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Klappt es trotz guter Vorbereitung längere Zeit nicht mit einer Schwangerschaft, suchen sich die meisten Paare Hilfe. Häufig geht zunächst die Frau zum Arzt, um sich untersuchen zu lassen. Dabei liegt die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit in 40 bis 50 Prozent der Fälle beim Mann.

Unfruchtbarkeit beim Mann: Welche Anzeichen gibt es?

Die Unfruchtbarkeit beim Mann (auch Infertilität, Sterilität oder Zeugungsunfähigkeit genannt) ist auf den ersten Blick oft nicht zu erkennen, da es in der Regel keine körperlichen Symptome gibt. Erste Anzeichen für eine beginnende Sterilität des Mannes können aber zum Beispiel eine starke Gewichtsveränderung oder auch eine Schwellung der Hoden sein. Darüber hinaus weisen Schmerzen beim Wasserlassen oder in den Hoden auf eine Infektion hin, die ebenfalls ein Grund für Unfruchtbarkeit sein kann.

Entscheidend für die Fruchtbarkeit des Mannes ist die Spermienqualität. Das bedeutet, dass die Hoden eine ausreichende Anzahl von Spermien produzieren müssen, die gesund und gut beweglich sind. Als Richtwert gilt: In einem Milliliter Spermienflüssigkeit sollten mindestens 15 Millionen Spermien vorhanden sein und etwa ein Drittel der Spermazellen sollte sich gut bewegen können. Zudem muss der Transportweg vom Hoden in die Nebenhoden und über den Samenleiter nach draußen gut funktionieren, damit die Spermien in das Ejakulat gelangen.

Nimmt die Unfruchtbarkeit bei Männern zu?

Forschungsergebnisse scheinen zu bestätigen, dass die männliche Fruchtbarkeit in den westlichen Industrienationen abnimmt. Demnach ist die durchschnittliche Spermienzahl in einem Milliliter Sperma in den vergangenen Jahrzehnten um die Hälfte gesunken. So besaß in den 1970er Jahren ein Mann 100 Millionen Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit, im Jahr 2011 lag die Spermiendichte dagegen bei rund 50 Millionen pro Milliliter. Der Grund für die Abnahme der Spermienzahl ist bislang unklar. Mögliche Ursachen könnten Umweltfaktoren und auch der Lebensstil sein.

Unfruchtbarkeit: Lebensstil der Mutter hat entscheidenden Einfluss

Die Grundlage für eine spätere Unfruchtbarkeit wird oft schon früh festgelegt. Bestimmte Giftstoffe zum Beispiel, denen die Mutter während der Schwangerschaft ausgesetzt ist, können die Entwicklung der Geschlechtsorgane ihres ungeborenen Sohnes und somit auch dessen spätere Zeugungsfähigkeit beeinflussen.

Tierversuche an Mäusen haben zum Beispiel gezeigt, dass Rauchen während der Schwangerschaft der Spermienproduktion und -qualität des Sohnes schadet. Und zwar dauerhaft, ohne Möglichkeit auf Regeneration. Auch eine stark übergewichtige Schwangere kann die Fruchtbarkeit ihres Kindes beeinträchtigen. Experten vermuten, dass durch den höheren Anteil an Körperfett bei Übergewichtigen deutlich mehr Chemikalien im Körper gespeichert werden als bei schlanken Menschen. Je mehr die Mutter also in der Schwangerschafts- und Geburtsphase auf ihre Gesundheit achtet, umso fruchtbarer kann ihr Sohn im späteren Leben sein.

Medizinisch bedingte Ursachen

Zu den häufigsten Auslösern für eine Sterilität beim Mann zählen ein spät behandelter Hodenhochstand oder eine Mumpsinfektion, von der auch die Hoden betroffen sind. Weitere medizinisch bedingte Ursachen für eine Unfruchtbarkeit beim Mann sind zum Beispiel

  • eine Infektion mit Chlamydien,
  • eine Unterversorgung mit männlichen Hormonen (ein Mangel an dem männlichen Sexualhormon Testosteron etwa kann durch die reduzierte Anzahl von Spermien in der Samenflüssigkeit zu einer schlechten Spermienqualität führen),
  • genetische Anomalien (wie zum Beispiel das Klinefelter-Syndrom oder angeborene Fehlbildungen der Samenleiter),
  • Tumorerkrankungen,
  • Hormonstörungen,
  • sexuelle Funktionsstörungen (wie etwa die erektile Dysfunktion) oder
  • ein verklebter oder durchtrennter Samenleiter (ausgelöst z.B. durch eine Infektion/Entzündung oder nach einer Sterilisation).

