10 Fragen an Professor Dr. Katharina Hancke, Reproduktionsmedizinerin und geschäftsführende Oberärztin sowie Leiterin beim Kinderwunsch- und Hormonzentrum UniFee in Ulm. Frau Professor Hancke ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit den Schwerpunkten Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Besondere wissenschaftliche Schwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen Endometriose und Fertilitätserhalt vor Chemotherapien. UniFee gehört zum Universitätsklinikum Ulm.

 

Wie sind Sie zur Reproduktionsmedizin gekommen?

Schon mit meiner Doktorarbeit habe ich mich mit der Endokrinologie, der Lehre der Hormone, beschäftigt, damals mit der internistischen Endokrinologie. Schnell habe ich gemerkt, dass mich die hormonellen Regelkreise, Funktionen und Dysfunktionen faszinieren. Als ich dann als Assistenzärztin in der Frauenklinik in Freiburg anfing zu arbeiten, habe ich nach den ersten allgemeinen Jahren der Weiterbildung rasch die Reproduktionsmedizin für mich als Schwerpunkt erkannt.

Was sind Ihre medizinischen Schwerpunkte?

Wissenschaftlich habe ich mich früh mit dem Fertilitätserhalt bei Frauen vor einer onkologischen Therapie beschäftigt. Die Möglichkeit den Kinderwunsch auch noch nach einer aggressiven Tumortherapie zu erfüllen ist ein wichtiger Teil der Aufklärung und trägt zu einer verbesserten Lebensqualität nach Ausheilung einer Krebserkrankung bei.

Was würden ihre Patienten über Sie sagen?

Ich hoffe, dass meine Patientinnen mich als engagierte und herzliche Ärztin wahrnehmen, die sich für die Beschwerden ernsthaft interessiert und die bestmöglichste Therapie vorschlägt.

Wen bewundern Sie?

Ich bewundere Menschen, die nicht aufgeben, wenn etwas mal nicht gelingt. Menschen, die Innovationen erkennen und vorantreiben und die an ihre Grenzen gehen, um ein Projekt weiterzuentwickeln.

Welche Situation hat Sie in Ihrer Karriere am stärksten berührt?

Die natürliche Geburt eines Kindes berührt mich heute noch.

Was könnte Deutschland besser machen im Umgang mit Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch?

Es müsste mehr Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden, dass Paare erkennen, dass die beste Zeit zur Erfüllung des Kinderwunsches vor dem 35. Lebensjahr der Frau ist. Günstig wäre es, wenn sich die Krankenkassen an den Kosten der Kryokonservierung beteiligen würden – das sollte auch Frauen und Männer mit Wunsch nach Fertilitätserhalt vor einer onkologischen Therapie einschließen.

Was unterscheidet Ihr Kinderwunschzentrum von anderen?

Wir können als universitäres Zentrum alles aus einer Hand anbieten – die Kinderwunsch-Beratung, -Diagnostik und Therapie. Im UniFee liegt die Priorität auf der individuellen Betreuung des Paares in Anlehnung an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse (und der evidenzbasierten Medizin). In enger Kooperation mit den benachbarten Kliniken sind kurze Wege möglich – ohne den Schutz der Privatsphäre im UniFee zu verlassen.

Welche aktuellen Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin finden Sie besonders spannend?

Besonders spannend ist die Forschung auf dem Gebiet der Eizellreifung aus Eierstocksgewebe – dies soll langfristig die Erfüllung des Kinderwunsches nach einer onkologischen Therapie verbessern.

Wie sieht reproduktionsmedizinische Behandlung in 30 Jahren aus?

Wir können mittlerweile vielen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch helfen schwanger zu werden. Leider gibt es einen kleinen Prozentsatz an Paaren, bei denen man den medizinischen Grund noch nicht kennt, warum es trotz Nachhelfen nicht klappt. Diese Gründe herauszufinden wird ein spannendes Thema sein und im besten Fall in 30 Jahren gelöst.

Wofür begeistern Sie sich, wenn Sie nicht arbeiten?

Für meine Familie und Sport.

 

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