Was ist eine Eizellenspende?

Bei der Eizellenspende wird die Eizelle einer anderen Frau mit den Samenzellen des eigenen Partners im Rahmen einer In-vitro-Behandlung befruchtet. Hat sich nach wenigen Tagen ein Embryo entwickelt, wird dieser in die Gebärmutter der Patientin transferiert.

Die Eizellenspende ist in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die eigentliche Spende der Eizelle von der Befruchtung und Übertragung der gespendeten Eizelle in den Uterus der zukünftigen Mutter nicht unterschieden.

Eine sehr seltene Variante der Eizellenspende stellt das Egg-Sharing dar. In diesem Fall werden die reifen Eizellen einer Spenderin unterschiedlichen Paaren mit einem Kinderwunsch angeboten.

Welche gesetzlichen Grundlagen gelten in Deutschland?

Die aktuelle Gesetzeslage des Embryonenschutzgesetzes sieht im Rahmen der künstlichen Befruchtung ausschließlich den Transfer eigener befruchteter Eizellen vor. [1]

Deutsche Ärzte machen sich strafbar, wenn sie gespendete Eizellen transferieren sowie auch bei vorbereitenden Handlungen für eine Eizellenspende.

Frauen, die sich im Ausland eine fremde befruchtete Eizelle übertragen lassen, können nicht belangt werden. In Deutschland gilt die Frau als Mutter, welche das Kind zu Welt bringt. Somit ist auch die Fragestellung nach der Mutterschaft eindeutig geklärt.

Seit einigen Jahren steht jedem Kind das Wissen über seine biologische Herkunft zu. Bei einer Behandlung im Ausland, welche der Spenderin die Anonymität zuspricht, kann dies rechtlich problematisch werden. [2]

Anlass zur Diskussion gibt die Tatsache, dass in Deutschland eine Samenspende erlaubt ist, die Eizellspende jedoch durch ein Verbot belegt ist. Wichtigstes Argument gegen eine Gleichbehandlung von Eizellspende und Samenspende ist, dass eine Eizellspende relativ höhere gesundheitliche Risiken für die Frau birgt.

Eine mögliche Legalisierung der Eizellenspende wird in Deutschland seit Jahren von Reproduktionsmedizinern diskutiert. [6]

Welche Gründe gibt es für eine Eizellenspende?

Sind die Ursachen eines unerfüllten Kinderwunsches beim Mann ausgeschlossen, spielt häufig ein Mangel von reifen Eizellen bei der Frau eine Rolle. Neben dem Anti-Müller-Hormon ist die Anzahl der Follikel im Eierstock ein wesentliches Kriterium für das Vorhandensein von Eizellen.

Sind kaum mehr sogenannte Antralfollikel vorhanden oder ist die ovarielle Reserve gänzlich aufgebraucht, ist eine künstliche Befruchtung mit eigenen Eizellen nicht möglich. Grund ist häufig das fortgeschrittene Alter der Frau. Auch Krankheiten und genetische Ursachen führen zur Diagnose fehlender oder unzureichend entwickelter Eizellen.

Für den Kinderwunsch stehen dennoch Wege offen. Eizellenspenden sind im europäischen Ausland häufig erlaubt.

Welche Voraussetzungen gelten für eine Eizellenspende?

Die Voraussetzungen für eine geeignete Spenderin sind international unterschiedlich. In Spanien etwa gelten nachfolgende Bedingungen.

  • Alter mindestens 18 und höchstens 35 Jahre.
  • Die Spenderin muss bereits eigene sexuelle Erfahrung haben.
  • Es dürfen keinerlei infektiöse Erkrankungen (HIV, Hepatitis, sexuell übertragbare Krankheiten) vorliegen.
  • Erbkrankheiten und genetische Dispositionen (Familienanamnese) müssen ausgeschlossen werden.
  • Drogenkonsum (auch Nikotin) werden strikt überprüft.
  • Gynäkologische Erkrankungen sind ein negatives Kriterium.
  • Ein positives psychologisches Gutachten wird eingefordert.

Hinsichtlich der Aufwandsentschädigung für die Eizellspenderin gelten unterschiedliche Regelungen. In diesem Zusammenhang ergibt es Sinn sich über die anfallenden Gesamtkosten einer Behandlung ausführlich zu informieren.

Verschieden fällt auch die Regelung bezüglich der Anonymität der Eizellspenderin aus. Spanien erlaubt ausschließlich anonyme Spenden, während in Dänemark mehrere Modelle parallel existieren. Bei Zweifeln und Unsicherheit erscheint es sinnvoll sich im Vorfeld durch einen im Landesgesetz kundigen Anwalt beraten zu lassen.

Wie läuft die Eizellenspende ab?

