Neben Östrogen ist Progesteron eines der wichtigsten Hormone, das eine Schwangerschaft begünstigen kann. Wir erklären die Wirkung des natürlichen Hormons (auch Gelbkörperhormon genannt) auf den weiblichen Körper.

Eine Gelbkörperschwäche ist häufig die Ursache dafür, dass eine Frau nicht schwanger wird. In den meisten Fällen ist eine erfolgreiche Behandlung möglich.

Was ist Progesteron?

Das Hormon Progesteron gehört zur Familie der Gestagene. Gestagene sind Sexualhormone die dafür sorgen, dass eine Schwangerschaft überhaupt eintritt und erfolgreich mit der Geburt eines Kindes endet.

Progesteron sorgt als körpereigenes Gestagen für einen regelmäßigen Zyklus und einen starken Eisprung. Der Progesteronspiegel ist zudem entscheidend für die erfolgreiche Einnistung der Eizelle. Die Gelbkörper bereiten die Gebärmutterschleimhaut so vor, dass sich die Eizellen erfolgreich in der Gebärmutter einnisten können.

Bei erwachsenen Frauen gilt eine Progesteronkonzentration von 0 bis 13 Nanogramm in einem Milliliter Blut als normal. Es kann gerade in der ersten Zyklushälfte zu Schwankungen kommen. Diese sind unbedenklich, solange sie nicht mit anderen Beschwerden einhergehen.

Das Gelbkörperhormon wird bei der Frau in großer Menge von den Granulosazellen im Eierstock hergestellt. Diese befinden sich an der Wand einer Eizelle und bilden mit dem luteinisierenden Hormon das Corpus luteum, das den Eisprung bei der Frau auslöst.

Auch im Corpus luteum wird in geringen Mengen noch weiteres Progesteron gebildet. Der Körper stellt das Hormon vorrangig in der zweiten Hälfte des weiblichen Zyklus her. Es hat den Effekt, dass die Stimmung aufgehellt und die Stabilität der Knochen erhöht wird. Schlafstörungen können mit einer hohen Konzentration im Blut bekämpft werden. Wirkungen und Nebenwirkungen werden wissenschaftlich noch weiter untersucht.

Ist eine Frau schwanger, so erhöht sich die Menge des natürlichen Progesteron stark und die Produktion in der Plazenta wird unterstützt. Dieser natürliche Effekt ist nötig, damit ein Kind lebenswichtige Organe weiterentwickeln kann.

Bei der schwangeren Frau sorgt das Hormon dafür, dass die Milchdrüsen weiter ausgebildet und eine Menstruation verhindert werden kann. Die Blutung würde eintreten, wenn der Progesteronspiegel im Blut absinkt – das wiederum würde eine Fehlgeburt auslösen.

Progesteron wird jedoch nicht nur im weiblichen Körper gebildet. Bei Männern produzieren die sogenannten Leydig-Zwischenzellen in den Hoden die Gelbkörper. Ein geringer Anteil entsteht außerdem in der Nebennierenrinde.

Welche Auswirkungen hat Progesteronmangel?

Die positive Wirkung des Sexualhormons ist unbestritten. Ein Mangel an Progesteron ist andererseits häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch.

Für das Verständnis des Ursprungs von Progesteronmangel spielt Östrogen eine große Rolle. Östrogen gehört zu den weiblichen Hormonen und tritt als Östron, Östriol und Östradiol auf. Ähnlich wie auch die Gelbkörper, ist Östrogen für die Bildung von Gebärmutterschleimhaut, die Auslösung des Eisprungs und die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutter verantwortlich.

Bei natürlichen Verhütungsmitteln – wie der Messung der Körpertemperatur – erkennt man den Anstieg der Progesteron-Konzentration im Blut an einem Anstieg der Temperatur.

Wenn im Körper zu viel Östrogen vorhanden ist und eine Störung vorliegt, so spricht man von einer Östrogendominanz. Frauen erleben dann Symptome wie depressive Verstimmungen und Zyklusstörungen.

Schon kleine Veränderungen in der Funktion der beiden weiblichen Sexualhormone können große Auswirkungen auf den Zyklus haben und starke Beschwerden auslösen. Ein unregelmäßiger Zyklus und ein nicht ausgelöster Eisprung durch fehlendes Progesteron können so einer der Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch sein.

In der Schwangerschaft schützt das Hormon vor einer Fehlgeburt, da es die Gebärmutterschleimhaut an die Bedürfnisse der Eizelle und des Kindes anpasst. Bei Progesteronmangel kommt es häufig bereits zu Abgängen in der frühen Schwangerschaft.

Welche Symptome zeigen sich bei Progesteronmangel und Östrogendominanz?

