Wenn es mit dem Kinderwunsch auf natürliche Weise auch nach mehr als einem Jahr nicht klappt, wird die künstliche Befruchtung von vielen Paaren als geeignete Lösung gesehen, sich den Wunsch vom eigenen Kind trotzdem zu erfüllen.

Doch was sollten Sie über das Verfahren wissen und was sollten Sie beachten? Lesen Sie unsere Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist eine künstliche Befruchtung?

Bei der künstlichen Befruchtung handelt es sich um das Zusammenführen einer Eizelle und eines Spermiums außerhalb des menschlichen Körpers. Hierbei gibt es verschiedene Methoden, die durchgeführt werden können. Folgende Methoden werden häufig verwendet:

  • Intrauterine Insemination (IUI): Bei diesem Verfahren wird das Sperma des Mannes aufbereitet und mithilfe eines kleinen Katheters in die Gebärmutter der Frau gespritzt. Hier kann das eigene Sperma des Partners (homologe Insemination) oder das Sperma eines Spenders (heterologe Insemination) verwendet werden.
  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Bei der In-vitro-Fertilisation werden Samen und Eizelle in einer Petrischale zusammengeführt. Die befruchtete Eizelle wird anschließend in die Gebärmutter eingesetzt.
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Bei dieser Methode werden die Eizellen der Frau zunächst mit Hormonen stimuliert und im Anschluss punktiert. Später wird dann das Spermium in die Eizelle eingespritzt.

Welche Methode wird am häufigsten angewendet?

Am häufigsten wird die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) angewendet, da hier die Chancen einer Schwangerschaft am höchsten sind. Etwa 30% der erfolgreich behandelten Paare sind mithilfe dieses Verfahrens Eltern geworden.

Welche Voruntersuchungen werden bei einer künstlichen Befruchtung durchgeführt?

Nach einer eingehenden Betrachtung der Krankheitsbilder beider Partner wird eine genaue körperliche Untersuchung durchgeführt.

Bei der Frau werden zunächst der Zyklus und die Hormone über einen gewissen Zeitraum beobachtet, ein Postkoitaltest (Prüfung der Spermiendurchlässigkeit des Zervixschleims) und gegebenenfalls eine Gebärmutter- bzw. Bauchspiegelung durchgeführt.

Beim Mann werden ebenfalls die Hormone untersucht und ein Postkoitaltest wird vorgenommen. Außerdem wird der Hoden mithilfe eines Ultraschallgeräts untersucht und weitere genetische Fruchtbarkeitsuntersuchungen vom Arzt angewendet.

Wie lange dauert eine künstliche Befruchtung?

Die Dauer einer künstlichen Befruchtung ist von Paar zu Paar unterschiedlich.

In der Regel werden zunächst die Eierstöcke der Frau stimuliert, was 8 bis 13 Tage beansprucht. Im Anschluss erfolgt eine Hormoninjektion, was eine Ausreifung der Eizelle auslöst. Nach etwa 35 bis 37 Stunden erfolgt die Punktion der Eizellen, bei der die Eizellen aus der Scheide entnommen werden (Punktion erfolgt nur bei IVF und ICSI).

Daraufhin werden die Eizellen und Spermien nach einigen Stunden nach der Entnahme im Labor zusammengeführt und nach 3 bis 5 Tagen zurück in die Gebärmutter gesetzt. Mithilfe eines Frühschwangerschaftstests kann dann festgestellt werden, ob die künstliche Befruchtung erfolgreich war.

Wie erfolgreich sind die Verfahren?

Die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung können je nach Patient stark voneinander abweichen. Wichtige Faktoren, die den Erfolg beeinflussen können sind:

  • das Alter beider Partner
  • die Art der Fruchtbarkeitsstörung
  • die Dauer, die das Paar bereits versucht schwanger zu werden
  • die Anzahl der befruchteten Eizellen
  • die psychische Verfassung der Patienten vor und während der Behandlung

Die durchschnittliche Schwangerschaftsrate nach Durchführung einer IVF oder ICSI Behandlung betrug im Jahr 2015 pro Embryotransfer 31,9%.

Was kostet der Eingriff?

Bei den Kosten der Behandlungen muss zwischen privat und gesetzlich versicherten Paaren unterschieden werden. Im Falle einer gesetzlichen Versicherung werden 50% der Kosten von der Krankenkasse übernommen. Hierbei müssen jedoch folgende Voraussetzungen vorliegen:

  • das Paar muss verheiratet sein
  • die Frau muss zwischen 25 und 40 Jahre und der Mann zwischen 25 und 50 Jahre alt sein
  • keiner der Partner hat zuvor eine Sterilisation durchführen lassen
  • es werden keine Spendersamen verwendet

Wenn diese Voraussetzungen vorliegen, übernimmt die Krankenkassen anteilig die Kosten für 8 Inseminationszyklen ohne hormonelle Stimulation oder 3 Inseminationszyklen mit hormoneller Stimulation oder 3 IVF-/ICSI-Behandlungszyklen.

Alle Kosten werden i.d.R. von der Krankenkasse übernommen, wenn der Partner privat versichert ist, dessen Infertilität nachweisbar ist. Ist dies der Fall, müssen dennoch auch hier erneut einige Voraussetzungen erfüllt werden:

  • das Paar muss verheiratet sein
  • keiner der Partner hat zuvor eine Sterilisation durchführen lassen
  • die Schwangerschaftschancen bei einer Frau in einem Alter von 40 Jahren sind größer als 15%
  • es wird keine Kryokonservierung durchgeführt

Welche Risiken sind mit der Behandlung verbunden?

Eine künstliche Befruchtung kann zu einer Überstimulation führen, was zur Folge hat, dass die Eierstöcke sehr viele und große Eibläschen produzieren. Dies könnte zu Mehrlingsschwangerschaften und somit zu Komplikationen und Problemen für Mutter und Kind führen. Im Falle einer sehr starken Überstimulation könnte sich Flüssigkeit im Bauch ansammeln, was mit starken Schmerzen und Übelkeit verbunden ist. Auch Atemnot und Störungen der Blutgerinnung können aufgrund der Überstimulation eintreten, was in sehr seltenen Fällen lebensbedrohlich für die Mutter sein kann.

Nicht zu vergessen ist, dass es sich bei den Behandlungen um operative Eingriffe handelt. Somit besteht bei der Frau das Risiko einer Infektion der Eierstöcke. Bei der Entnahme des Spermas des Mannes können Hoden und Nebenhoden verletzt werden. Auch die Risiken einer Narkose müssen berücksichtigt werden.

Eine wichtige Rolle spielt auch die starke psychische Belastung der Patienten. Eine künstliche Befruchtung ist ein großer Eingriff in den menschlichen Körper und kann starken Stress für das Paar auslösen. Deshalb wird von vielen Ärzten empfohlen, sich in psychosoziale Beratung zu begeben, wenn man eine künstliche Befruchtung durchführen lässt.

Wie finde ich eine Klinik?

Auskunft über Kliniken in seinem Umfeld können Paare bei ihren behandelnden Ärzten oder mithilfe des Internets erhalten. Informationen über Sprechstunden und Behandlungen sind in den meisten Fällen verfügbar, so dass i.d.R. schnell ein Termin vereinbart werden kann.

Bei FERTILA lassen sich Kinderwunschzentren unter Berücksichtigung Ihrer eigenen Kriterien suchen und filtern. Zu den Filtern gehören u.a. Bewertungen, Verfügbarkeit von Erfolgsquoten und Regionen.