Es gibt verschiedene Dinge, auf die man beim Versuch schwanger zu werden achten sollte. Eine gesunde Ernährung, wenig Stress und ein ruhiger Alltag können die Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft und ein Kind erhöhen. Eine besonders wichtige Rolle spielt außerdem das Vitamin B9, auch bekannt als Folsäure.

Folsäure und Folat: Wo ist der Unterschied?

Bei der Folsäure handelt es sich um ein wasserlösliches B-Vitamin, welches es so in der Natur nicht gibt. Deswegen wird diese synthetische Verbindung industriell hergestellt.

Besonders wichtig ist, dass Folsäure nicht bioaktiv ist. Das heißt, dass dieses B-Vitamin nicht direkt vom Körper verwendet werden kann und deshalb zunächst in eine verwertbare Form umgewandelt werden muss. Bei dieser verwertbaren Form spricht man von Folat, der natürlichen Form der Folsäure.

Die Umwandlung erfolgt mithilfe des Enzyms 5,10 – MTHFR, welches jedoch aufgrund genetischer Unterschiede nicht bei jedem Menschen in ausreichender Menge oder Funktion vorliegt. In vielen Fällen kann deshalb der Körper nicht genügend Folsäure in das bioaktive Folat umwandeln, was einen Vitaminmangel zur Folge hat.

Warum ist Folsäure wichtig beim Kinderwunsch?

Folsäure ist besonders in den ersten Schwangerschaftswochen der werdenden Mutter wichtig, da es zur Entwicklung des embryonalen Neuralrohrs, der ersten Entwicklungsstufe des zentralen Nervensystems, beiträgt. Später bilden sich daraus das Gehirn und das Rückenmark des Babys.

Folsäure kann Neuralrohrdefekte vermeiden sowie die Zellbildung und -teilung unterstützen. Das Neuralrohr verschließt sich etwa drei bis vier Wochen nach der Empfängnis. Zu diesem frühen Zeitpunkt wissen viele Frauen noch gar nicht, dass sie schwanger sind. Die Folgen eines Neuralrohrdefektes können neurologische Schäden, wie Spina Bifida (offener Rücken) oder andere Missbildungen beim Kind sein.

Deswegen wird Frauen vor einer Schwangerschaft empfohlen, ergänzende Folsäurepräparate zu sich zu nehmen. Mögliche Entwicklungsstörungen beim Baby werden bereits vorher durch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B9 minimiert.

Zudem kann mit Folsäure auch das Risiko von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten beim Kind gesenkt werden.

Wieviel Folsäure braucht eine Frau, die schwanger werden möchte?

Jeder Mensch benötigt Folsäure. Jedoch ist die richtige Dosierung bei Frauen mit Kinderwunsch sehr viel höher. Normalerweise benötigt ein Jugendlicher oder Erwachsener etwa 300 µg Folat am Tag. Bei Schwangeren verdoppelt sich dieser Bedarf nahezu auf 550 µg. Diese Dosis ist nur schwer mit der normalen Ernährung zu decken. Deswegen gibt es verschiedene Möglichkeiten, den benötigten Folat-Haushalt anderweitig schnell und nachhaltig aufzufüllen.

Welche Lebensmittel sind besonders folathaltig?

Der Begriff Folat wird aus dem Lateinischen „folium“ abgeleitet und bedeutet „Blatt“. Wie der Name schon sagt sind grüne Pflanzenblätter, also etwa Spinat und Salate, reich an Folsäure.

Aber auch andere Lebensmittel, wie Hülsenfrüchte, Nüsse, Sprossen, Weizenkeime, Vollkornprodukte sowie Kartoffeln, Eier und Leber beinhalten viel Folat. Bei den Früchten, sollten Frauen mit Kinderwunsch besonders zu Honigmelonen, Erdbeeren, Trauben und Orangen greifen. Weiterhin ist zu empfehlen, Rosenkohl, grünes Blattgemüse, Spargel und Brokkoli in die tägliche Ernährung einzubringen.

Welche Möglichkeiten von Ergänzungsmitteln gibt es?

Zum einen gibt es reine Folsäurepräparate, die Frauen mit Kinderwunsch zu sich nehmen können. Da das Folat jedoch ohne ausreichend Vitamin B12 im Körper nicht wirken kann, werden oftmals Kombipräparate bestehend aus den beiden Vitaminen empfohlen. Somit kann das Vitamin B12 das Folat aktivieren und die Wirkung auslösen.

Weiterhin werden Präparate angeboten, die aus Folat und Docosahexaensäure (DHA) bestehen. DHA sorgt dafür, den Haushalt der Omega-3-Fettsäuren aufzufüllen. Die Kombination wird empfohlen, weil DHA in der Schwangerschaft ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Es fördert die Entwicklung des Nervensystems und der Sinnesorgane Ihres Kindes. Frauen, die einen Mangel an Omega-3-Fettsäuren haben, sollten also zu diesem Kombipräparat greifen.

Es gibt noch zahlreiche weitere Präparate, die man bei Folsäure-Mangel zu sich nehmen kann, wenn man versucht schwanger zu werden. In jedem Fall sollten Frauen Rücksprache mit ihren Gynäkologen halten und Untersuchungen durchführen, um etwaige Mängel aufzudecken. Somit können bereits im Vorwege gute Voraussetzungen für eine Schwangerschaft geschaffen und mögliche Risiken oder Fehlbildungen verringert werden.

Jährlich werden Folsäure-Präparate im Wert von 86 Millionen Euro in Deutschland verkauft. Marktführer ist Femibion mit einem Marktanteil von 60 Prozent. Folio von Steripharm kommt auf einen Anteil von 14 Prozent.

Ab wann sollten Folsäure-Präparate genommen werden bei Kinderwunsch?

Folsäure benötigt etwas Zeit, um sich im Körper aufzubauen. Wird mit der Pille verhütet, leidet die Folsäure-Versorgung. Frauen sollten nach dem Absetzen der Verhütungsmittel darauf achten, genug von dem Vitamin zu sich zu nehmen. Sie sollten Folsäure-Tabletten einnehmen 3 – 4 Monate bevor es losgehen soll mit Schwangerschaft und Kind.

Folio- oder Folsäure-Tabletten in hoher Dosierung und weitere sinnvolle Vitamine gibt es rezeptfrei in Apotheken oder auch in Online-Shops. Der Folsäurespeicher sollte rechtzeitig vor der Schwangerschaft ausreichend gefüllt sein.