Zu den Symptomen von Progesteronmangel im Verbindung mit einer Östrogendominanz gehören:

  • Innere Unruhe,
  • vorzeitige Wehen,
  • verkürzte zweite Zyklusphase,
  • dauerhaft kalte Hände,
  • Antriebslosigkeit,
  • Schlafstörungen und
  • starke Blutungen.

Wenn eine Schwangerschaft ausbleibt, sollte die Ursache dieser Symptome untersucht werden.

Was sind die Ursachen von Progesteronmangel?

Die Ursachen können vielfältig sein. So könnte etwa eine Erkrankung vorliegen, die eine Gelbkörperschwäche begünstigt. Mögliche Gründe für einen Progesteronmangel bei der Frau können sein:

  • Hypogondanismus – eine Unterentwicklung der Eierstöcke,
  • Schlafmangel über einen längeren Zeitraum,
  • Störungen der Funktion der Nieren,
  • Erkrankungen der Schilddrüse und Bauchspeicheldrüse (Beispiel: Hashimoto),
  • Diabetes,
  • verfrühter Eintritt der Menopause und
  • PCO-Syndrom.

Die Ursachen sollten von einem Arzt abgeklärt werden. Nicht immer bedeutet ein Progesteronmangel, dass eine der genannten Erkrankungen vorliegt. Andererseits kann man Progesteronmangel-Symptome haben, wenn das Hormon eigentlich ganz normal produziert wird.

Sollte im Gegensatz zu einem Progesteronmangel ein erhöhter Wert des natürlichen Progesteron von einem Mediziner festgestellt werden, kann das auf tieferliegende Probleme hindeuten. So können etwa Wucherungen im Eierstock für einen hohen Progesteronspiegel verantwortlich sein.

Daneben können die Gründe in Erkrankungen des Stoffwechsels und hormonellen Störungen wie Hashimoto oder Erkrankungen der Schilddrüse liegen. Eine wichtige Rolle bei der Diagnose durch einen Arzt spielen Symptome wie eine plötzliche und starke Gewichtszunahme oder ein seit langem unerfüllter Kinderwunsch.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Progesteronmangel?

Zu Beginn der Diagnose eines Progesteronmangels spricht Ihr Arzt mit Ihnen über mögliche Gründe und Ursachen für eine ausbleibende Schwangerschaft. Sie sollten sich für die Beantwortung der Fragen dazu ausreichend Zeit nehmen und die Symptome genau schildern.

Im nächsten Schritt wird ein Speicheltest durchgeführt. Da dieser am 19., 20. oder 21. Tag des Zyklus erfolgen muss, besteht die Möglichkeit, dass die Utensilien dafür mit nach Hause gegeben werden. Die Anwendung wird vorab erklärt und der Test muss nach der Durchführung nur noch an das Labor übersandt werden. Die Auswertung selbst kommt innerhalb weniger Tage telefonisch oder per Post.

Sollte tatsächlich ein Mangel vorliegen, gibt es diverse Behandlungsmöglichkeiten. Alle führen aber auf verschiedene Weisen dem Körper naturidentisches Progesteron oder synthetische Gestagene zu. Gestagene – und damit Progesteron – können auch synthetisch hergestellt werden. Das heißt, dass Beschwerden durch eine Östrogendominanz oder eine Schwäche des Corpus-luteum-Hormons bei korrekter Anwendung wirksam bekämpft und schnell beseitigt werden können.

Mit einer Progesteron-Creme nimmt die Haut die benötigte Menge selbst auf. Hoch dosiertes Progesteron kommt jedoch auch in Form von Kapseln. Die Anwendung dieser Kapseln kann oral, aber ebenso vaginal erfolgen. Die Patientinnen können selbst entscheiden, welche Methode für sie passend erscheint. Man geht davon aus, dass Medikamente gegen einen Progesteron Mangel, die vaginal angewandt werden, weniger Nebenwirkungen auslösen.

Bei einer bereits vorliegenden Schwangerschaft und einer drohenden Frühgeburt durch eine Corpus-luteum-Insuffizienz besteht akuter Handlungsbedarf. Der Mediziner entscheidet in einer solchen Situation sofort darüber, ob dringend ein Medikament mit bioidentischen Hormonen eingenommen werden muss.

Auch Homöopathie und Akupunktur bzw. -pressur kommen in der Therapie eines Progesteron Mangels zum Einsatz.

Im Laufe der Behandlung führen die Mediziner häufig sogenannte Hormonkontrollen durch. Hier wird die Konzentration der Hormone im Blut über verschiedene Zeiträume hinweg gemessen. Der Arzt überprüft damit, ob seine Behandlung bereits erfolgreich war oder ob die Anwendung einer anderen Methode notwendig ist.

 

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