Es wird ja gelegentlich gesagt, dass Menschen, die keine Kinder haben wollen egoistisch seien. Etwa weil sie keine Verantwortung übernehmen möchten und ihnen ein bequemes, freies Leben wichtiger sei als der Menschheit das Überleben zu sichern. Diese Menschen würden ja vielleicht Kinder haben wollen, aber eben nur, wenn es keine Arbeit bedeutet.

Aber ist es vielleicht doch eher so, dass in Wirklichkeit jene Menschen egoistisch sind, die unbedingt ein Kind haben wollen?

Wir alle kennen diese Situation, in der ein Kind über beide Ohren strahlt und man diesem Lachen einfach nicht wiederstehen kann. Egal, ob Mädchen oder Junge, kleine Kinder machen einen in vielen Lebenssituationen glücklich und verschönern mit ihrer Unbeschwertheit und Unschuld den Alltag vieler Menschen. Kinder stärken oftmals den Zusammenhalt in der Familie und Paare fühlen sich noch mehr miteinander verbunden, da sie ein Wesen gemeinsam zur Welt gebracht haben.

Das Leben kann mit Kindern sehr schön und erfüllend sein.

Menschen mit Kinderwunsch sind egoistisch.

Eine zunehmende Weltbevölkerung verstärkt den Klimawandel.

Derzeit leben etwa 7,4 Milliarden Menschen auf unserem Planeten, die auf verschiedenen Wegen die Ressourcen der Erde nutzen. Laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung kommen durchschnittlich 2,62 Kinder pro Sekunde zur Welt, was die Bevölkerung immer stärker wachsen lässt.

Die ansteigende Menge von Menschen bedeutet gleichzeitig, dass mehr Ressourcen benötigt werden. Essentielle Dinge, wie der Bedarf an Wasser soll bis 2050 um 55 Prozent ansteigen. Auch der Klimawandel zeigt, dass die Bevölkerung eigentlich nicht weiter wachsen sollte: Die Temperaturen steigen immer mehr an, Inseln versinken und Gletscher schmelzen.

Kinderwunsch ist insofern egoistisch, dass Paare sich nicht um das Wohl des Planeten sorgen, sondern vielmehr nur ihre eigenen Wünsche verfolgen. Der Grundbedarf der Weltbevölkerung wird nicht mehr ausreichend gedeckt. 815 Millionen Menschen leiden jetzt schon Hunger.

Somit könnte das Mitgefühl gegenüber der Erde und den anderen Mitmenschen und die Sorgen um die Zukunft der Menschheit nur zweitrangig gegenüber dem Kinderwunsch einzelner Paare sein.

Wenn eine US-amerikanische Familie nur ein Kind weniger hätte, würden Emissionen eingespart, wie von 684 Teenagern, die für ihr restliches Leben nur noch recyceln. Anders gesagt würde ein Kind weniger Einsparungen von 58,6 Tonnen Kohlendioxid im Jahr bringen. Dabei stellt sich vielen die Frage, wessen Glück überwiegen sollte. Das des Einzelnen oder das Aller?

Paare, die ihrem eigenen Kinderwunsch nachgehen, verwehren einem anderen Kind das Leben.

Oftmals wird gesagt, dass werdende Eltern einem Kind ein Leben schenken. Leben schenken kann aber auch bedeuten, dass ein Kind mehr Freude als Leid erfährt. Paare, die eine Entscheidung für eigene Kinder treffen, können zwar dafür sorgen, dass es diesen gut geht und sie in einem guten Umfeld aufgezogen werden.

Jedoch nutzen sie nicht die Chance, einem Kind, das bereits auf der Welt ist und viel Leid erfährt, ein schöneres Leben zu schenken. Millionen von Kindern werden von ihren biologischen Eltern zur Adoption freigegeben. Paare mit Kinderwunsch könnten diesem Kind ein zu Hause geben, sodass alle Beteiligten glücklich sind. Stattdessen bekommen sie ein eigenes Kind, um ihren eigenen Wünschen nachzugehen.

Kinder kosten viel Geld, was in anderen Bereichen besser eingesetzt werden könnte.

Besonders Großfamilien wissen, wie teuer und zeitaufwendig die Erziehung von Kindern eigentlich ist. Laut des statistisches Bundesamts kostet das Aufziehen eines Kindes bis zu ihrem 18. Lebensjahr in Deutschland 126.000 Euro. Wenn man dies auf die Anzahl an Kindern auf der Welt verrechnet, kann man sich denken, wie viel Geld gespart werden könnte, wenn die Weltbevölkerung nicht so stark ansteigen würde.

Vertreter der Kinderwunsch-Egoismus Position meinen, dass dieses Geld viel effizienter genutzt werden könnte. Beispielsweise könnte Geld, was eigentlich in das Aufziehen von Kindern gesteckt wird, gespendet werden.

Auf diesem Wege könnte das Leid anderer Kinder und Menschen, die an der Armutsgrenze leben, minimiert bzw. verhindert werden. Solange andere Menschen auf der Welt leiden, sollte das Geld genutzt werden, um dies in Hilfsmaßnahmen zu investieren und dem Wohl der gesamten Bevölkerung beizutragen.

