Häufig ist es immer noch so, dass bei ungewollter Kinderlosigkeit zunächst die Frau zum Arzt geht, wenn es trotz guter Vorbereitung mit der Schwangerschaft über einen langen Zeitraum nicht klappt. Dabei liegt in 50% der Fälle die Ursache dafür beim Mann. Meistens ist es gar nicht so einfach, eine Unfruchtbarkeit und ihre ersten Anzeichen zu erkennen.

Symptome für eine Sterilität des Mannes können eine starke Gewichtsveränderung oder auch eine Schwellung der Hoden sein. Schmerzen beim Wasserlassen oder in den Hoden können auf eine Infektion hinweisen, die ebenfalls ein Grund für Unfruchtbarkeit sein kann.

Entscheidend für die Fruchtbarkeit des Mannes ist die ausreichende Produktion gesunder und gut beweglicher Spermien. Zumindest 30% der Spermien sollten eine normale Form besitzen und mindestens 50% sollten gut beweglich sein. Zudem muss ein gut funktionierender Transportweg vom Hoden in die Nebenhoden über den Samenleiter nach draußen vorhanden sein.

Unfruchtbarkeit nimmt zu bei Männern

Forschungsergebnisse scheinen zu bestätigen, dass die männliche Fruchtbarkeit in den westlichen Industrienationen abnimmt. Die durchschnittliche Spermienzahl hat sich hier in den letzten Jahrzehnten um fast die Hälfte reduziert.

20% aller Männer zwischen 18 und 25 Jahren verfügen demnach über eine deutlich niedrigere Spermienanzahl. Die Gesamtzahl von Spermien pro Samenerguss ist stark gesunken.

In den 40er Jahren besaß ein Mann 100 Millionen Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit, heute liegt die Spermiendichte im besten Fall noch bei 60 Millionen pro Milliliter.

Der Grund für die Zunahme der Unfruchtbarkeit ist unklar. Mögliche Ursachen könnten Umweltfaktoren und sogenannte Lifestyle-Faktoren sein.

Das Verhalten der Mutter als Ursache für Unfruchtbarkeit

Unfruchtbarkeit bei Männern kann stark von der Lebensweise der Mutter während der Schwangerschaft abhängen. Denn die Produktionskapazität für Samen wird bereits wenige Wochen nach der Geburt verankert. Je gesünder die Mutter in der Schwangerschafts- und Geburtsphase lebt, um so fruchtbarer kann der Sohn im späteren Leben werden.

Toxine, denen die Mutter ausgesetzt ist, können entprechend die Fruchtbarkeit behindern. Zu diesen Giftstoffen gehört Tabak während der Schwangerschaft, der die Spermienproduktion des Sohnes um 40% reduzieren kann. Und zwar dauerhaft, ohne Möglichkeit auf Regeneration.

Auch wenn die Mutter stark übergewichtig ist während der Schwangerschaft, kann das die Fruchtbarkeit des Kindes beeinträchtigen. Die Ursache liegt wahrscheinlich darin, dass viel Fett deutlich mehr Chemikalien speichert als wenig Fett in einem schlanken Körper.

Medizinisch bedingte Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen für eine Sterilität zählen ein spät behandelter Hodenhochstand oder eine Mumpsinfektion mit Beteiligung des Hodens sein.

Für die Produktion intakter Spermien ist ein gesundes Hodengewebe notwendig. Als weitere Ursachen für einen geschädigten Hoden kommen Chlamydien, eine Unterversorgung mit männlichen Hormonen, genetische Anomalien oder ein Tumorerkrankung in Frage.

Spermien entwickeln sich unter dem Einfluss von Hormonen. Dazu gehört auch das männliche Sexualhormon Testosteron. Testosteronmangel kann zu einer reduzierten Anzahl von Spermien in der Samenflüssigkeit führen.

Genetische Defekte oder eine erektile Dysfunktion können ebenfalls Ursache für Zeugungsunfähigkeit sein. Ein verklebter oder durchtrennter Samenleiter kann daneben die Spermien auf ihrem Weg behindern (z.B. ausgelöst durch Infektionen, eine angeborene Fehlbildung oder Entzündungen).

Insbesondere können auch dauerhafte überhitzte Hoden Schaden nehmen, z.B. durch Krampfadern oder Durchblutungsstörungen, und so zur Ursache für Infertilität werden.

Theoretisch können Männer auch an Endometriose leiden, z.B. wegen einer Behandlung mit Östrogen (etwa bei Prostatakrebs).

Umweltfaktoren

Zu den Giften aus der Umwelt zählen Lebensmittelzusätze, Weichmacher, Giftstoffe in Kleidung, Hygieneartikeln (z.B. Triclosan), Möbeln oder Wänden sowie belastetes Trinkwasser. Die Geschlechtsorgane leiden als sensible Bereiche des Körpers ganz besonders unter Schadstoffen. Eine dauerhafte oder starke Belastung kann zur Unfruchtbarkeit bei den betroffenen Männern führen.

