Die Reproduktionsmedizin bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten, um Paaren den Kinderwunsch zu erfüllen. Eine der bekannteren und älteren Methoden der assistierten Reproduktion ist die intrauterine Insemination (IUI). Diese Form der künstlichen Befruchtung findet aufgrund ihrer zahlreichen Vorteile häufig Anwendung.

Bei der intrauterinen Insemination wird das Sperma eines Mannes mithilfe eines Katheters direkt in die weibliche Gebärmutter eingebracht. Die Samenprobe kann dabei entweder vom eigenen Mann (homologe Insemination) oder von einem fremden Spender kommen (heterologe Insemination). Die IUI bewegt sich sehr nahe an einer natürlichen Befruchtung, und kann dabei einige Probleme umgehen, die dem Kinderwunsch im Wege stehen.

Wie läuft die intrauterine Insemination ab?

Die für eine IUI benötigte Samenprobe kann kryokonserviertes Ejakulat oder frisches Sperma enthalten. Mit der Kryokonservierung wird Sperma bei einer Temperatur von -196° Celsius eingefroren und kann so über eine lange Zeit aufbewahrt werden, etwa wenn der Kinderwunsch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden soll.

Die Spermien werden vor der Insemination in einem reproduktionsmedizinischen Labor von der Samenflüssigkeit getrennt und gründlich gereinigt. Dadurch wird verhindert, dass Keime, Zytokine und andere Stoffe gemeinsam mit den aufbereiteten Spermien implantiert werden. Diese im Sperma möglicherweise vorhandenen Stoffe können die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden negativ beeinflussen.

Bevor die Spermien in die Gebärmutter eingebracht werden, muss im Labor ihre Potenz festgestellt werden. Durch die sogenannte Swim-up-Methode können potente Spermien von unbeweglichen getrennt werden. Dabei wird über die Samenprobe ein besonderes Kulturmedium gelegt, in das nur die beweglichen Spermien hineinschwimmen können und schlussendlich wird ein ausführliches Spermiogramm erstellt.

Wenn die Spermien auf die Behandlung vorbereitet sind, können diese zum Zeitpunkt des Eisprungs der Frau eingesetzt werden. Dabei überprüft der Arzt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut der Frau und die Reife ihrer Eizelle durch einen Ultraschall. Sobald die Follikel sprungreif sind, kann das aufbereitete Sperma in eine Spritze eingesaugt werden. Der Inhalt wird dann über einen dünnen Katheter in die Gebärmutter eingebracht. Die gesamte Behandlung erfolgt dabei ambulant und für die Frau grundsätzlich schmerzfrei.

Bei Frauen, die ein Problem mit ihrem Zyklus haben, kann die Behandlung mit einer Hormontherapie unterstützt werden. Durch Hormone, die entweder mit Spritzen oder Tabletten verabreicht werden, können die Follikel im weiblichen Körper zusätzlich stimuliert werden. Der Arzt kontrolliert den Erfolg der Stimulation mit einem Blutbild und einem Ultraschall. Sobald die Eibläschen die richtige Größe haben, löst der Arzt den Eisprung durch eine Injektion aus. Danach kann die Insemination genau so wie ohne hormonelle Unterstützung durchgeführt werden.

Wann ist eine IUI sinnvoll?

Im Gegensatz zu einer künstlichen Befruchtung mittels In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektuion (ICSI) werden bei der IUI keine Eizellen entnommen. Die Befruchtung findet ganz natürlich in der Gebärmutter statt. Die intrauterine Insemination wird deswegen besonders bei Patienten angewandt, bei denen keine schwerwiegenden Ursachen für die ausbleibende Schwangerschaft festgestellt werden, die aber trotzdem einen unerfüllten Kinderwunsch hegen.

Der Erfahrung nach kann eine IUI bei folgenden Problemen und Diagnosen helfen:

  • Geringe Anzahl oder Qualität von Spermien,
  • anatomische Veränderungen des Gebärmutterhalses,
  • starke Abwehrreaktion des Körpers gegen Sperma,
  • Vermeidung von sexuellem Kontakt aufgrund von Geschlechtskrankheiten,
  • Zervixschleiminsuffizienz und
  • Zyklusstörungen.

Die IUI kann hier die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zum Teil deutlich erhöhen. Dennoch müssen einige Voraussetzungen gegeben sein, damit eine Insemination erfolgreich sein kann.

Damit der eingesetzte Samen in der Gebärmutter zu einer Schwangerschaft führen kann, müssen die Eileiter funktionsfähig sein und die Gebärmutterschleimhaut eine Einnistung ermöglichen. Außerdem muss zum Zeitpunkt der Behandlung ein Eisprung stattfinden, der bei Zyklusstörungen aber auch hormonell herbeigeführt werden kann.

Die Samenprobe muss befruchtungsfähige und bewegliche Spermien enthalten, die bei der Insemination zu einer Schwangerschaft führen können. Des Weiteren sollte mittels Spermiogramm überprüft werden, ob die Anzahl der Spermien des Partners oder des Spenders für das medizinische Verfahren ausreicht. Andernfalls könnte eine andere Methode der künstlichen Befruchtung, wie beispielsweise die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), sinnvoller sein.

Besprechen Sie Risiken mit Ihrem Arzt und klären ab, ob für Sie eine Hormonbehandlung ggf. passender ist, um schwanger zu werden.

Wie hoch ist die Erfolgswahrscheinlichkeit einer IUI?

Die Erfolgsrate einer Schwangerschaft durch die intrauterine Insemination wird durch viele Faktoren beeinflusst. Neben den Ursachen für die Schwangerschaftsprobleme spielt das Alter der Frau eine wichtige Rolle. Frauen unter 25 können mit einer Erfolgswahrscheinlichkeit von fast 20 Prozent pro Verfahren rechnen. Junge Personen können die Insemination daher ruhig mehrmals versuchen, sollte es nicht gleich funktionieren.

Die Wahrscheinlichkeit nimmt mit dem Alter stark ab. Während zwischen 25 und 39 noch mit 9 bis 13 Prozent Erfolgswahrscheinlichkeit pro Behandlungszyklus gerechnet werden kann, ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ab 43 nur noch bei 3 Prozent pro Insemination.

Sollte die IUI nach mehrmaligen Versuchen nicht erfolgreich sein, könnte eine andere Methode der künstlichen Befruchtung eine aussichtsreichere Behandlungsalternative darstellen. Die In-Vitro-Fertilisation (IVF), oder die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) können trotz mehrfach fehlgeschlagener IUI eine hohe Erfolgsrate bieten, führen aber häufig zu Mehrlingsschwangerschaften.

Wie viel kostet eine intrauterine Insemination?

Die Kosten einer IUI können sehr stark variieren. Durchschnittlich kostet ein Behandlungszyklus zwischen 500 Euro und 1000 Euro. Je nachdem welche körperlichen Schwierigkeiten zu der Insemination geführt haben, kann der Preis aber auch darüber oder darunter liegen. Ein großer Faktor für den Preis ist beispielsweise die Notwendigkeit einer hormonellen Vorbehandlung, die einen großen Teil der Kosten ausmacht.

Die Krankenkasse kann abhängig von der individuellen Situation einen Teil der Kosten übernehmen. Für Sie ist es daher ratsam, sich über die Leistungen der eigenen Krankenkasse zu informieren und dabei auch alternative Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin zu prüfen.

 

Sie möchten mehr erfahren zur künstlichen Befruchtung?

Abonnieren Sie unseren Newsletter!