Wenn sich der Wunsch nach dem eigenen Baby auf natürlichem Wege nicht erfüllt, wird die künstliche Befruchtung von vielen Paaren als geeignete Möglichkeit angesehen, doch noch schwanger zu werden.

Die künstliche Befruchtung ist auch als In-vitro-Fertilisation oder IVF bekannt. Das Wort „vitro“ bedeutet „Reagenzglas“, „in vitro“ Fertilisation steht entsprechend für die Befruchtung „im Glas“.

Bei der künstlichen Befruchtung handelt es sich um das Zusammenführen einer Eizelle und von aufbereitetem Sperma innerhalb oder außerhalb des menschlichen Körpers. Je nach Dauer und Ursache des unerfüllten Kinderwunsches gibt es verschiedene Anwendungsgebiete.

Bei ca. 30% – 40% aller Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch liegt eine hormonelle Störung vor. Eine der häufigsten Ursachen ist das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS). Hier liegt ein Überschuss an männlichen Hormonen vor.

Zu weiteren Ursachen für einen fehlenden Eisprung gehören eine Unter- und Überfunktion der Schilddrüse, eine Überproduktion von Prolaktin oder auch eine beginnende Einschränkung der Eierstockreserve.

Wenn ein unregelmäßiger Zyklus Ursache des unerfüllten Kinderwunsches war, sind die Chancen auf eine Schwangerschaft mit der hormonellen Stimulation sehr gut

Wie funktioniert die IVF?

Wenn die Eileiter verschlossen sind, das Paar bereits zwischen 3 und 6 Inseminationsversuche erfolglos durchlaufen hat oder das Ejakulat des Mannes nur wenige bis gar keine beweglichen Samenzellen enthält, wird Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch i.d.R. vorgeschlagen, die Befruchtung der Eizelle als IVF außerhalb des Körpers im Reagenzglas vorzunehmen.

Bei der konventionellen In-vitro-Fertilisation ist zunächst die hormonelle Stimulation der Eierstöcke notwendig, die mittels mehrerer Injektionen zu Beginn des Zyklus startet. Nach einer Stimulationsphase von ca. 10 Tagen werden zum Eisprung bis zu 20 Follikel entnommen – zumeist unter leichter Narkose.

Im Labor findet anschließend die Befruchtung der Eizellen statt. Bei der In-vitro-Fertilisation werden ca. 100.000 Samen zu einer Eizelle hinzugegeben. Die „natürliche Befruchtung“ findet anstatt im Körper im Reagenzglas statt.

Am nächsten Tag wird im medizinischen Labor die Befruchtung kontrolliert. Daraufhin entwickeln sich die Embryonen weiter in ein Mehrzellstadium und eine Beurteilung hinsichtlich Anzahl der Zellen, der Form sowie der Entwicklung kann vorgenommen werden. Ein bis zwei Embryonen werden je nach Entwicklung am dritten oder fünften Tag nach der Befruchtung über ein dünnes Plastikröhrchen in die Gebärmutter eingesetzt.

Was ist eine ICSI?

Ist die Bewegungsfähigkeit und Menge der Spermien stark eingeschränkt, wird die künstliche Befruchtung direkt mittels intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) vorgenommen.

Bei der ICSI werden im Gegensatz zur IVF nicht 100.000 Spermien zu jeder Eizelle gegeben, sondern es wird mit einer feinen Pipette nur eine einzige Samenzelle (das Spermium des Mannes) injiziert. Die befruchteten Eizellen kommen anschließend in eine Kulturschale mit Nährlösung.

Großer Vorteil: Die Qualität der Samenzelle kann im Vorfeld vom Arzt bestimmt werden. Nur das beste Sperma aus der Samenspende des Vaters oder Spenders wird genutzt. So werden die Erfolgschancen mit der ISCI maßgeblich erhöht.

Das Sperma kann kryonserviert oder frisch sein. Entscheidend für die bestmögliche Selektion sind Beweglichkeit und Morphologie der Spermien.

Wie läuft die künstliche Befruchtung ab?

Die künstliche Befruchtung kann schematisch in sechs Phasen unterteilt werden:

  • Stimulation der Ovarien
  • Punktierung zur Gewinnung der Eizellen
  • Befruchtung der Eizellen
  • Embryonenkultur
  • Embryonen-Transfer
  • Vitrifizierung von Embryonen

Ablauf im Video

Welche Maßnahmen können unterstützend zur In-vitro-Fertilisation sinnvoll sein?

