Unter der Spermiendichte wird die Anzahl der Spermien pro Milliliter verstanden. Gemäß Weltgesundheitsorganisation ist zur erfolgreichen Befruchtung eine Spermiendichte von mehr als 15 Millionen/ml erforderlich. Bei geringeren Werten wird es schwieriger.

Forscher von der Justus-Liebig-Universität in Gießen haben untersucht, wie Männern mit geringer Spermiendichte auch ohne künstliche Befruchtung der Kinderwunsch erfüllt werden kann.

Hierzu untersuchten sie, wie Spermien sich gegen die natürliche Eindringabwehr des weiblichen Fortpflanzungstrakts zur Wehr setzen. In der Samenflüssigkeit kommt ein Enzym vor, dass das abwehrende Maschenwerk aus Eiweißen der weiblichen Immunabwehr auflöst, damit sich die Spermien wieder fortbewegen können. Diese Eiweiße können aber trotzdem weiterhin toxisch gegenüber den Spermien wirken.

Die Gruppe um Dr. Sebastian Galuska konnte nun zeigen, dass ein körpereigener Zucker (Polysialinsäure) dieser schädigenden Wirkung entgegenwirken kann, in dem es die Eiweiße der weiblichen Immunabwehr zu einem Komplex verklumpen lässt. Dieser körpereigene Zucker ist in der Samenflüssigkeit natürlicherweise vorhanden.

Es wird nun weiter daran geforscht, ob es möglich ist, die schützende Wirkung dieses Zuckers (Polysialinsäure) für die Entwicklung von Medikamenten zu nutzen. Damit ließe sich die Spermiendichte erhöhen, die dem Angriff des weiblichen Immunsystems entgeht. Mithilfe solcher neuen Medikamentenansätze könnte Männern mit geringer Spermiendichte auch ohne aufwendige künstliche Befruchtung zum Kinderwunsch verholfen werden.