verbunden sind, kann sich der Körper der Mutter am T3 und T4 des Babys bedienen. Sobald das Kind geboren ist, besteht deshalb bei ihm ein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenerkrankungen. Dies kann mit einer richtig eingestellten TSH-Konzentration schon vorab vermieden werden – und sollte es auch.

Auch Patientinnen mit Hashimoto können eine geringere Chance auf eine Schwangerschaft haben. Die Autoimmunerkrankung tritt als chronische Entzündung der Schilddrüse auf und führt zu akuten Störungen im weiblichen Zyklus und Hormonhaushalt. Hashimoto kann in zwei verschiedenen Formen auftreten. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis vergrößert sich die Schilddrüse, bei der Ord-Thyreoiditis verkleinert sie sich dagegen.