Rückenschmerzen bei Frauen

Rückenschmerzen sind nach Übergewicht und Tinnitus das häufigste Volksleiden in Deutschland. Ein schmerzender Rücken ist für viele Frauen ein Grund, ihren Gynäkologen aufzusuchen.

Frauen (35%) leiden häufiger an chronischen Rückenschmerzen als Männer (27%). Und auch die Lebensumstände spielen für Rückenleiden eine Rolle. Intensive Bildschirmnutzer haben mit 32% fast doppelt so häufig ständig Kreuzschmerzen wie Wenignutzer (18%). Nicht-Sportler haben zu 25% regelmäßig Schmerzen im Rücken, Freizeitsportler nur zu 13%.

Häufigkeit von Rückenschmerzen

33% aller Deutschen sind chronisch betroffen. Sie leiden laut Umfrage von Statista mindestens einmal in der Woche oder sogar täglich unter schmerzendem Rücken.

So oft leiden Deutsche an Rückenschmerzen

Rückenschmerz verursacht den höchsten volkswirtschaftlichen Schaden aller chronischen Krankheiten. Rückenleiden sind die zweithäufigste Diagnose aller Krankenstände. Die durch Kreuzschmerzen verursachten Kosten in Deutschland liegen bei rund 50 Milliarden Euro. 17% aller Anträge auf Frührente werden mit Rückenleiden begründet.

Maßnahmen bei Rückenproblemen

Keine nachhaltige Maßnahme bei Rückenproblemen sind Schmerzmittel. Dennoch nehmen zur Linderung von Schmerzen ca. 50% aller Deutschen rezeptfreie Medikamente zu sich. Ältere Menschen greifen eher zu Schmerzmitteln als Jüngere. 2017 verwendeten in Deutschland mehr als 10 Mio. Menschen mindestens einmal in der Woche Schmerzmittel gegen ihre Rückenschmerzen.

Schmerzen im Rücken sind für weite Teile der Bevölkerung eine Beeinträchtigung der Lebensqualität. Etwa 16% der Betroffenen versuchen gemäß Statistik, ihre Schmerzen mit mehr Bewegung im Alltag zu lindern. Etwa 10% setzen auf Gewichtsreduktion oder Rückentraining in den eigenen vier Wänden, weniger viele trainieren gezielt ihren Rücken im Fitness Studio. Die beste Medizin bleibt die Vorbeugung.

Top Maßnahmen gegen Rückenschmerzen

Bei den Maßnahmen gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer schonen sich häufiger zur Abwehr von Rückenschmerzen während Frauen lieber Bewegung oder Wärmetherapie (z.B. Sauna oder Heizkissen) dazu nutzen. Frauen greifen häufiger zu Schmerzmitteln als Männer, und sie nutzen auch eher Yoga oder autogenes Training zur Entspannung.

Tatsächlich zählen Bewegung, Physiotherapie, Massagen, Krankengymnastik, Rückenschule und Yoga laut Befragungen zu den effektivsten Maßnahmen. Kreuzschmerzen belegen mit großem Abstand die 1. Position bei den Diagnosen für die Verschreibung von Krankengymnastik.

Rückenleiden werden mindestens einmal im Jahr bei 22,6% der Männer und 30,5% der Frauen medizinisch behandelt. Das letzte Mittel gegen Schmerzen im Rücken ist die Operation. 2015 gab es insgesamt 772.000 operative Eingriffe. Viele Operationen gelten allerdings als medizinisch überflüssig.

Häufigste Ursachen von Rückenleiden

Während früher schwere Arbeit die wichtigste Ursache für Rückenprobleme war, so sind es heute Bewegungsmangel und Büroarbeit. Schaut man sich die Arbeitssituation der meisten Menschen an, so verwundert es nicht, dass Schmerzen im Rücken als Volkskrankheit gelten.

Es ist nicht immer ganz leicht, den Grund für das Leiden auszumachen. Häufig sind mehrere Faktoren für Rückenschmerzen verantwortlich. Insofern sind Zahlen zu Häufigkeiten von Ursachen nicht wirklich verfügbar.

Als wichtigste Faktoren für Rückenschmerzen gelten:

  • Langes Sitzen bei der Arbeit/Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Bandscheibenvorfall
  • Stress
  • Körperliche Arbeit
  • Psychosomatisch

Besonders oft gehen Kreuzschmerzen mit Verspannungen wegen Bewegungsmangel oder Übergewicht einher. Auch Stress, Angst und psychische Anspannung können die Anspannung der Muskulatur erhöhen.

Bei Frauen können Rückenschmerzen in der Schwangerschaft und während oder nach den Wechseljahren auftreten. Sie sind häufig ein Symptom bei Krankheiten der inneren Geschlechtsorgane im Becken. Schmerzen entstehen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins.

