Dehydroepiandrosteron (DHEA) ist ein Hormon, das bei Männern und Frauen in ähnlicher Konzentration gebildet wird. Während beim Mann vor allem die Nebennierenrinde für die Produktion verantwortlich ist, wird das Hormon bei Frauen zu etwa einem Drittel zusätzlich in den Eierstöcken bereitgestellt.

Was ist DHEA?

Dehydroepiandrosteron ist das bei gesunden Menschen am häufigsten vorhandene Steroidhormon. Diese besondere Hormongruppe wird im Wesentlichen aus dem Cholesterin gebildet. DHEA ist die Vorstufe aller steroider Sexualhormone – sowohl der männlichen Androgene als auch der weiblichen Östrogene.

Östrogen selbst entsteht dabei durch eine Umwandlung aus Testosteron.

Im weiblichen Organismus werden überwiegend Östrogene hergestellt. Allerdings ist auch das männliche Sexualhormon Testosteron in geringen Konzentrationen vorhanden. Dem Testosteron als Produkt des DHEA kommt nicht nur eine wichtige Bedeutung beim Knochen- und Muskelaufbau zu, auch die weibliche Sexualität wird von diesem männlichen Hormon beeinflusst.

Auf der einen Seite werden DHEA und Testosteron eine gesteigerte Libido zugeschrieben. Ein Überschuss von diesen Hormonen kann sich jedoch negativ auf die Fruchtbarkeit der Frau auswirken.

Welche Wirkung besitzt DHEA?

Das Hormon ist in nennenswerten Konzentrationen erst ab der Pubertät vorhanden. Bei einem Alter von 20 Jahren erreicht es seinen Höhepunkt und sinkt dann mit zunehmendem Alter auf ein Drittel des ursprünglichen Niveaus.

Aufgrund seiner Eigenschaften besitzt das Dehydroepiandrosteron den Ruf eines Anti-Aging-Hormons. [1] So soll es in Stresssituationen einen schützenden Effekt ausüben und Stoffwechselvorgänge im Gehirn sowie Diabetes mellitus auf günstige Weise beeinflussen.

In einer Studie [2] konnte unter der Gabe von Dehydroepiandrosteron eine eindeutige Verminderung des Körper- und Unterhautfettgewebes festgestellt werden.

Die Wirkung ist nicht ausschließlich auf das Sexualleben beschränkt. Eine amerikanische Studie [3] konnte nachweisen, dass DHEA an sehr vielen Organen andocken kann. So wirkt es insbesondere an den Wänden der Blutgefäße und fördert auf diese Weise die Durchblutung.

Nicht verwunderlich, dass vor allem ältere Männer und Bodybuilder zu dem Wirkstoff greifen.

In Deutschland ist das Hormon DHEA in Reinform als Medikament nicht zugelassen, kann aber etwa als Nahrungsergänzungsmittel in den USA erworben werden.

Wie ist ein DHEA-Mangel oder ein Überschuss zu bewerten?

Bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch spielt das Hormon Dehydroepiandrosteron gleich eine doppelte Rolle.

Für die Bildung der weiblichen Sexualhormone ist eine ausreichende Konzentration des Hormons eine wesentliche Voraussetzung.

Eine Fehlsteuerung kann auf der einen Seite einen Mangel an DHEA-Produktion verursachen, andererseits auch zu einem Überschuss an männlichen Sexualhormonen führen.

Liegt ein Mangel vor, so genügt es nicht diesen lediglich auszugleichen, sondern die Ursache muss ausfindig gemacht werden.

Eine Minderfunktion der Nebennierenrinde, Autoimmunerkrankungen sowie auch Immunsuppressiva können für einen niedrigen DHEA-Spiegel verantwortlich sein. Gleichermaßen konnte bei Rauchern ein DHEA-Mangel nachgewiesen werden.

Bei chronischem Stress wird vermehrt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Da dieses ebenfalls in der Nebennierenrinde gebildet wird, geht Stress mit einem gleichzeitigen Mangel an DHEA einher.

Anzeichen einer Depression, wie Müdigkeit und Antriebsschwäche können ebenfalls mit einem niedrigen DHEA-Spiegel verbunden sein.

Fehlt das Dehydroepiandrosteron als wichtiges Hormon für den Stoffwechsel der Muskulatur kann verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit die Folge sein.

Ein Zuviel des Sexualhormons DHEA kann hinsichtlich eines Kinderwunsches weitreichende Folgen für die Frau nach sich ziehen.

Bei einem erhöhtem DHEA Spiegel muss an das polyzystische ovarielle Syndrom (PCOS) gedacht werden. Auch bösartige Tumore in den Eierstöcken oder der Nebennierenrinde können vermehrt das Sexualhormon produzieren.

Zu hohe Werte an Sexualhormonen können ihre Ursache außerdem im Adrenogenitalen Syndrom (AGS) finden. Die klassische Form dieser erblich bedingten Störungen ist durch eine vermehrte Produktion männlicher Sexualhormone sowie durch Salzverlust gekennzeichnet.

Die nicht klassische Form des AGS (late onset AGS) fällt vielfach erst durch eine Störung des Menstruationszyklus nach der Pubertät auf oder einen Überschuss an DHEA und Testosteron.

Übergewicht scheint auf zweierlei Wiese einen Einfluss auf den DHEA–Haushalt ausüben zu können.

Zum einen sind Fettzellen in der Lage, DHEA und Testosteron zu bilden. Die Gefahr eines Überschusses männlicher Sexualhormone steigt somit bei übergewichtigen Frauen.

