Wie beeinflusst unsere Schilddrüse die Fruchtbarkeit?

Viele Frauen in Deutschland sind ungewollt kinderlos. Es gibt unterschiedliche Ursachen für Fruchtbarkeitsprobleme. Häufig spielen Hormonstörungen eine Rolle.

Schilddrüsenüberfunktionen (Hyperthyreose) und Schilddrüsenunterfunktionen (Hypothyreose) gelten inzwischen als Volkskrankheit. Sie wirken sich negativ auf die gesamte Stoffwechselaktivität im Körper aus, auch auf die Fruchtbarkeit.

Liegt eine Erkrankung der Schilddrüse vor, sollte diese bei Kinderwunsch auf jeden Fall vorher behandelt werden. In der Regel lassen sich die Hypothyreose und Hyperthyreose erfolgreich behandeln. Dies kann manchmal bereits der erste Schritt zur Behandlung des unerfüllten Kinderwunsches sein.

Welche Aufgaben hat die Schilddrüse in unserem Körper?

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das den gesamten Stoffwechsel im Körper steuert. Die Schilddrüsenfunktion besteht darin Schilddrüsenhormone zu produzieren. Rückwärts und seitlich befinden sich die Nebenschilddrüsen ( Glandula parathyreoidea), die Parathormon produzieren, welches den Calcium – Haushalt reguliert. Funktionell haben die Nebenschilddrüsen allerdings nichts mit der Schilddrüse (Glandula thyreoidea) zu tun.

Eine wichtige Aufgabe übernimmt die Schilddrüse für die Hormonproduktion. Sie stellt das aktive T3 (Trijodthyronin), das T4 (Thyroxin) und das für den Knochenstoffwechsel wichtige Calcitonin her. Für die Hormonproduktion benötigt die Schilddrüse ausreichend Jod.

Schilddrüsenhormone sorgen dafür, dass ausreichend Geschlechtshormone wie Testosteron, Östrogen und Progesteron gebildet werden. So beeinflusst die Schilddrüse auch den Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit. Es besteht zudem ein Zusammenhang zwischen einer gestörten Schilddrüsenfunktion und Fehlgeburten. Allgemein lässt sich sagen, dass eine bei unerfülltem Kinderwunsch die Schilddrüse auf alle Fälle abgeklärt werden sollte.

Wie werden die Schilddrüsenhormone kontrolliert?

Die Kontrolle der Schilddrüsenhormonbildung und -freisetzung unterliegt dem Hypothalamus-Hypophysen-System, das wie folgt funktioniert:

  • Der Hypothalamus schüttet das Hormon TRH (Thyreotropin-releasing-Hormon, Thyreoliberin) aus.
  • TRH stimuliert wiederum in der Hypophyse die Freisetzung des Hormons TSH (Thyroidea-stimulierendes Hormon, Thyreotropin).
  • Das Hormon TSH gelangt über den Blutweg zur Schilddrüse, die dann die Hormone T3 und T4 bildet.

Zur Regulation erhält der Hypothalamus Informationen über die T3- und T4-Konzentration im Blut. Sind im Blut genügend Schilddrüsenhormone vorhanden, so schüttet der Hypothalamus weniger TRH aus, dies führt wiederum zu weniger TSH. Die Schilddrüse wird dann weniger stimulieren.

Wie unterscheiden sich angeborene und erworbene Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) besteht ein Mangel an Schilddrüsenhormonen. Es gibt angeborene Hypothyreosen oder im Laufe des Lebens erworbene Hypothyreosen. Beide Krankheiten zeigen die gleichen Symptome.

Die angeborene Schilddrüsenunterfunktion (congenitale Hypothyreose) entsteht schon vor der Geburt. Es handelt sich um die häufigste, angeborene Stoffwechselstörung. Da die Kinder bei Geburt häufig keine Beschwerden oder Symptome haben, wird heutzutage im Rahmen des Neugeborenenscreenings auf die angeborende Hypothyreose getestet. Bei einem positiven Ergebnis wird sofort mit einer Hormontherapie begonnen. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kommt es zu einem Minderwuchs und schweren Intelligenzstörungen beim Kind.

Bei erworbenen Hypothyreosen können primäre, sekundäre und tertiäre unterschieden werden.

  • Bei der primären Hypothyreose liegt die Störung direkt in der Schilddrüse. Die häufigste Ursache dieser Krankheit ist die Hashimoto Thyreoiditis. Es handelt sich um eine autoimmunbedingte entzündliche Erkrankung. Aber auch iatrogene Ursachen können eine Unterfunktion bedingen, z.B. bestimmte Medikamente, Radiojodtherapie oder operative Eingriffe an der Schilddrüse.
  • Bei der sekundären Hypothyreose liegt die Ursache in der Hypophyse.
  • Tertiäre Hypothyreosen entstehen durch eine Störung im Hypothalamus. Sie sind äußerst selten.

Auch eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoditis) kann zu einer Hypothyreose führen.

Die meisten Schilddrüsenentzündungen entstehen durch die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis, bei der durch eine chronische Entzündung das Schilddrüsengewebe nach und nach zerstört wird. Frauen sind von der Hashimoto-Thyreoiditis deutlich häufiger betroffen als Männer.