Auch eine dauerhafte Überhitzung zum Beispiel durch Krampfadern oder Durchblutungsstörungen kann die Hoden schädigen und zu einer Unfruchtbarkeit beitragen. Zudem können theoretisch auch Männer an einer sogenannten Endometriose leiden. Dabei bilden sich gebärmutterschleimhautähnliche Zellen am Prostatagewebe. Das konnten Experten aber bislang nur bei Männern beobachten, die wegen Prostatakrebs mit Östrogenen behandelt wurden.

Umweltfaktoren

Einflüsse von außen können die Zeugungsfähigkeit beim Mann beeinträchtigen. Die Geschlechtsorgane leiden als sensible Bereiche des Körpers ganz besonders unter Schadstoffen. Eine dauerhafte oder starke Schadstoffbelastung kann daher zu einer Unfruchtbarkeit bei den betroffenen Männern führen. Zu den fruchtbarkeitsschädigenden Stoffen zählen etwa

  • Lebensmittelzusätze (z.B. phytoöstrogenhaltiges Soja in Fertigprodukten),
  • bestimmte Weichmacher,
  • Schadstoffe wie Blei, Cadmium oder Quecksilber sowie
  • Giftstoffe in Kleidung, Hygieneartikeln (z.B. Triclosan), Möbeln oder Wänden.

Vor allem Weichmacher wie Bisphenol A oder sogenannte Phtalate stehen schon länger im Verdacht, durch ihre hormonähnliche Wirkung die männlichen Geschlechtsorgane und die Fruchtbarkeit zu schädigen. Weichmachende Substanzen werden vor allem in Kunstoffen, Gummi und Lacken eingesetzt und sorgen dafür, dass spröde Stoffe elastischer und geschmeidiger werden. Weichmacher sind in vielen Verbrauchsprodukten des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Plastikflaschen oder Spielzeug enthalten.

Auch belastetes Trinkwasser (z.B. durch Östrogene von Frauen, die hormonell verhüten oder durch andere Stoffe wie Pflanzenschutzmittel, die eine hormonähnliche Wirkung haben) kann bei Männern zu einer Unfruchtbarkeit beitragen.

Lifestyle-Faktoren

Neben medizinischen Ursachen und Umwelteinflüssen spielt der Lebensstil eine Rolle für die Fruchtbarkeit – nicht nur des Mannes, sondern auch der Frau. Faktoren, die eine Unfruchtbarkeit begünstigen, sind zum Beispiel

  • wenig Bewegung,
  • schlechte Ernährung,
  • Übergewicht,
  • regelmäßiger Konsum von Nikotin, Drogen und Alkohol,
  • regelmäßige Einnahme von Anabolika zum Muskelaufbau sowie
    Stress.

Männer sollten auch darauf achten, ihre Hoden nicht zu überhitzen. Dabei kann es zum Beispiel helfen, nicht zu enge Unterwäsche zu tragen, auf heiße Bäder zu verzichten und das Notebook beim Arbeiten nicht auf den Schoß, sondern auf einen Tisch zu stellen.

Unfruchtbarkeit beim Mann: Behandlung

Wenn es bei Kinderwunsch nicht gleich klappt mit einer Schwangerschaft bei der Partnerin, können Männer zunächst ihren Lebensstil überprüfen (siehe oben). Täglicher Geschlechtsverkehr erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft nicht, da sich dadurch der Spermienspeicher leert und somit die Spermienanzahl abnimmt.

