Angela P. und Johannes S. (Namen von der Redaktion geändert) waren 23 und 28 Jahre alt, als sie sich Ende 2013 für ein Kind entschieden. Angela kämpfte mit Übergewicht, was den Weg zum eigenen Kind erschwerte. Lesen Sie im Erfahrungsbericht, wie es den beiden ergangen ist.

„Mir war von Anfang an klar, dass es nicht gleich mit der Schwangerschaft klappen würden, weil ich quasi gar keinen Zyklus hatte. Aufgrund meines Übergewichts hatte ich keinen Eisprung.

Bis heute hat sich unser unerfüllter Kinderwunsch nicht gelöst. Wir haben eine Hormonbehandlung gemacht und ich nehme natürliche Hilfsmittel.

Ich trinke Zyklustee, nehme Mönchspfeffer und Nahrungsergänzungsmittel, welche die Eizellqualität verbessern sollen (Folsäure, Omega 3, Vitamin D, Selen, Zink, Q10). Zur Einnistungsunterstützung nehme ich Ass 100 (nachgewiesene Gerinnungsstörung) und Magnesium. Zur Bestimmung des Eisprungs nutze ich Ovulationstests und ein Thermometer zur Bestimmung der Basaltemperatur.

Bei den Hormonbehandlungen hatte ich 2 Zyklen mit Clomifen und 3 Zyklen mit Puregon für die Stimulation des Eisprungs. Wir waren in einem Kinderwunschzentrum in Rostock. Zu Beginn haben wir uns dort wohlgefühlt, aber mit der Zeit dann überhaupt nicht mehr.

Die Ärzte im Kinderwunschzentrum müssten viel einfühlsamer sein. Besonders mit einer Fehlgeburt sollten sie einen nicht so sehr alleine lassen, sondern viel mehr aufklären. Die Ärztin hat mich bei unserem letzten Versuch ziemlich unter Druck gesetzt, weswegen ich dann auch die Kinderwunschklinik verlassen habe.

Ich hatte im Juni 2017 einen verhaltenen Abort in der 6. Schwangerschaftswoche und die natürliche Fehlgeburt dann in der 10. Schwangerschaftswoche. Im August 2018 hatte ich einen frühen Abgang.

Ich habe noch nie darüber nachgedacht, den Kinderwunsch wirklich ernsthaft aufzugeben. Man sagt zwar viele Dinge, wie „das wird nichts“ und „ich habe keine Lust mehr“. Aber wirklich ernsthaft aufgeben kann ich nicht, weil der Wunsch nach einem Kind einfach zu stark ist.

Meine größte Angst ist es, niemals Mutter zu werden. Man kann sich bei einem positiven Schwangerschaftstest aber nur schwer freuen. Denn dann kommt der Zweifel, dass HCG nicht steigt oder man wieder eine Fehlgeburt erleiden muss. Man kann die Zeit dann nicht richtig genießen, weil einfach die Sorge immer da ist, es könnte wieder etwas passieren.

Wir haben mit unserer Familie über unseren unerfüllten Kinderwunsch gesprochen. Das würde ich im Nachhinein nicht mehr machen. Es setzt einen doch irgendwie unter Druck. Es kommen immer diese Fragen, ob es nun geklappt hat. Ich muss immer genau überlegen, was ich sage, weil sonst jemand denkt, dass es geklappt hat obwohl ich gar nicht schwanger bin.

Dann die Ratschläge zu künstlichen Befruchtungen, weil die meisen einfach nichts anderes kennen. Oder die Bemerkungen, dass es bei anderen ja auch länger gedauert hat. Dann die Fragen, „… habt ihr das schon probiert oder das …?“. Mittlerweile sprechen wir gar nicht mehr darüber.

Anderen Frauen rate ich, lasst Euch von keinem Arzt einfach abspeisen. Wenn Ihr Euch nicht wohlfühlt, wechselt sofort den Arzt. Beschäftigt euch mit euren Befunden. Lasst euch nicht mit sinnlosen Behandlungen hinhalten. Und lasst euch nicht als Versuchskaninchen benutzen für irgendwelche Medikamente, die mal ausprobiert werden sollen, um zu erforschen ob sie etwas bringen oder nicht.

Wenn ich gewusst hätte, dass ich nach meiner Gewichtsabnahme von allein einen Eisprung habe, hätte ich die ganzen Hormonbehandlungen in der Kinderwunschklink nicht gemacht. Ich hätte eher den Frauenarzt gewechselt und keine sinnlosen klinischen Studien mitgemacht.“

 

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