Wenn es mit der Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum nicht klappt, kann das an der Beweglichkeit oder Anzahl der Spermien des Mannes liegen.

Das Spermiogramm ist eine zuverlässige und einfache Untersuchung, um die Qualität von Spermien und die Fruchtbarkeit des Mannes zu überprüfen. Die Analyse der Samenqualität ist zudem wichtig, um ggf. eine mögliche Kinderwunschbehandlung zu empfehlen.

Die Diagnose des Spermiogramms kann für ein Paar sehr ernüchternd sein. Allerdings muss auch bei einer Störung der Spermienqualität oder -menge der Kinderwunsch zumeist nicht aufgegeben werden.

Wann ist ein Spermiogramm sinnvoll?

Ein Spermiogramm wird für den Fall durchgeführt, dass ein Paar erfolglos versucht schwanger zu werden. Viele Männer setzt es stark unter Druck, wenn es bei ihrer Frau über längere Zeit zu keiner Schwangerschaft kommt. Das Spermiogramm kann einerseits Gewissheit darüber geben, ob die männliche Fruchtbarkeit die Ursache dafür ist, andererseits helfen, Maßnahmen zur Verbesserung der Spermienqualität zu ergreifen.

Die Untersuchung wird auch im Rahmen vieler Kinderwunschbehandlungen durchgeführt. Behandlungsmethoden wie die Intrauterine Insemination (IUI) können eine niedrige Spermienqualität häufig ausgleichen. Es kann immer erforderlich sein, weitere urologische Diagnosen durchzuführen, um alle möglichen Ursachen zu identifizieren.

Wie ist der Ablauf eines Spermiogramms?

Wie bei jeder ärztlicher Untersuchung findet vorab eine Anamnese statt. Dabei kann der Arzt auf die individuelle Vorgeschichte des Patienten eingehen, auch wenn der allgemeine Ablauf des Tests ggf. gleich bleibt.

Für das Spermiogramm ist eine sterile Samenprobe notwendig. Diese muss möglichst frisch sein, weswegen der Mann idealerweise direkt am Ort der Untersuchung masturbiert. Dazu bieten die meisten Einrichtungen einen Raum an, in dem der Mann ungestört, oder im Beisein des Partners, masturbieren kann. Es ist natürlich auch möglich, die Probe zuhause abzugeben.

Das Ejakulat muss unabhängig davon in einem sterilen Gefäß aufbewahrt werden, damit das Sperma nicht verunreinigt wird. Bei einer Probe, die zuhause abgegeben wurde, sollte darauf geachtet werden, dass diese möglichst bald in die Praxis gebracht wird. Zusätzlich muss das Ejakulat auf einer Temperatur von mindestens 20 Grad Celsius warmgehalten werden.

Mit der Auswertung des Spermiogramms wird ein Befund erstellt, bei dem die Werte mit den WHO-Richtlinien für einen gesunden Mann verglichen werden.

Die Qualität von Spermien ist nicht an jedem Tag gleich, es gibt Faktoren, die kurzfristig Einfluss auf das Ergebnis haben können. Daher muss zur Vorbereitung beispielsweise drei bis fünf Tage auf Sex und Masturbation verzichtet werden. Durch die Phase der sexuellen Enthaltsamkeit hat die Samenprobe eine maximal hohe Anzahl an gesunden Spermien zum Zeitpunkt der Auswertung. Außerdem sollte der Mann nicht krank sein, wenn er die Probe abgibt, denn so könnte die Qualität des Spermas beeinträchtigt werden.

Wie sehen die Ergebnisse der Analyse aus?

Die Spermien werden bei der Spermiogramm-Auswertung auf Beweglichkeit, Anzahl und Form überprüft. Zusätzlich werden die Reife der Spermien und die Entzündungswerte analysiert. Des Weiteren wird der MAR-Test durchgeführt, der die Antikörper im Ejakulat testet.

Ob Ihr Sperma als normal gilt, richtet sich nach den Referenzwerten der World Health Organization (WHO). Die Analyse der Kriterien erfolgt in zwei Teilen:

Im ersten Teil, der makroskopischen Untersuchung, werden Geruch, Farbe, Volumen und ph-Wert bestimmt. Der normale Geruch des Ejakulats eines Mannes wird als kastanienblütenartig beschrieben. Die Farbe des Spermas sollte weißlich trüb sein. Ist die Farbe leicht braun, deutet dies auf Blut im Ejakulat hin. Bei einer eher gelblichen Färbung könnte eine Infektion vorliegen. Nach WHO-Richtlinien soll pro Samenerguss mindestens eine Menge von 1,5 Milliliter Ejakulat vorhanden sein. Zur Bestimmung des ph-Wertes verwendet der Arzt einen dafür geeigneten Teststreifen. Der Wert sollte zwischen 7,2 und 8 liegen, um als normal zu gelten.