Weitere Gründe für eine Unterfunktion können sein:

  • Anhaltender Jodmangel,
  • unterschiedliche Entzündungen der Schilddrüse,
  • Radiojodtherapie,
  • jodhaltige Kontrastmittel,
  • Schilddrüsenkrebs und
  • medikamentöse Behandlungen mit Thyreostatika, hochdosiertem Jod und Lithium.

Welche Symptome treten bei einer Schilddrüsenunterfunktion auf?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist der allgemeine Grundumsatz erniedrigt. Folgende Symptome können auftreten:

  • Müdigkeit,
  • Abgeschlagenheit bis hin zu Apathie und Depression,
  • raue, heisere Stimme,
  • Bradykardie (verminderte Herzfrequenz), evtl. Herzinsuffizienz,
  • Kälteintoleranz,
  • chronische Verstopfung,
  • Gewichtszunahme sowie
  • verlangsamte Reflexe.

Auffallend sind bei einer Unterfunktion Gesichtsblässe, verdickte Lippen, blasse, trockene Haut, glanzloses, struppiges Haar, ein Ausfall der seitlichen Augenbraue (Herthoge-Zeichen) und ein müder ausdrucksloser Blick.

Schwere Verlaufsformen bilden Myxödeme aus, das sind ödematös-teigige Gewebeschwellungen der Haut, der Unterhaut und im Muskelgewebe. Es wird von einem „Bild des aufgedunsenen Patienten“ gesprochen.

Was tun bei Schilddrüsenunterfunktion und Kinderwunsch?

Die oben genannten Hypothyreose-Formen zeigen vielfältige Symptome und werden in der Regel früh entdeckt.

Für den Kinderwunsch ausschlaggebend sind häufig bereits die latenten, subklinischen Hypothyreosen. Diese zeigen in der Regel keine Symptome und auch die T3- und T4-Werte im Blut erscheinen normal. Lediglich der TSH-Wert kann erhöht sein. Ein nicht optimal eingestellter TSH kann aber schon reichen damit eine Frau nicht schwanger werden kann oder ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten hat.

Selbst wenn der TSH-Wert noch im Normbereich ist, kann bereits eine fruchtbarkeitsbeeinflussende Unterfunktion vorliegen und die Ursache für eine erhöhte Abortneigung sein. Daher werden bei Kinderwunsch auch sehr leichte Unterfunktionen einer Therapie unterzogen und der TSH-Wert streng eingestellt. Auf diese Weise soll die Stoffwechsellage optimiert werden, damit die Frau möglichst problemlos schwanger werden kann und diese Schwangerschaft gut verläuft.

Besonders vor einer Kinderwunschbehandlung wird die Schilddrüse auf mögliche Erkrankungen untersucht. Das TSH,T3 und T4 werden kontrolliert und bei Auffälligkeiten wird in der Regel zeitnah mit einer Therapie begonnen. Es ist erwiesen, dass die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung und somit Schwangerschaft steigen, wenn die Schilddrüse optimal eingestellt ist.

Für eine Diagnose können neben den Laborbefunden auch bildgebende Verfahren wie Szintigraphie und Sonographie hinzugezogen werden.

Auch für den Erhalt einer Schwangerschaft ist es wichtig, dass der gesamte Stoffwechsel der Frau in einem guten Zustand ist. Unterfunktionen, als auch Überfunktionen können eine Ursache für Fehlgeburten darstellen. Auch sollte auch der Mikronährstoff-Status im Rahmen einer Schwangerschaftsplanung labordiagnostisch erfasst werden. Wichtig sind dabei Eisen, Kalzium, Kalium, Magnesium, Kalium, Homocystein, Folsäure, Vitamin B6, Vitamin B12, Vitamin C, Selen, Iod und Omega-3-Fettsäuren.

Welche Behandlung gibt es für eine Schilddrüsenunterfunktion?

Schilddrüsenunterfunktionen können medikamentös gut behandelt werden. Am häufigsten erfolgt die Therapie mit L-Thyroxin, das den Wirkstoff Levothyroxin enthält und die gleiche Funktion des natürlichen Hormons hat.

Fehlen Mikronährstoffe, sollten diese supplementiert werden. Auf den Folsäure-, Jod-, Selen- und Vitamin D3-Status sollte besonders geachtet werden.

Phytotherapeutisch hat sich bei einer Hypothyreose eine regelmäßige Einnahme von Blasentang-Tinktur bewährt.

Jodhaltige Nahrungsmittel wie Meeresfrüchte (Kabeljau, Dorsch, Lachs, Rotbarsch, Miesmuscheln, Austern), Algen, Meeressalz, Hartkäse, Vollkornbrot (Roggen), Zwiebeln, Lauch, Radieschen, Kresse, Endiviensalat, Weizen und Sojakeime können einen eventuellen Jodmangel ausgleichen und somit die Schilddrüsenaktivität fördern.

 

Quellen:
https://www.hexal.de/patienten/ratgeber/schilddruese/ueber-die-schilddruese
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/027-017l_S2k_Primaere_Angeborene_Hypothyreose_2011-abgelaufen.pdf
Herold Innere Medizin 2010, S. 719-721

 

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