Die Familienplanung findet statistisch immer später statt. Gründe für diese Entwicklung sind u.a. der größere Fokus von Frauen auf Karriere und Selbstverwirklichung.

Eine Studie im Auftrag des Magazins Eltern bestätigt diese Entwicklung. Dabei wurden insgesamt 1.061 zufällig ausgewählte Männer und Frauen im Altern zwischen 18 und 30 Jahren zum Thema Familie und Familienplanung befragt.

Zwar haben 86 Prozent der befragten Frauen und 88 Prozent der Männer, die bisher kinderlos sind den Wunsch, später eine Familie zu gründen. Jedoch möchten nahezu drei Viertel der Befragten zwischen 27 und 30 Jahren erst nach ihrem 30. Geburtstag Kinder bekommen. Das bestätigen auch Erhebungen des statistischen Bundesamtes.

Die Geburtenrate in 2014 ist zum dritten Mal in Folge gestiegen, wobei das Altersniveau der Eltern das höchste seit 1990 ist. Frauen sind im Schnitt bei der Geburt ihres ersten Kindes 29,5 Jahre alt, zwei Monate älter als die Mütter in 2013. Laut Studie meinen 37 Prozent der Befragten, dass es in 20 Jahren normal sein wird, erst mit 50 Jahren Mutter zu werden.

Die Schwangerschaftsrisiken steigen insgesamt mit zunehmendem Alter und die Fruchtbarkeit nimmt ab. Folglich wird die Kinderwunschmedizin in Zukunft immer mehr zur Normalität.

Eine alternative Möglichkeit für die Erhaltung der Fruchtbarkeit ist das Einfrieren von Eizellen für einen späteren Zeitpunkt (sog. Social Freezing). 31 Prozent der in der Studie Befragten würden dies für sich persönlich in Betracht ziehen. Die anderen beiden Drittel sind nahezu gleichmäßig aufgeteilt in eine komplette Abneigung gegenüber dieser Methode (31 Prozent) und grundsätzlicher Akzeptanz, jedoch keiner persönlichen Verwendung (33 Prozent).

Die Austragung des Kindes durch eine Leihmutter sehen nur 15 Prozent der Befragten als Alternative für sich persönlich. Jeweils 40 Prozent akzeptieren diese Möglichkeit zwar, allerdings nicht für sich. Die Austragung eines Neugeborenes durch eine Leihmutter ist in Deutschland verboten.

Immerhin 69 Prozent sind gegenüber der Eizellenspende einer fremden Frau offen, wobei nur 15 Prozent diese Alternative auch für sich persönlich in Erwägung ziehen würden. Diese Methode ist in Deutschland ebenfalls verboten.

Die Samenspende eines fremden Mannes akzeptieren rund 65 Prozent der Befragten. Eine ähnliche Akzeptanz wie bei der Eizellspende. Bei nur 14 Prozent der Befragten kommt dies auch für sie persönlich in Frage. Die Samenspende ist im Gegensatz zur Eizellspende in Deutschland legal.

Grundsätzlich werden Kinderwunsch-Behandlungen in Deutschland nur in gewissem Rahmen unterstützt. Die Krankenkassen übernehmen 50 Prozent der Kosten für maximal drei Versuche einer künstlichen Befruchtung. Nur Paare, die sich in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft befinden, bekommen staatliche Unterstützung. Eine Frau darf zudem bei der Behandlung nicht älter als 25 Jahre und der Mann nicht älter als 40 Jahre sein.

Eine weitere Option für die Erfüllung des Kinderwunsches ist die Adoption. 68 Prozent der in der Studie Befragten würden die Adoption für sich selbst als Alternative sehen. Besonders die 18- bis 22-Jährigen sind dieser Alternative gegenüber sehr aufgeschlossen und können sich diesen Weg zur Kindeswunscherfüllung konkret vorstellen (78 Prozent).

Jedoch ist im Vergleich zu den bekundeten Einstellungen die Adoptionsrate tatsächlich sehr gering. In Deutschland befindet sich seit mehreren Jahren die Zahl der Adoptionen auf einem sehr geringen Niveau. 2014 gab es insgesamt 3.805 Adoptionen.

Für alle Befragten gilt, dass Kinder neben einer harmonischen Partnerschaft sowie einer guten Work-Life Balance als sehr wichtig empfunden werden.

Im Hinblick auf die Familienpolitik wünschen sich 43 Prozent der Frauen und 33 Prozent der Männer großzügige und flexible Elternzeitregelungen sowie eine ausreichende Anzahl von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen. Zudem wünschen sich zwei Drittel aller Männer mehr Zeit für ihre Kinder, so eine Studie des Statistischen Bundesamtes.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Kinderwunschmedizin in Zukunft wohl eine größere Rolle im Zuge der Familiengründung spielen wird. Fraglich ist, wie sich im Zuge dessen ggf. auch die gesetzlichen Regelungen für die Reproduktionsmedizin ändern werden.