Wann mit Kinderwunsch in die Kinderwunschklinik?

Rund neun von zehn Frauen werden innerhalb eines Jahres schwanger, nachdem die Verhütungsmittel abgesetzt wurden. Wenn der Kinderwunsch allerdings länger als ein Jahr unerfüllt bleibt, sollten Paare sich an eine Kinderwunschklinik wenden.

Im Gegensatz zu Gynäkologen oder Andrologen können Reproduktionsmediziner auf spezielle Diagnose- und Behandlungsmethoden zurückgreifen. Häufig steht auch ein eigenes Labor zur Verfügung.

Etwa jedes siebte Paar in Deutschland ist von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Die Ursachen liegen gleichverteilt häufig bei Mann und Frau, soweit es nicht an beiden Partnern liegt.

In vielen Fällen kann Kinderlosigkeit in einer Kinderwunschklinik erfolgreich behandelt werden, wenn der Wunsch nach dem eigenen Kind sich auf natürlichem Wege nicht erfüllt.

Welche Behandlungen werden in der Klinik angeboten?

Es gibt rund 150 Kinderwunschzentren in Deutschland. In den Zentren werden i.d.R. alle wichtigen Untersuchungen zur Fruchtbarkeit und Methoden der künstlichen Befruchtung angeboten.

Viele Kinderwunschkliniken bieten Informationsabende an oder Praxisführungen. Damit können sich Paare einen guten Einblick verschaffen und sich eine erste medizinische Einschätzung zu ihrer individuellen Situation und ihren speziellen Problemen einholen.

Zu den klassischen Behandlungsmethoden der Reproduktionsmedizin für ungewollt kinderlose Paare zählen insbesondere:

  • Hormontherapie,
  • TESE/MESE,
  • Gynäkologische Endokrinologie,
  • Insemination,
  • Samenspende,
  • In-Vitro-Fertilisation (IVF) und
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI).

In vielen Kinderwunschzentren wird zudem Social Freezing / Kryokonservierung durchgeführt. Dabei werden weibliche Eizellen in einem relativ jungen Lebensalter eingefroren für eine spätere ICSI-Behandlung oder eine IVF. Die Frau kann sich dann die Schwangerschaft erfüllen, wenn ein Kind besser in die eigene Lebenssituation passt. Kryokonservierung kann insbesondere auch bei schweren Vorerkrankungen sinnvoll sein.

Aus rechtlichen Gründen werden nur in wenigen Bundesländern (insbesondere Berlin) lesbische Paare bzw. alleinstehende Frauen behandelt, die sich etwa per Samenspende i.V.m künstlicher Befruchtung ihren Babywunsch erfüllen wollen.

Wie eine passende Kinderwunschklinik finden?

Betroffenen Paaren, die sich ein Kind wünschen, wird vom Arzt häufig eine Kinderwunschklinik in der Nähe empfohlen. Das muss nicht immer der beste Weg sein.

Paare sollten die Auswahl einer Kinderwunschklinik selbst in die Hand nehmen und Informationsabende nutzen. Ein vertrauensvolles Verhältnis zum behandelnden Arzt ist bei unerfülltem Kinderwunsch besonders wichtig.

Auf folgende Aspekte sollten Sie bei der Auswahl einer Praxis achten:

  • Reputation der Reproduktionsmediziner,
  • 1:1 Betreuung und Beratung durch einen Arzt über die gesamte Behandlung,
  • Erfolgsquoten zur künstlichen Befruchtung,
  • Preise für verschiedene Behandlungsmethoden,
  • Moderne medizinische und räumliche Ausstattung,
  • Verfügbarkeit alternativer Behandlungsmethoden (z.B. Homöopathie oder Akupunktur) sowie psychologischer Betreuung,
  • Qualitäts-Zertifizierung nach ISO 9001 bzw. vergleichbare Zertifizierung,
  • Flexible Sprechzeiten abends und am Wochenende sowie
  • gute Erreichbarkeit.

Bilden Sie sich auch auf Bewertungsplattformen für Ärzte (z.B. Jameda), oder in Internetforen eine Meinung. Auch wenn diese Informationen immer subjektiv sind und auf individuellen Erfahrungen basieren, werden sie doch einen Beitrag für eine nachhaltige Einschätzung leisten.

Bereiten Sie sich gut vor auf das Informationsgespräch zum Kinderwunsch in der Klinik. Häufig werden hier nur die medizinischen Methoden erklärt. Dieses Wissen können Sie grundsätzlich auch anders beziehen. Stellen Sie konkrete Fragen zu Ihrer individuellen Situation und dem Ablauf der Behandlung inklusive eventueller Szenarien.

Mit welchen Kosten muss gerechnet werden?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt i.d.R. nur einen Teil der Kosten. Nicht alle Behandlungsmethoden werden erstattet. Erfragen Sie deshalb vor Behandlungsbeginn die Preise der verschiedenen Methoden und lassen Sie sich von Ihrer Krankenversicherung beraten.

Eine IVF bzw. ICSI kostet rund 3.000 Euro pro Zyklus, Medikamente und Zusatzleistungen müssen i.d.R. selbst übernommen werden.

Sie müssen zudem mit der Möglichkeit rechnen, dass viel Zeit und viele Behandlungsversuche notwendig sind. Denn nur etwa 30% aller Kinderwunschbehandlungen führen pro Zyklus auch zu einer Schwangerschaft. Die Chancen sind umso besser, je jünger eine Frau ist.

Es können also Kosten i.H.v. zehntausend Euro oder mehr entstehen, die selbst zu tragen sind.

 

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