Hormonelle Anpassungen während der Schwangerschaft machen Bänder, Muskeln und Knochen geschmeidiger und begünstigen so Verformungen im Bereich der Wirbelsäule. Nach den Wechseljahren kann es zum Muskelabbau kommen, wodurch die Haltung geändert wird, was wiederum Rückenprobleme hervorrufen kann.

Ein Bandscheibenvorfall ist tatsächlich viel seltener die Ursache für Probleme am Rücken, als die meisten Menschen glauben. Gemäß Gesundheitsberichterstattung des Bundes werden etwa 30.000 Bandscheibenvorfälle in deutschen Krankenhäusern diagnostiziert. Die Altersgruppe zwischen 45 bis 65 Jahren ist dabei am häufigsten betroffen.

Zu Maßnahmen, die aus Sicht Betroffener am nachhaltigsten die Schmerzen gelindert haben, zählen insbesondere:

  • Krankengymnastik
  • Rückenschule
  • Massage
  • Yoga
  • Muskelaufbautraining

Arzt oder Klinik finden

Sehr häufig können für Rückenschmerzen keine eindeutige Ursache erkannt werden. Manchmal verschwinden die Rückenschmerzen nach ein paar Wochen wieder. Wenn die Schmerzen chronisch werden, ist es spätestens Zeit einen Arzt aufzusuchen.

Welcher Arzt jedoch der Richtige für das eigene Anliegen ist und ob man überhaupt einen Facharzt braucht, ist vielen Patienten nicht klar. Eine Diagnose fällt auch Experten nicht immer leicht. Deshalb ist es eine gute Entscheidung, zunächst den Hausarzt aufzusuchen.

Auch wenn der Arzt einen Befund an der Wirbelsäule oder an den Bandscheiben ausmacht, bedeutet das noch nicht, dass die Ursache gefunden ist. Stellt der Hausarzt also nicht die Ursache der Rückenprobleme fest, wird er Ihnen bei der Auswahl eines Facharztes helfen. Eine Überweisung zum Orthopäden, Rheumatologen oder Neurologen kann erforderlich sein, um Diagnose und Behandlung fortzusetzen. Ein Hausarzt wird Ihnen ggf. auch Behandlungen beim Physiotherapeuten, Chiropraktiker oder Osteopathen empfehlen.

Zweite Meinung bei Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall ist eigentlich keine Krankheit, sondern einfach ein Verschleiß der Bandscheibe. Viele Experten sind der Meinung, dass Bandscheibenvorfälle zu häufig operiert werden. In vielen Fällen könnten Schmerztherapie, Massagen oder Bewegung einen medizinischen Eingriff ersetzen.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob eine Bandscheibenoperation wirklich unausweichlich ist, können Sie eine zweite ärztliche Meinung einholen. So können Sie eine evtl. unnötige und belastende Operation vermeiden. Ein zweiter Experte kann zudem Risiken und evtl. Behandlungsalternativen erläutern.

Patienten haben einen gesetzlichen Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung. Ihr Arzt wird sie im besten Fall auf diese Möglichkeit hinweisen.

Gesetzliche Krankenkassen tragen bei Bandscheibenvorfällen die Kosten für eine zweite Meinung. Verschiedene Kliniken haben sogenannte Zweitmeinungszentren eingerichtet, die von Patienten zunehmend gerne genutzt werden.

Chiropraktiker bei Rückenschmerzen

Die Chiropraktik verfolgt als Behandlungsmethode das Ziel, Funktionsstörungen insbesondere an der Wirbelsäule des Körpers zu finden und zu beseitigen. Das Zusammenspiel von Gelenken und Muskulatur soll normalisiert und Schmerzen sollen gelindert werden.

Der Begriff Chiropraktik setzt sich aus den griechischen Wörtern Hand (cheiro) und Handlung (praxis) zusammen.

Ein Chiropraktiker beseitigt mittels spezieller Handgriffe Gelenkblockaden, Muskelverspannungen und Schmerzen. Dabei wird der bestehende Druck auf die Nervenbahnen gemindert. Die Selbstheilungskräfte des Körpers werden aktiviert.

Eine Blockade der Halswirbelsäule kann u.a. im Bereich der Wirbelsäule Schulter- und Rückenschmerzen verursachen. Ein Chiropraktiker kann Symptome dieser Blockade behandeln. Ein Chiropraktor kann jeweils ein bestimmtes Gelenk mit seiner Behandlung „justieren“. Unter der Justierung wird die mechanische Ent-Blockierung eines Gelenks durch einen schnellen gezielten Impuls mit den Händen verstanden.

Die Behandlung durch einen Chiropraktiker birgt für einen gesunden Bewegungsapparat kaum Risiken und ist i.d.R. nicht mit Schmerzen für den Patienten verbunden.

Quellen: TNS Healthcare, Statista, YouGov, IfD Allensbach, Statistisches Bundesamt, TK, Robert Koch-Institut, DAK-Gesundheitsreport, spiegel.de