TESE (testikuläre Spermienextraktion) findet unterstützend zur In-vitro-Fertilisation Anwendung, wenn im Ejakulat des Mannes keine Spermien nachweisbar sind. Dies kann bei einem Verschluss der Samenleiter oder bei einer Sterilisation des Mannes mit der Durchtrennung der Samenleiter der Fall sein. Die Spermien gelangen somit nicht ins Ejakulat.

Die TESE wird ambulant bei einem Urologen unter örtlicher Betäubung vorgenommen. Bei einer Biopsie wird eine Gewebeprobe entnommen und diese auf das Vorliegen von Spermien untersucht. Die gewonnenen Spermien werden mittels ICSI in die Eizelle eingebracht.

Mithilfe der Präimplantationsdiagnostik bietet sich die Chance, den durch künstliche Fertilisation entstandenen Embryo vor der Implantation in die Gebärmutter auf genetische Defekte zu untersuchen. Sollten Chromosonenanomalien oder Hinweise auf Erbkrankheiten erkennbar sein, können Eltern und Arzt gemeinsam entscheiden, ob der Embryo eingesetzt wird. Diese medizinische Technik ist relativ neu und ist zum Teil immer noch ethisch umstritten.

Die Polkörperdiagnostik dient zur Identifizierung fehlerhaften Genmaterials im Rahmen der IVF-Therapie. Der Polkörper spiegelt allerdings nur die Genetik der mütterlichen Seite wider.

Die Throphektodermbiopsie ist ein spezielles Verfahren der Präimplantationsdiagnostik. Etwa fünf Tage nach der künstlichen Befruchtung differenziert sich die vielzellige Blastozyte in den Embryoblasten und das Throphektoderm. Aus dem Embryoblasten entsteht der Embryo, aus dem Throphektoderm die Plazenta. Bei der Throphektodermbiopsie werden Zellen des Throphektoderms entnommen und auf Defekte und Erbkrankheiten untersucht.

Die Befruchtung mit Spendersamen (Samenspende) wird notwendig, wenn beim möglichen Vater keine oder nur wenige Spermien vorhanden sind oder sie nur in sehr stark eingeschränkter Qualität zur Verfügung stehen und selbst die testikuläre Spermienextraktion (TESE) keine Samengewinnung ermöglicht.

Welche Erfolgsquoten haben IVF und ICSI?

Die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung können je nach Patient stark voneinander abweichen. Wichtige Faktoren, die den Erfolg beeinflussen können, sind:

  • Das Alter beider Partner,
  • die Art der Fruchtbarkeitsstörung,
  • die Dauer, die das Paar bereits versucht schwanger zu werden,
  • die Anzahl der befruchteten Eizellen,
  • die Anzahl der durchgeführten Zyklen,
  • die psychische Verfassung der Patienten vor und während der Therapie.

Die durchschnittliche Schwangerschaftsrate nach Durchführung einer IVF oder ICSI Behandlung betrug laut Deutschem IVF-Register im Jahr 2015 pro Embryotransfer 31,9%. Die Geburtenrate ist geringer als die Schwangerschaftsrate, da sich nicht jeder übertragene Embryo in der Gebärmutter einnistet.

Am häufigsten wird die intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) angewendet, da hier die Chancen auf ein Kind am höchsten sind.

Was kostet die Behandlung und wieviel übernehmen die Krankenkassen?

Die In-vitro-Fertilisation kostet pro Versuch etwa 3.000 Euro exklusive Medikamente, Narkose, Zusatzbehandlungen etc..

Bei den Kostenübernahmen muss zwischen privat und gesetzlich versicherten Paaren unterschieden werden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen grundsätzlich 50% der Kosten für die ersten drei Versuche, soweit folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Das Paar ist verheiratet,
  • die Frau ist zwischen 25 und 40 Jahre und der Mann zwischen 25 und 50 Jahre alt,
  • keiner der Partner hat zuvor eine Sterilisation durchführen lassen,
  • es werden keine Spendersamen verwendet.

Private Versicherungen übernehmen u.U. weitere Kosten. Genauere Informationen zu möglichen Erstattungen gibt es bei den Krankenkassen.

Welche Risiken sind mit der Kinderwunsch-Behandlung verbunden?