Demgegenüber erhöht das Stresshormon Cortisol nicht nur die Neigung zur Einlagerung von Fettgewebe sondern zieht auch einen DHEA-Mangel nach sich.

Welche Untersuchungen wird der Arzt vornehmen?

Vor jeder Behandlung eines unerfüllten Kinderwunsches wird der Hormonstatus der Frau bestimmt.

In vielen Fällen wird der DHEA-Spiegel im Rahmen der Erstdiagnostik routinemäßig miterfasst. Eine zu hohe oder zu niedrige Konzentration des Hormons zieht weitere Untersuchungen nach sich.

Im Labor wird DHEA meist in der Speicherform DHEA-S (Dehydroepiandrosteronsulfat) gemessen, da dieses technisch leichter nachzuweisen ist.

Methoden zur Diagnostik erblich bedingter Defekte, wie dies beim Adrenogenitalen Syndrom der Fall ist kommen bei einem entsprechenden Verdacht zum Einsatz.

Ein Ultraschall der Eierstöcke kann frühzeitig den Grund für das Ausbleiben einer Schwangerschaft anzeigen. Bei hohen Werten an männlichen Sexualhormonen ist ein MRT der Nebennierenrinde zwingend, um einen möglichen Tumor auszuschließen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie ist abhängig von der gemessenen Hormonkonzentration im Blut, einer möglichen Grunderkrankung und dem Ziel der Behandlungsmaßnahme.

So kann das DHEA auf der einen Seite die Ursache der Symptome sein, andererseits dient es als Wirkstoff zur Behandlung bestimmter Krankheitsbilder.

Wird ein Hormon-Mangel diagnostiziert, ist die Verabreichung von DHEA eine denkbare Möglichkeit. Der behandelnde Arzt kann in diesem Fall zugelassene Kombinationspräparate verschreiben.

Im Hinblick auf eine Kinderwunschbehandlung zeigen Studien mit Frauen über 35 Jahren unter Anwendung einer DHEA-Therapie eine signifikant verbesserte Situation. Das trifft sowohl auf die Qualität der Eizellen als auch der Embryonen zu. [4] [5]

Diese Tatsache muss jedoch nicht unbedingt die Schwangerschafts- und Geburtenrate erhöhen.

Auch hinsichtlich einer verbesserten Durchblutung ist eine DHEA-Substitution denkbar.

Grundsätzlich sollten immer mögliche unerwünschte Nebenwirkungen im Falle einer Überdosierung bedacht werden.

Einer Überproduktion männlicher Geschlechtshormone liegt häufig Übergewicht und mangelnde Bewegung zugrunde. Wird eine Kinderwunschbehandlung angestrebt, sollten Frauen vorsichtig an die Möglichkeit einer Gewichtsreduzierung herangeführt werden. So kann auch das allgemeine Wohlbefinden während der Schwangerschaft deutlich gesteigert werden.

FSH-haltige Medikamente wie etwa Clomifen können im Rahmen einer Hormonbehandlung unter Umständen zu einer Überstimulation der Eierstöcke führen. Verschiedentlich wird auch die Verabreichung von Metformin vorgeschlagen. Das Medikament kann vor allem bei Patienten mit PCOS zu einer Normalisierung des Zyklus und damit zu einer höheren Fruchtbarkeitsrate führen.

Welche Nebenwirkungen können bei der Einnahme von DHEA auftreten?

Die Einnahme von Sexualhormonen wird in unserer Gesellschaft kritisch beäugt. Anabolika – zu denen auch DHEA und Testosteron zählen – besitzen keinen guten Ruf. Hormonbehandlungen in den Wechseljahren stehen zudem im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs.

Während reine DHEA Produkte in Deutschland als Arzneimittel nicht zugelassen sind, werden sie außerhalb Deutschlands als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Die angegebene Konzentration der Wirksubstanz DHEA kann abhängig vom Hersteller beträchtlich schwanken. DHEA sollte generell nur in der Behandlung durch einen Arzt genommen werden.

In Deutschland ist die Substanz DHEA als Medikament nur in Kombination mit Östrogen zugelassen. Auch hier muss mit weitreichenden Nebenwirkungen gerechnet werden. Die durchaus begründete Angst vor einer Vermännlichung, vermehrtes Wachstum von Haaren im Gesicht und um die Mamille sowie eine unreine Haut können große Belastungen mit sich bringen. Auch Störungen der Menstruation, des Fettstoffwechsels sowie depressive Stimmungslagen muss der Arzt gegen den Nutzen einer Behandlung abwägen.

 

Quellen:

[1] Barrett-Connor, E. et al, NEJM, 1986, 315, 1519-1524
[2] Villareal, D.T. et al, JAMA 2004, 292, 2243-2248
[3] Liu (Liu D, Dillon JS. 2002. Dehydroepiandrosterone activates endothelial cell nitric-oxide synthase by a specific plasma membrane receptor coupled to Ga i2,3. J Biol Chem 277:21379-21388)
[4] Is dehydroepiandrosterone (DHEA) supplementation really effective on IVF-ICSI outcome in patients with poor ovarian reserve? M. Karaa, T. Aydinb,T. Aranc, N. Turktekind, B. Ozdemirb, P-1288 Thursday, October 17, 2013
[5] D. Barad und N. Gleicher (Hum Rep 2006 und Reprod Biol Endoc. 2011)

 

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