Die Befruchtung einer Eizelle ist nur einmal im Monat möglich. Eine Samenzelle kann nur wenige Tage überleben. Mit Hilfe von Zyklusmonitoring können die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung bei Kinderwunsch verbessert werden. Die Methode kann den Zeitpunkt für den Eisprung ermitteln sowie den günstigsten Zeitraum für den Verkehr.

Wann wird ein Zyklusmonitoring durchgeführt?

Das Monitoring kann geeignet sein, wenn der Eisprung der Frau unregelmäßig eintritt; Oder wenn die Temperaturmessung und die Zähigkeitsprüfung der Gebärmutterschleimhaut nicht verlässlich sind.

Eine leicht verminderte Spermienanzahl oder -qualität kann eine intrauterine Insemination (IUI) erforderlich machen, bei der gleichfalls diese Methode genutzt wird.

Wie wird die Diagnose durchgeführt?

Mit der Hilfe von Ultraschalluntersuchungen lässt sich feststellen, in welchem Eierstock sich ein Eibläschen bildet und wie groß der Follikel ist.

In einem gemeinsamen Gespräch erarbeitet das Paar mit dem Arzt einen Plan, wann im Rahmen des Spontanzyklus der optimale Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr sein wird (GVP = Geschlechtsverkehr nach Plan).

Zyklusüberwachung bei künstlicher Befruchtung?

Schlägt der Arzt eine In-vitro-Fertilisation (IVF) oder intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) vor, müssen Eisprung und die Dicke der Gebärmutterschleimhaut ebenfalls überwacht werden.

Da der Eisprung in diesem Fall durch eine Hormonbehandlung ausgelöst wird, kommt dem Zyklusmonitoring eine weitere wichtige Aufgabe zu. Der Termin der Eizellpunktion sowie des Embryotransfers kann anhand des Hormonspiegels genau festgelegt werden.

Auch beim Social Freezing kommt der exakten Terminierung eine wesentliche Bedeutung zu. Der Auftauvorgang der Eizellen, der passende Zyklustag und die Gewinnung der Spermien müssen gut geplant sein.

Kann die Ursache der ungewollten Kinderlosigkeit festgestellt werden?

Die Diagnose dient nicht zuletzt der Ursachenfindung bei einem unerfüllten Kinderwunsch. Die Überwachung der hormonellen Vorgänge im Labor sowie der Darstellung von Gebärmutter und Eierstöcke mittels Ultraschall sind ein wichtiger Faktor bei der Frage nach dem weiteren Vorgehen.

Wie ist der Ablauf?

Vielfach kann die Beobachtung eines einzigen Zyklus genügen, um eine Aussage hinsichtlich der weiteren Behandlung und der Erfolgschancen zu treffen. Kann eine Schwangerschaft nicht nach dem ersten Zyklus erreicht werden, wird der Arzt je nach vorangegangener Belastung gemeinsam mit dem Paar eine weitere Untersuchung vereinbaren.

Ist die Kinderwunsch-Behandlung in einem Spontanzyklus oder einer intrauterinen Insemination ohne Hormongabe möglich, so ist die Belastung durch Labor und Ultraschall nicht gravierend.

Ultraschall:

Die bildgebende Untersuchung mittels Ultraschall ist schmerzlos und ungefährlich. Mit einem etwa 20 cm langen Ultraschallstab lassen sich in einem Untersuchungsgang Eierstöcke und Ovarien darstellen. Der Gynäkologe hat die Möglichkeit, das Wachstum der Follikel zu überwachen.

Hormonuntersuchungen:

Laboruntersuchungen von Blutabnahmen lassen einen raschen Rückschluss auf mögliche Veränderungen des Hormonstatus sowie auf die Reife der Follikel zu. Meist genügen zur Überwachung die Bestimmung von Östradiol, luteinisierenden Hormon (LH) sowie des Follikelstimulierenden Hormons (FSH). Bei offensichtlichen Abweichungen können mit demselben Blut weitere Bestimmungen nachgeholt werden.

Untersuchung des Zervixsekrets:

Unmittelbar vor dem Eisprung ist der Schleim im Gebärmutterhals weniger zäh und meist von klarem Aussehen. Diese Untersuchung ist leicht selbst durchführbar.

Postkoitaltest (PCT):

Zum Zyklusmonitoring zählt in vielen Praxen auch der sogenannte Postkoitaltest. Dieser trifft am Tag nach dem vorherbestimmten Geschlechtsverkehr eine Aussage, inwieweit überlebensfähige Spermien in der Vagina beziehungsweise dem Gebärmutterhals vorhanden sind.

Wie lange dauert das Zyklusmonitoring?

Die Dauer des Monitoring ist von der Zykluslänge abhängig. Eigene Beobachtungen, wie bekannte Unregelmäßigkeiten, können dem Arzt wichtige Vorabinformationen bieten. In den meisten Fällen wird ein Monatszyklus für die Beobachtung ausreichend sein.

Die Kontrollperiode beginnt üblicherweise mit dem dritten bis fünften Tag nach einem beginnenden Zyklus (erster Tag der Periode). Eine erste Ultraschalluntersuchung und vor allem die Laborwerte ergeben Basiswerte für die spätere Beurteilung von Abweichungen.

Zwischen dem zehnten und zwölften Tag nach Beginn der Periode ist erstmals eine Beurteilung der Follikel sowie der Gebärmutterschleimhaut möglich. Beginnt der Zervixschleim dünnflüssiger und im Aussehen klarer zu werden, ist der Muttermund bereit Spermien hindurchzulassen.

Der Eisprung selbst kann mit unterschiedlichen Methoden bestimmt werden. Mit der Bestimmung der Hormone LH, Östradiol und FSH wird eine Genauigkeit des Eisprunges von 24 bis 48 Stunden erreicht.

Eine Woche nach dem Eisprung ist vor allem der Nachweis von Progesteron (Gelbkörperhormon) im Blut wichtig. Die Diagnose gibt einen entscheidenden Hinweis auf eine mögliche Gelbkörperschwäche. Problemen beim Einnistungsvorgang kann somit frühzeitig begegnet werden.

Welchen Vorteil hat das Zyklusmonitoring?

Soweit eine Unregelmäßigkeit im weiblichen Zyklus erkennbar ist, stellt dies einen hohen Risikofaktor für das Erreichen einer Schwangerschaft dar. Oftmals genügt schon eine einzige überwachte Chance, damit sich der Kinderwunsch erfüllen kann.

Sicherheit für die erfolgreiche Schwangerschaft kann das Zyklusmonitoring indes nicht bieten. Liegt eine normale Zykluslänge von 28 Tagen vor, so dürfte eine Steigerung der Chancen durch das Zyklusmonitoring eher gering sein. [1]

Die Erfüllung des Kinderwunsches hängt zudem in hohem Maß vom Alter der Patientin ab. So ist bei Frauen über 35 Jahren ein Behandlungserfolg durch das Monitoring eher fraglich. [2]

Wie hoch sind die Kosten?

Die Gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten eines Zyklusmonitoring. Daran anschließende Behandlungen müssen jedoch separat betrachtet werden.

 

Quellen:

[1] CG156 Fertility: Assessment and treatment for people with fertility problems (NICE guideline 20 February 2013)

[2] Farquhar C, Rishworth JR, Brown J, Nelen WLDM, Marjoribanks J. Assisted reproductive technology: an overview of Cochrane Reviews. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 7. Art. No.: CD010537

 

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