Was ist eine Mini-IVF?

Bei der Mini-IVF wird die Stimulation des Eisprungs mit einer möglichst geringen Dosis an Hormonen erreicht. Wie auch bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) wird die Behandlung mittels Zyklusmonitoring überwacht. Die Befruchtung der Eizelle findet im natürlichen Zyklus statt, entweder im Reagenzglas als IVF oder durch eine Intracytoplasmatische Spermieninjektion (Mini-ICSI).

Die Methode ist auch als sanfte IVF, Light In-Vitro-Fertilisation oder natürliche IVF bekannt.

Welche Vorteile hat die Behandlung?

Größter Vorteil ist die Vermeidung einer belastenden und teuren Hormonbehandlung. Es wird dabei eine geringere Anzahl von Eizellen punktiert, welche indes eine höhere Qualität aufweisen.

Die herkömmliche IVF oder ICSI setzt bei der Durchführung anhand eines „langen Protokolls“ auf die Planbarkeit der Follikelpunktion und damit der Befruchtung der Eizellen. Der Eisprung wird durch die Einnahme eines sogenannten Rh-Analogikums unterdrückt (Down-Regulierung). Bei der Mini-IVF wird auf diesen Schritt verzichtet, da die Befruchtung im natürlichen Zyklus stattfinden soll.

Die Stimulierung des Follikelwachstums entfällt. Die Hormone FSH (Follikel-Stimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierenden Hormon) [1] ab dem 3. Zyklustag werden nicht verabreicht.

Nur in Ausnahmefällen müssen die Follikel zusätzlich angeregt werden. Eine enge Überwachung des Hormonstatus (Zyklusmonitoring) ermöglicht es, medikamentös einzugreifen falls das LH einen bestimmten Wert nicht erreicht. Zudem muss das Hormon aufgrund der geringen Dosis nicht unter die Haut injiziert werden, sondern kann in Tablettenform eingenommen werden. [2]

Nachdem auf die Unterdrückung des Eisprunges verzichtet wird, unterbleibt in den meisten Fällen der Eisprung am 13. Zyklustag. Der Termin des Eisprunges kann anhand der Messung des LH im Labor bestimmt werden. Auch Methoden wie Temperaturmessung, Zervixschleim oder Ovulationstests können ein recht genaues Zeitfenster von 24 bis 36 Stunden angeben.

Müssen die Patientinnen bei der klassischen künstlichen Befruchtung hCG zum Auslösen des Eisprunges spritzen, so ist der vom Arzt vorgegebene Termin genau einzuhalten. Wird die Spritze nicht termingerecht verabreicht, ist die geplante Punktion der Eizellen nicht gesichert.

Diese Verantwortung braucht die Frau bei der Mini-IVF nicht zu tragen. Der Eisprung im natürlichen Zyklus nimmt allerdings keine Rücksicht auf einen praktikablen Zeitpunkt zur Eizellentnahme. So müssen der behandelnde Arzt und das Praxisteam in einem hohen Maß zeitlich flexibel sein. Ihnen steht nur ein Zeitfenster von 24 bis 48 Stunden nach dem Ansteigen des LH für die Entnahme zur Verfügung.

Da keine oder nur eine sehr sanfte Stimulation der Eierstöcke stattfindet, ist die Ausbeute an Eizellen gering. Dies soll jedoch eine Steigerung der Eizellqualität mit sich bringen. [3; 4]

Der Arzt muss die individuelle Situation der Patientin genau kennen. Es muss bedacht werden, dass in etwa fünf Prozent der Zyklen keine Embryonen transferiert werden können. Auch wenn pro Zyklus nur ein bis zwei Eizellen entnommen werden, ist die Mini-IVF bei Frauen über 35 Jahren der herkömmlichen Methode dennoch überlegen. [5]

Weniger Eizellen reduzieren auch das Risiko bei der Follikelpunktion. Wegen geringerer Blutungsneigung und weniger Schmerzen ist eine nur lokale Betäubung möglich.

Das Überstimulationssyndrom beschreibt eine möglicherweise lebensbedrohliche Situation im Rahmen einer künstlichen Befruchtung. Die Ursachen sind noch nicht vollständig bekannt. Es scheint sicher, dass eine zu hoch dosierte Stimulation in Verbindung mit dem Eisprung auslösendem hCG ein Auslöser sein kann. Diese risikobehaftete Situation wird bei einer Mini-IVF umgangen. [6]

Insbesondere Clomifen steht im Verdacht, den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut vorübergehend zu blockieren. So verringert sich bei einer herkömmlichen, hormonunterstützten Behandlung die Wahrscheinlichkeit einer Einnistung des Embryos.