Im zweiten Teil, der mikroskopischen Untersuchung, werden die Spermien noch detaillierter betrachtet. Auch das Ergebnis dieses Teils liefert Werte, die mit den WHO-Referenzwerten für einen normalen Mann verglichen werden. Um die männliche Fruchtbarkeit verlässlich feststellen zu können, werden unter anderem Form, Anzahl und Beweglichkeit der Spermien analysiert. Der Normwert für die Spermienkonzentration liegt bei 15 Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulation. Außerdem sollten mindestens 40 Prozent der Gesamtanzahl bewegliche Spermien sein. Neben einigen anderen Faktoren, wie der Anzahl der weißen Blutkörperchen, ist es auch eine normale Formung der Spermien wichtig für die Zeugungsfähigkeit. Der Anteil an natürlich geformten Spermien sollte zumindest bei 4 Prozent liegen.

Die Betrachtung der Normwerte macht deutlich, dass bei weitem nicht alle Samenzellen normal geformte oder bewegliche Spermien sein müssen, um die Fruchtbarkeit des Mannes zu gewährleisten. Doch auch bei einem schlechten Ergebnis oder einzelnen schlechten Werten des Spermiogramms bleiben viele Möglichkeiten, den Kinderwunsch doch zu erfüllen.

Was kann man bei schlechten Werten der Samenprobe tun?

Sollte das Labor einen schlechten Befund liefern, kann das viele Ursachen haben. Manche Spermiogramm-Werte lassen sich mit einem veränderten Lebensstil beheben. Das Sperma des Mannes ist außerdem nicht jeden Tag gleich gut, deswegen besteht die Möglichkeit das Spermiogramm nach ein paar Wochen zu wiederholen. Vor diesem zweiten Test können Sie versuchen, die Spermienqualität zu verbessern.

Die Spermienproduktion ist stark vom Testosteronhaushalt abhängig. Maßnahmen, die den Testosteronspiegel beeinflussen, können daher ebenfalls positive Auswirkungen auf die Spermien haben. Um bei einem zweiten Test ein normales Spermiogramm zu haben, sollten Sie daher auf Alkohol und Nikotin verzichten. Außerdem können beispielsweise die Aufnahme von ausreichenden Mengen an Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung und ein regelmäßiger Schlafrhythmus unterstützen.

Übermäßige Wärme hingegen beeinflusst die Spermienqualität negativ. Vermeiden Sie daher den Laptop auf Ihren Schoß zu stellen und die Sitzheizung Ihres Autos zu verwenden.

Es gibt auch krankhafte Veränderungen von Spermien, die sich nicht durch solche Maßnahmen beheben lassen (z.B. das OAT-Syndrom). Je nachdem welche Störung die Fruchtbarkeit beeinträchtigt, kann es spezielle Behandlungen geben, die Sie dennoch auf dem Weg zum Wunschkind unterstützen können.

Die Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI) kann bei stark eingeschränkter Spermienqualität helfen, den Kinderwunsch zu erfüllen. Methoden wie die ICSI ermöglichen es also, auch bei geringer Spermienkonzentration oder bei gestörter Morphologie ein leibliches Kind zu zeugen.

Wie hoch sind die Kosten für ein Spermiogramm?

Die gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernehmen in den meisten Fällen die Behandlungskosten. Eine medizinische Empfehlung durch einen Arzt für die Untersuchung kann Voraussetzung sein. Unerfüllter Kinderwunsch wird von der Krankenversicherung i.d.R. ebenfalls als Grund akzeptiert. Nach einer Vasektomie / Sterilisation wird das Spermiogramm hingegen nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen.

Auch wenn Sie selbst für die Kosten aufkommen müssen, ist das Spermiogramm eine recht günstige Untersuchung. Durchschnittlich kostet es zwischen 60 und 90 Euro.

Ein zweites Spermiogramm kann besonders dann sinnvoll sein, wenn Sie eine Kinderwunschbehandlung in Erwägung ziehen. Die Krankenkasse könnte bei einem zweiten schlechten Befund nämlich auch die Kosten einer ICSI oder Intrauterinen Insemination (IUI) übernehmen, um den Kinderwunsch zu erfüllen. Um sicher zu gehen welche weiteren Untersuchungen oder Behandlungen von der Krankenkasse bezahlt werden, ist es ratsam sich vorab über die Leistungen zu informieren.

 

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