Die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen in der Schwangerschaft nach einer In-vitro-Fertilisation ist höher als bei einer „normalen“ Schwangerschaft:

  • Eine künstliche Befruchtung kann zu einer Überstimulation führen, was zur Folge hat, dass die Eierstöcke sehr viele und große Eibläschen produzieren. Dies kann zu Mehrlingsschwangerschaften und somit zu Komplikationen und Problemen für Mutter und Kind führen.
  • Im Falle einer sehr starken Überstimulation kann sich Flüssigkeit im Bauch ansammeln, was mit starken Schmerzen und Übelkeit verbunden ist. Auch Atemnot und Störungen der Blutgerinnung können aufgrund der Überstimulation eintreten. Das kann in sehr seltenen Fällen lebensbedrohlich für die Mutter sein.
  • Bei den Behandlungen handelt es sich um operative Eingriffe. Somit besteht die Möglichkeit einer Infektion der Eierstöcke. Bei der Entnahme des Spermas des Mannes können Hoden und Nebenhoden verletzt werden. Auch die Risiken einer Narkose müssen berücksichtigt werden.
  • Frauen, die sich einer IVF unterziehen, sind im Durchschnitt älter als Frauen, die „normal“ schwanger werden. Die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt steigt mit zunehmendem Alter. 30% aller Frauen über 40 Jahren erleben nach der künstlichen Befruchtung eine Fehlgeburt.
  • Bei der künstlichen Befruchtung steigt die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen. Bei Zwillings- oder Drillingsgeburten sind Frühgeburten und andere Komplikationen relativ häufiger.
  • Die Risiken für ein niedriges Geburtsgewicht, eine Frühgeburt und Tod kurz nach der Geburt sind bei einer IVF grundsätzlich größer als bei der ICSI.
  • Jedes Kind, das geboren wird hat ein Risiko von ca 3 – 4% für eine Fehlbildung. Nach einer künstlichen Befruchtung beträgt das kindliche Fehlbildungsrisiko ca. 4 – 5%.

Eine wichtige Rolle spielt weiterhin die starke psychische Belastung der Patienten. Eine künstliche Befruchtung ist ein neuer Abschnitt im Leben, ein großer Eingriff in den menschlichen Körper und kann starken Stress für das Paar auslösen. Deshalb wird von vielen Ärzten empfohlen, sich in psychosoziale Beratung zu begeben, wenn man eine künstliche Befruchtung durchführen lässt.

Welche Ernährung ist bei Durchführung einer IVF oder ICSI empfehlenswert?

Der Konsum von Alkohol während der Behandlung birgt Gefahren. Während der hormonellen Stimulation darf Alkohol noch in Maßen getrunken werden. Ab dem Embryotransfer ist die Frau „potenziell schwanger“ und sollte in dieser Phase bis zum Schwangerschaftstest auf Alkohol verzichten. Natürlich sollte auch von Nikotin und Zigaretten abgesehen werden.

Bei der ICSI werden 2 – 3 Liter Wasser/Flüssigkeit empfohlen pro Tag, idealerweise schon vor der Stimulation. Die stimulierenden Medikamente im Zuge einer Intrazytoplasmatische Spermieninjektion oder In-Vitro-Befruchtung können als mögliche Nebenwirkung das Blut verdicken und so die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose erhöhen. Viel Flüssigkeit wirkt der Blutverdickung entgegen.

Höherer Konsum von pestizid-belasteten Lebensmitteln korreliert mit geringeren Wahrscheinlichkeiten auf Schwangerschaft und Geburt nach einer Kinderwunsch-Behandlung. Frauen, die am häufigsten stark mit Pestiziden belastetes Obst und Gemüse zu sich nehmen, werden zu 18 Prozent seltener schwanger, und es kommt 26 Prozent seltener zur Geburt eines lebenden Kindes. Frauen hingegen, die täglich eine Portion Obst oder Gemüse mit niedrigem Pestizidrückständen essen, erhöhen ihre Chance auf eine Schwangerschaft um 79 Prozent.

Weitere Tipps zur Vorbereitung auf eine IVF oder ICSI haben wir in diesem Artikel zusammengestellt.

Wie finde ich ein Kinderwunschzentrum?

In-vitro-Fertilisation und ICSI-Behandlung können sinnvoll sein, wenn auf natürlichem Wege kein Kind geboren werden kann. Die Zahl der reproduktionsmedizinischen Behandlungen ist in Deutschland in den letzten Jahren stark gestiegen.

Auch für weibliche homosexuelle Paare und unverheiratete Paare ist die künstliche Befruchtung unter bestimmten Voraussetzungen in Deutschland möglich. Zudem gibt es die Behandlungsmöglichkeit des Social Freezings, mit deren Hilfe der Kinderwunsch verschoben werden kann.

Auskunft über Kliniken für assistierte Reproduktion in der Nähe können Paare mit Kinderwunsch bei ihren behandelnden Ärzten oder im Internet erhalten. Bei FERTILA lassen sich Kinderwunschzentren unter Berücksichtigung Ihrer eigenen Kriterien suchen und filtern. Zu den Filtern gehören u.a. Bewertungen, Verfügbarkeit von Erfolgsquoten und Regionen.

 

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