Experten raten Männern auch davon ab, Arzneimittel mit Testosteron zu nehmen. Eine Zugabe des männlichen Geschlechtshormones von außen bewirkt nämlich, dass die Hirnanhangsdrüse die Ausschüttung des sogenannten follikelstimulierenden Hormons einstellt. In der Folge fällt die Spermienproduktion ab.
 

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Falls sich nach etwa einem Jahr keine Schwangerschaft auf natürlichem Weg einstellt, kann eine ärztliche Beratung bei einem Andrologen, Urologen oder Reproduktionsmediziner sinnvoll sein. Es gibt auch spezialisierte Kinderwunsch-Zentren, an die sich betroffene Männer wenden können. Viele körperliche Ursachen für eine Unfruchtbarkeit kann man behandeln. Bei Infektionen etwa helfen Antibiotika, auch bei Hormonmangel oder erektiler Dysfunktion stehen Medikamente zur Behandlung zur Verfügung. Bringen diese Maßnhamen nicht den gewünschten Erfolg, gibt es die Möglichkeit einer sogenannten Samenextraktion.

Bei der testikulären Spermienextraktion (TESE) entnimmt der Arzt mittels einer sogenannten Hodenbiopsie Spermien aus dem Hodengewebe. Mittlerweile stehen neuere Techniken zur Verfügung, um reife Spermien zu indentifizieren (PICSI = physiological intracytoplasmic sperm injection) oder wenig geeignete Spermien auszusortieren (IMSI = intrazytoplasmische morphologisch selektierte Spermieninjektion).

Mit den ausgewählten Spermien kann der Arzt dann anschließend eine künstliche Befruchtung (auch assistierte Reproduktion) durchführen. Dazu gehören Verfahren wie die In-Vitro-Fertilisation (Zeugung im Reagenzglas) oder die ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion). Ist die Spermienqualität für diese Verfahren zu schlecht, kann die künstliche Befruchtung einer Frau mittels Samenspende erfolgen.

Impotenz und Unfruchtbarkeit

Impotenz ist eine Sammelbezeichnung für die Unfähigkeit zur Fortpflanzung und für Störungen der Sexualfunktion bei Männern. Laien, die von Impotenz sprechen, bezeichnen damit meist eine Erektionsschwäche oder -unfähigkeit. Dabei kann der betroffene Mann trotz sexueller Erregung keine Erektion erlangen, die zum Geschlechtsverkehr ausreicht. Zu den Ursachen von Impotenz gehören Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Probleme, hormonelle Störungen, Stress oder Depression. Die meisten Erektionsstörungen sind organisch bedingt. Psychische Auslöser sind vor allem bei jüngeren Männern ausschlaggebend.

Impotenz ist nicht automatisch mit Unfruchtbarkeit gleichzusetzen. Denn Potenzstörungen haben in der Regel keinen Einfluss auf die Spermienqualität. Sexuelle Funktionsstörungen können aber trotzdem Ursache dafür sein, dass es mit einer Schwangerschaft nicht klappt.

 

Quellen:

Tempfer C: Facharztprüfung Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag 2011
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.bzga.de, www.familienplanung.de, Abruf: 08.07.2019)
Levine H, Jorgensen N, Martino-Andrade A, Mendiola J, Weksler-Derri D, Mindlis I, Pinotti R, Swan SH: Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis. Hum Reprod Update. 2017 Nov 1;23(6):646-659. doi: 10.1093/humupd/dmx022.
Sobinoff AP, Sutherland JM, Beckett EL, Stanger SJ, Johnson R, Jarnicki AG, McCluskey, A, St John JC, Hansbro PM, McLaughlin EA: Damaging legacy: maternal cigarette smoking has long-term consequences for male offspring fertility. Human Reproduction 2014; 29 (10): 1-17. doi: 10.1093/humrep/deu235.
Ebert AD: Endometriose: Ein Wegweiser für die Praxis. Walter de Gruyter GmbH & Co KG 2019
Bundesamt für Risikobewertung (www.bfr.bund.de, Abruf: 09.07.2019)
Urologenportal der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. und des Deutschen Berufsverbandes der Urologen e.V. (www.urologenportal.de, Abruf: 09.07.2019)
Pschyrembel Online (www.pschyrembel.de, Abruf: 09.07.2019)

 

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