Bei manchen Frauen kommt es im Rahmen einer künstlichen Befruchtung trotz mehrfachen Transfers von Embryonen mit guter Qualität nicht zu einer Schwangerschaft. Dies bezeichnet man als „Wiederholtes Einnistungsversagen“ oder auch „Implantationsversagen“ (Repeated Implantation failure, abgekürzt RIF).

Der Vorgang des Embryotransfers in die Gebärmutter ist ein hochkomplexer Vorgang, der immer noch nicht ganz verstanden ist. Es gibt eine Vielzahl von Ansätzen, um bei Frauen mit Implantationsversagen die Einnistung zu verbessern, und die Lebendgeburtenrate zu erhöhen. Eine vielfach praktizierte Methode ist das Endometrium scratching.

Bei dieser Methode wird im Zyklus bevor der Embryo eingesetzt werden soll, die Gebärmutterschleimhaut mit einer kleinen Pipelle „gescratcht“, also angeritzt bzw. stimuliert. Dies ist ein kurzer relativ schmerzarmer Eingriff, der ohne Narkose durchgeführt werden kann.

Grundsätzlich ist Endometrium Scratching vor jedem Embryotransfer möglich. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft und kann ohne Narkose durchgeführt werden. Die Risiken werden als gering eingestuft. Es kann in wenigen Fällen zur Entzündung der Gebärmutter oder zu leichten Blutungen kommen.

In den letzten Jahren gab es eine Reihe von Studien, die nahegelegt haben, dass das Endometrium scratching die Einnistung des Embryos fördert und die Schwangerschaftschancen verbessert. Der exakte Wirkmechanismus ist nicht ganz klar, wahrscheinlich werden durch das Anritzen Wachstumsfaktoren und Zytokine (Botenstoffe) ausgeschüttet, die die Implantation (Einnistung) fördern.

Um die Schwangerschaftschancen für Frauen mit wiederholtem Einnistungsversagen zu erhöhen, wurde und wird das Endometriumscratching daher häufig durchgeführt.

Nun ist eine große randomisierte Studie in fünf Ländern mit mehr als 1300 teilnehmenden Frauen bei einer IVF/ICSI Behandlung durchgeführt worden, die zum Ziel hatte, den Nutzen des Endometrium Scratchings zu untersuchen.

Die Ergebnisse sind nun im Januar 2019 im renommierten New England Journal of Medicine erschienen. Als Endziel wurde die Rate der Lebendgeburten gemessen.

Bei 180 von 690 Frauen kam es in der Gruppe der Frauen mit Endometrium scratching zu einer Lebendgeburt (26%). In der Gruppe der Frauen ohne Endometrium scratching kam es bei 176 von 674 Frauen (26%) zu einer Lebendgeburt.

Des Weiteren gab es auch keine signifikanten Unterschiede in den beiden Gruppen im Bezug auf Schwangerschaftsrate, Mehrlingsschwangerschaft oder Fehlgeburten. Es wurden sowohl Frauen untersucht, die das erste Mal eine IVF Behandlung durchführten, als auch Frauen, bei denen ein Einnistungsversagen vorlag.

Bei keiner dieser Gruppen konnte ein Vorteil in der Schwangerschafts- und Geburtenrate gefunden werden.

Daher kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die häufig praktizierte Methode des Endometrium scratching nicht mehr zur Verbesserung der Schwangerschaftsrate durchgeführt werden sollte.

 

Quellen:

Nastri CO, Lensen SF, Gibreel A, et al. Endometrial injury in women undergoing assisted reproductive techniques. Cochrane Database Syst Rev 2015;(3):CD009517-CD009517.
Lensen S, Osavlyuk D, Armstrong S, et al. A randomized trial of endometrial scratching before in vitro fertilization. N Engl J Med 2019;380:325-334.

 

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