Gemäß einer US-amerikanischen Studie können Weichmacher die männliche Fruchtbarkeit um 20% reduzieren. Weichmacher sind in vielen Verbrauchsprodukten des täglichen Bedarfs vorhanden. Weichmacher sorgen dafür, dass Stoffe elastischer und geschmeidiger sind. Eingesetzt werden sie insbesondere in Kunstoffen, Gummi und Lacken.

Aber auch weibliche Hormone können der Fruchtbarkeit des Mannes schaden. Über das Grundwasser und Trinkwasser verbreiten sich etwa Östrogene von Frauen, die hormonell verhüten. Phytoöstrogenhaltiges Soja (z.B. in Fertigprodukten verwendet) oder auch Chemikalien, die hormonähnliche Wirkungen haben, können ebenfalls die Hormone eines Mannes verändern.

Lifestyle-Faktoren

Ein ungesunder Lebenswandel oder Übergewicht schaden sowohl der Fruchtbarkeit der Frau als auch des Mannes. Weitere Lifestyle-Faktoren, welche die Fruchtbarkeit ungünstig beeinflussen können, sind Nikotin, Drogen, fehlender Sinn für gesunde Ernährung oder Alkohol. Stress kann die Libido und Spermienqualität ebenfalls negativ beeinflussen.

Weiterhin kann Hitze dem Hoden schaden. Enge Unterwäsche erhöht die Temperatur in der männlichen Genitalgegend. Auch regelmäßige Arbeit mit dem Notebook auf dem Schoß kann sich ungünstig auf die Fruchtbarkeit auswirken, genau wie regelmäßige Aufenthalte im heißen Whirlpool oder heiße Bäder.

Wer regelmäßig Anabolika einnimmt, etwa um Bodybuilding zu unterstützen, riskiert ebenfalls negative Auswirkungen auf seine Fruchtbarkeit.

Unfruchtbarkeit beim Mann: Was tun

Wenn es nicht gleich klappt mit dem Kinderwunsch, können Männer zunächst ihren Lebensstil überprüfen (siehe oben). Täglicher Geschlechtsverkehr erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit nicht, da sich der Spermienspeicher leert.

Es ist Männern davon abzuraten, Präperate mit Testosteron zu nehmen. Testosteron bewirkt gerade das Gegenteil, bei einer Zugabe von außen stellt die Hirnanhangsdrüse die Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons ein. Im Ergebnis fällt die Spermienproduktion ab.

Falls sich auch über ein Jahr keine Schwangerschaft auf natürlichem Wege einstellt, können eine ärztliche Beratung und ggf. eine Behandlung mittels assistierter Reproduktion sinnvoll sein. Viele Ursachen können behandelt werden. Bei Infektionen werden Antibiotika verabreicht, bei Hormonmangel oder erektiler Dysfunktion kann ebenfalls eine medikamentöse Behandlung anspringen.

Mediziner können die Sperminen mit Samenextraktion auf dem Weg zur Eizelle unterstützen. Bei der testikulären Spermienextraktion (TESE) werden Spermien aus dem Hodengewebe entnommen mittels Hodenbiopsie.

Mit neueren Techniken können zudem reife Spermien identifiziert (PICSI) oder wenig geeignete Spermien aussortiert werden (IMSI). Entsprechend steigen die Chancen.

Künstliche Befruchtung mit optimierten Spermien kann die Aussicht auf den Kinderwunsch nochmals verbessern. Dazu gehören Verfahren wie die In-Vitro-Fertilisation (Zeugung im Reagenzglas), ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion), oder – wenn sonst nichts mehr hilft – die künstliche Befruchtung einer Frau mittels Samenspende.

Impotenz bedeutet nicht Unfruchtbarkeit

Impotenz bedeutet nicht automatisch Unfruchtbarkeit. Vielmehr ist ein Mann impotent, wenn er unfähig ist, eine Erektion zu erlangen, die zum Geschlechtsverkehr ausreicht. Zudem können einige Männer den Zeitpunkt des Samenergusses nicht kontrollieren. Der Samenguss findet dann vorzeitig, verzögert, oder aber gar nicht statt.

Zu den Ursachen von Impotenz gehören Diabetis, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Probleme, hormonelle Störungen, Stress oder Depressionen. Bis zu 90% aller Erektionsstörungen sind organisch bedingt. Psychische Ursachen sind in 10% der Fälle ausschlaggebend. Fast 90% aller Männer mit Depression leiden auch unter Erektionsstörungen. Interessanterweise können auch schlechte Fahrradsättel erheblich zu Potenzstörungen beitragen.

 

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