Wenn Gründe gegen eine Schwangerschaft sprechen, sollte man dies hinnehmen und nichts erzwingen.

Besonders Paare, die Schwierigkeiten haben ein Kind zu bekommen, versuchen evtl. „krampfhaft“, ihrem Kinderwunsch nachzugehen. Künstliche Befruchtung, das Tracken der fruchtbaren Tage mit aufwändiger Technik, Samenspende oder andere alternative Wege schwanger zu werden, werden bei diesen Paaren oftmals als Weg zur Erfüllung des Kinderwunsches angesehen.

Gründe gegen ein Baby könnten eine Schwangerschaft gegen den Willen des Partners, eine schwierige wirtschaftliche Situation der werdenden Eltern oder das zunehmende Alter der Frau sein.

Sind Paare egoistisch, wenn sie eine Familie gründen, obwohl sie nicht mal die finanziellen Möglichkeiten haben, dem Kind ein gutes und sorgloses Leben zu schenken? Auch Frauen in einem Alter mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Risikoschwangerschaft können als sehr unvernünftig gelten, wenn sie die Gesundheit des Babys gefährden.

Im Fazit wäre ein Kinderwunsch egoistisch, wenn Paare biologische Abkömmlinge nur in die Welt setzen, um ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen und sich selbst zu verwirklichen. Sie wollen mit einem Kind ihr Leben bereichern, schöne Erfahrungen sammeln und sich gut fühlen. Sie wollen eine ähnliche Version von sich selber in die Welt setzen, vielleicht auch um eine Altersvorsorge zu haben und sich eine schöne Zukunft zu ermöglichen.

Nein, Menschen mit Kinderwunsch sind nicht egoistisch.

Die Probleme der Welt sind nicht nur vom Anstieg der Kinderrate abhängig.

Betrachten wir zunächst das Argument, dass eine zunehmende Weltbevölkerung und eine hohe Geburtenrate einen negativen Einfluss auf das Klima haben. Leute, die diese Meinung nicht vertreten, haben insofern argumentiert, dass die Probleme, die es auf der Welt gibt, nicht durch eine geringere Anzahl an Babys geändert werden können. Politische Konflikte zwischen Nationen, die Höhe der Armutsrate und die Klimaverschmutzung sind nicht in der Anzahl der Geburten begründet.

Besonders der Klimawandel ist beeinflusst durch viel Kohlenstoffdioxid-Ausstoß, wie zum Beispiel aufgrund vom internationalen Handel, erhöhtem Auto- und Flugverkehr und politischen Schwierigkeiten in der Umsetzung des Atomausstiegs. Somit kann der Grund für die mangelnden Ressourcen nicht nur an Paaren mit Kinderwunsch festgemacht werden. Andere Maßnahmen können bereits das jetzige und zukünftige Wohl der Erde positiv beeinflussen, ohne dass Paare auf ihren Wunsch eigene Kinder zu bekommen, verzichten müssen.

Kinder sind die Zukunft.

Kinder sorgen dafür, dass die Menschheit nicht ausstirbt. Sie sind außerdem auch die Zukunft der älteren Generationen. Von vielen Menschen werden Kinder als Altersvorsorge angesehen, da sie nicht nur die Rente ihrer Eltern finanzieren, sondern diese auch pflegen. Kinder werden gebraucht, um unser System zur Altersvorsorge zu finanzieren.

Also sollte die Kinderrate bestimmter Regionen nicht stagnieren oder zurückgehen, sondern viel mehr ansteigen, um eine nachhaltige Zukunft zu sichern. Auch ökonomisch gesehen werden Kinder benötigt. Sie sind die zukünftigen Steuerzahler und Arbeiter, und davon hängt die Wirtschaft eines Landes ab.

Ein Kinderwunsch ist nicht egoistisch, da Kinder den Ländern der Welt dabei helfen, sich weiter zu entwickeln. Also sollte doch eigentlich jeder der kann und möchte Kinder zeugen.

Kinder bekommen heißt Verantwortung übernehmen.

Die Gründung einer Familie ist nicht immer einfach. Besonders in den ersten Monaten nach der Geburt eines Kindes müssen Eltern ihr Leben stark umstellen. Schlafmangel, Stress und weniger Freizeit nehmen viele Eltern auf sich, um das Wohlbefinden ihres Kindes sicherzustellen.

Nicht umsonst heißt es, dass Eltern ihre Freiheit aufgeben, sobald sie Kinder bekommen. Sie können nicht mehr spontan abends in eine Bar oder ins Kino mit Freunden gehen, wenn sie Kinder zu Hause haben, für die gesorgt werden müssen. Viele Menschen kommen innerhalb der Erziehung ihrer Kinder auch an ihre Grenzen, weil sie sich nicht mehr genügend um sich selber kümmern.

Eltern verändern ihr Leben so, dass es ihrer Familie und ihren Kindern gut geht. Sie übernehmen Verantwortung für einen anderen Menschen und stellen sich selber hinten an.

Die Frage, ob Kinderwunsch egoistisch ist, findet keine wirkliche Antwort. Wie gezeigt, gibt es Argumente, die dafür, aber auch dagegensprechen. Jeder muss für sich entscheiden, welchen Weg er gehen möchte.

 

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