Wann sollte die Methode angewendet werden?

Eine erfolglos durchgeführte In-vitro-Fertilisation lässt sich meist nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. In einigen Fällen kann hier die Mini-IVF zum Kinderwunsch verhelfen. [7]

Hormone sind körpereigene Substanzen, welche die meisten Vorgänge in unserem Körper regulieren. Sie sind der Vermittler zwischen den Organen und liefern die Informationen an das Steuerzentrum im Gehirn. Ein Eingriff in dieses System hat immer weitreichende Folgen.

Vor allem bei älteren Frauen ist die Eizellreserve stark reduziert. In diesen Fällen wird oft mit sehr hohen Dosen stimuliert, ohne jedoch eine signifikant höhere Eizellausbeute zu erreichen. Da gleiches auch mit dem sanften Protokoll erreicht werden kann, bietet sich die Mini-IVF hier ebenso an.

Dasselbe gilt für junge Frauen mit einer guten Eizellqualität. Insbesondere wenn die Ursache des unerfüllten Kinderwunsches bewiesenermaßen beim Mann liegt, sollte eine sanfte Methode in Erwägung gezogen werden.

Unregelmäßigkeiten und Probleme beim Eisprung sind ein Ausschlusskriterium für die Mini-IVF. Die am häufigsten diagnostizierte Ursache stellt hier das Polyzystische Eierstocksyndrom (PCOS) dar. Liegen hormonelle Probleme vor, ist eine herkömmliche künstliche Befruchtung mit Hormontherapie die überlegene Methode.

Auch eine Mini-ICSI ist möglich, soweit eine ICSI mit reduziertem Medikamenteneinsatz durchgeführt wird.

Was kostet eine Mini-IVF?

Die Kosten pro Behandlung liegen für Privatpatienten bei 2.000 Euro bis 3.000 Euro. Da auf Hormonpräparate weitgehend verzichtet wird, betragen die Medikamentenkosten nur noch etwa 400 Euro.

Wenden Sie sich an Ihre Krankenversicherung oder die gesetzliche Krankenkasse, um Erstattungsansprüche zu klären.

 

Quellen:

[1] A. Coomarasamy, M. Afnan, D. Cheema, F. van der Veen, P. M. Bossuyt, M. van Wely: Urinary hMG versus recombinant FSH for controlled ovarian hyperstimulation following an agonist long down-regulation protocol in IVF or ICSI treatment: a systematic review and meta-analysis. In: Hum Reprod. 23(2), Feb 2008, S. 310–315. PMID 18056719
[2] Henk Groen, Nino Tonch, Arnold H.M. Simons, Fulco van der Veen, Annemieke Hoek, Jolande A. Land: Modified natural cycle versus controlled ovarian hyperstimulation IVF: a cost-effectiveness evaluation of three simulated treatment scenarios
Human Reproduction, Volume 28, Issue 12, December 2013, Pages 3236–3246, https://doi.org/10.1093/humrep/det386
[3] John Zhanga, , Lyndon Changa, Yoshie Sonea, Sherman Silbera,b: stimulation (mini-IVF) for IVF utilizing vitrification and cryopreserved embryo transfer Declaration PlumX Metrics DOI: https://doi.org/10.1016/j.rbmo.2010.06.033
[4] Bart C.J.M. Fauser, Geeta Nargund, Anders Nyboe Andersen, Robert Norman, Basil Tarlatzis, Jacky Boivin, William Ledger: Mild ovarian stimulation for IVF: 10 years later Human Reproduction, Volume 25, Issue 11, November 2010, Pages 2678–2684, https://doi.org/10.1093/humrep/deq247 Published: 21 September 2010
[5] S. Silber, N. Barbey, M. DeRosa, J. Pineda, K. Lenahan: Use of a novel minimal stimulation in vitro fertilization (“mini-IVF”) protocol for low ovarian reserve and for older women Infertility Center of St. Louis, St. Louis, MOO-58 Monday, October 14, 2013 05:45 PM
[6] Darja Wagner: „Die Qualität der Eizellen verbessern – Schwanger werden mit 35 plus“,
[7] John Zhang, M.D., Ph.D*: Resurgence of Minimal Stimulation In Vitro Fertilization with A Protocol Consisting of Gonadotropin Releasing Hormone-Agonist Trigger and Vitrified-Thawed Embryo Transfer Int J Fertil Steril. 2016 Jul-Sep; 10(2): 148–153. Published online 2016 Jun 1. doi: 10.22074/ijfs.2016.4903

 

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