Matching

Eltern, die sich für die Befruchtung einer fremden Eizelle entscheiden werden vor der Frage stehen, ob und wie sie die Auswahl der Eizellen beeinflussen wollen. IVF Kliniken und Samenbanken nennen das Verfahren zur Auswahl der Spenderin „Donor/Recipient-Matching“.

Haarfarbe, Augenfarbe, Größe und Statur aber auch Hobbys, Charakter oder ethnische/geografische Aspekte können Merkmale bei der Auswahl sein. Auch die Blutgruppe gilt es in die Entscheidung einzubeziehen, da sie mit großer Sicherheit ein genetisches Identifikationsmerkmal zu den Eltern darstellt. [3]

Ablauf der Behandlung

Auf reproduktionsmedizinischer Seite liegt das Hauptaugenmerk auf einem synchronisierten Ablauf der Zyklen von Spenderin und Empfängerin. Wird auf kryokonservierte (bei minus 196°C tiefgefrorene) gespendete Eizellen zurückgegriffen entfällt dieser Schritt.

Die Entnahme der Eizellen (Follikelpunktion) und die Bereitstellung des Samens für die Befruchtung im Reagenzglas müssen auf einen exakten Zeitpunkt hin geplant werden.

In einer parallel angelegten Behandlung wird die Uterusschleimhaut der zukünftigen Mutter für den Embryotransfer und den Vorgang der Einnistung vorbereitet.

Die Befruchtung wird üblicherweise mittels einer in-vitro-Fertilisation vorgenommen. Die Entwicklung des Embryos wird innerhalb der nächsten fünf Tage lückenlos kontrolliert. Zwischen dem dritten und fünften Tag (Blastozystenstadium) wird der Embryo in die Gebärmutter der Empfängerin übertragen.

Welche Risiken können auftreten?

Eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Vor- und Nachteilen der Eizellspende ist ein wesentlicher Schritt zu einer vorbehaltlosen Elternschaft. Risiken bestehen sowohl für die Spenderin als auch für die zukünftige Mutter und das Kind.

Medizinische Risiken

Bei der assistierten Fortpflanzung besteht immer das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft. Auch der Transfer von nur einem Embryo (single-embryo-transfer) ist mit Gefahren behaftet.

Eine Hormonstimulation im Vorfeld der Follikelpunktion kann für die Spenderin mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden sein. Eine Überstimulation der Eierstöcke führt zu einer Wasseransammlung im Bauch (Aszites) und kann eine gefährliche Thrombose nach sich ziehen. Zudem trägt die Spenderin das Risiko der Narkose.

Soziale Risiken

Die Eizellspenderin muss sich im Klaren sein, dass sie zu dem Kind keinen Kontakt haben wird.

Wird ein Kind mit genetischem Material einer fremden Person gezeugt, kann die Frage nach der Identifikation mit dem Kind zu familiären Problemen führen.

Sozialwissenschaftliche Studien [4] belegen, dass das Vorhandensein einer leiblichen (gebärenden) Mutter und einer genetischen Mutter (Eizellspenderin) für das Kind keine schädlichen Auswirkungen haben muss.

Unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben gleichwohl einen Einfluss auf die Gene und somit auf das Verhalten eines Kindes. [5]

Länder, welche die Spende von Eizellen erlauben, verfügen über unterschiedliche Regelungen, wieviele Kinder von einer Spenderin gezeugt werden dürfen. So werden mögliche Halbgeschwister in den meisten Fällen unbekannt bleiben.

Schließlich bleibt noch die Frage nach der Kommerzialisierung. Es bedarf einer gewissenhaften Spenderauswahl um die Uneigennützigkeit von Eizellspenden zu gewährleisten. [6]

In welchen Ländern ist die Eizellspende möglich?

Vielen Eltern bleibt zur Erfüllung des Kinderwunsches nur die Behandlung im Ausland. Viele Länder, wie Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, die Niederlanden, Österreich, Polen, Schweden, Slowakei, Spanien und der Tschechischen Republik bieten in Fortpflanzungszentren den Eingriff an.

 

Quellen:

[1] https://www.gesetze-im-internet.de/eschg/BJNR027460990.html

[2] https://www.rosepartner.de/familienrecht/abstammung-name/eizellenspende-erlaubt-verboten.html

[3] https://www.gen-ethisches-netzwerk.de/reprotechnologien/der-imperativ-der-aehnlichkeit

[4] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/103624/Leopoldina-plaediert-fuer-Erlaubnis-der-Eizellspende

[5] https://www.spektrum.de/magazin/wie-gene-das-sozialverhalten-praegen-und-umgekehrt/1210961

[6] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/73538/Legalisierung-der-Eizellspende-in-Deutschland%20%20%20%202017

 

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Eizellenspende
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