Prof. Wolfgang WürfelProf. Dr. Dr. Wolfgang Würfel ist Reproduktionsmediziner, Facharzt für Gynäkologie und Endokrinologe am Kinderwunsch Centrum München. Damit ist er seiner Heimatstadt München, wo er einst sein Medizinstudium abschloss, treu geblieben. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf repetitiven Implantationsversagen (RIF) und rezidivierenden Spontanaborten (RSA). Prof. Würfel hat uns spannende Antworten auf unsere 9 Fragen gegeben. 

Wie sind Sie zur Reproduktionsmedizin gekommen?

Seit meiner Facharztausbildung an der Frauenklinik Dr. Wilhelm Krüsmann kenne ich Herrn Kollegen Dr. Gottfried Krüsmann. Er hat sich schon seit langer Zeit und sehr erfolgreich mit Tubenchirurgie beschäftigt. Das hat mich sehr beeindruckt. Er wie auch ich waren dann natürlich begeistert als die Möglichkeit der In-vitro-Fertilisation aufkam, zumal sie eine logische Fortführung der Tubenchirurgie war. Und so haben wir uns mit der Hilfe seines Vaters, dem Chefarzt Dr. Wilhelm Krüsmann, seinerzeit auf den Weg gemacht, diese Technik zu erlernen und fanden grandiose Unterstützung bei den Kollegen Dr. Wilfried Feichtinger und Dr. Peter Kemeter in Wien.

Was sind Ihre medizinischen Schwerpunkte?

Wir decken am Kinderwunsch Centrum München das gesamte Spektrum der Reproduktionsmedizin ab, inklusive operativer Verfahren wie Myomenukleation, mikrochirurgische Refertilisierungsoperationen und das gilt auch auf Seiten des Mannes, zusammen mit unseren andrologischen Kooperationspartnern Dr. Pickl, Dr. Salzmann, Dr. Schöler, Privatdozent Dr. Trautmann und Prof. Schwarzer (Andrologie-Centrum-München).

Ich selbst beschäftige mich in der Zwischenzeit sehr stark mit Patientinnen mit repetitiven Implantationsversagen (RIF) und rezidivierenden Spontanaborten (RSA). Ein weiterer Schwerpunkt in diesem Zusammenhang ist die Immunologie der Implantation und der Schwangerschaft, neuerdings auch die Infektiologie inklusive Mikrobiomanalysen. Des Weiteren interessieren mich sehr stark genetische Fragestellungen, die z.B. in Untersuchungen wie der Polkörperdiagnostik (PKD) oder der PID (Präimplantationsdiagnostik) münden.

Zusammen mit meinen Kollegen sind wir in Kooperation mit dem Medizinisch Genetischen Zentrum (MGZ) bzw. dem Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsmedizin (ZHL) lizensierte Zentren für die Durchführung der Präimplantationsdiagnostik.

Was würden ihre Patienten über Sie sagen?

Diese Frage kann ich Ihnen wirklich nicht beantworten, vielleicht lohnt ein Blick auf das jameda-Portal.

Wen bewundern Sie?

Ganz besonders Albert Einstein. Denn er hat es geschafft, mit der Kraft der Ideen und letztlich ja als „Querdenker“ und auch „Quereinsteiger“ eine Revolution hervorzurufen, hier im Bereich der Physik und Astrophysik.

Welche Situation hat Sie in Ihrer Karriere am stärksten berührt?

Tatsächlich war es die Geburt der ersten Zwillinge nach In-vitro-Fertilisation im September 1985. Es war seinerzeit der erste Embryotransfer, den Herr Kollege Krüsmann und ich durchgeführt haben und dann diese Zwillingsschwangerschaft! Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine Drillingsgeburt an der 1. Universitätsfrauenklinik in der Maistraße in München, sonst waren Geburten eigentlich eher rar. Und es gelang das tatsächlich so schnell und so früh, damals vibrierte die gesamte Klinik, der „Presserummel“ war gigantisch. Zudem führten wir seinerzeit schon – vergleichsweise innovativ – ausschließlich ultraschallkontrollierte Punktionen zur Eizellentnahme durch und keinerlei Laparoskopien. Dafür wurden wir zu diesem Zeitpunkt auch angegriffen, man bezeichnete das als „Kunstfehler“. Wie sich die Zeiten doch geändert haben.

Was könnte Deutschland besser machen im Umgang mit Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch?

Ich würde mir eine integrative Medizin wünschen. Ich habe den Eindruck, dass Reproduktionsmedizin oft nur als IVF- oder ICSI-Medizin praktiziert wird, dabei sind Fragestellungen der menschlichen Reproduktion viel weiter greifend, bis hinein in die Gynäkologische Endokrinologie, Immunologie usw. Und dieser auch schulmedizinisch richtig verstandene, ganzheitliche Ansatz ist leider nur an wenigen Stellen umgesetzt. Insofern gilt auch die Integration z.B. der Psychosomatik und der psychosozialen Beratung also noch nicht wirklich gelungen.

Welche aktuellen Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin finden Sie besonders spannend?

Derzeitige Entwicklungen, die ich besonders spannend finde, sind die gesamten genetischen Fragestellungen und die Einblicke, die sich hieraus für uns in der Reproduktionsmedizin geben. Darüberhinaus freut es mich sehr, dass sich meine schon seit Jahren, ja Jahrzehnten, antizipierte Wahrnehmung, dass es signifikante Implantationsstörungen gibt – vor allem immunologische – immer weiter ausbreitet und eine wissenschaftlichen Beachtung befindet.

Wie sieht reproduktionsmedizinische Behandlung in 30 Jahren aus?

Wie eine reproduktionsmedizinische Behandlung in 30 Jahren aussieht, vermag ich nicht zu sagen. Ich sehe aber sehr stark einen Trend im Hinblick auf „Verfügbarkeit“, „Lifestyle-Medizin“ und eine zunehmende gesellschaftliche Forderung bzw. Wahrnehmung, nämlich dass ein Recht auf ein gesundes Kind, wohlweislich ein gesundes, besteht und das in allen Lebenssituationen und unter allen Bedingungen.

Wofür begeistern Sie sich, wenn Sie nicht arbeiten?

Derzeit lerne ich mit über 60 Jahren Klavier spielen, was ich schon immer wollte. Ich kann mich für Belcanto Opern begeistern, Skifahren, Tanzen, Tauchen, Kunst, Architektur – unser Haus habe ich selbst entworfen – und Reisen in fremde Länder sowie Sprachen. Und ich erfreue mich an meinem mittlerweile 80 Jahre alten Citroën, der „Gangsterlimousine“ – freilich in weiß.

 

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