Zu Beginn ist die Freude riesengroß. Alle Anzeichen für eine Schwangerschaft sind vorhanden. Da sind die ausgebliebene Periode, die morgendliche Übelkeit und schmerzende Brüste. Eigentlich kann jetzt nichts mehr schiefgehen. Oder? Leider doch. Bei ein bis zwei Prozent aller Schwangerschaften nistet sich die Eizelle nicht wie normal in der Gebärmutter, sondern in der Eileiterschleimhaut ein. Doch woran erkennt man nun eine solche Eileiterschwangerschaft? Welche Gefahren können auf die Frau zukommen? Und die wohl wichtigste Frage: Wie kann betroffenen Frauen medizinisch geholfen werden?

Ursachen für eine Eileiterschwangerschaft

Es gibt gewisse Risikofaktoren, die eine Einnistung der Eizelle in der Schleimhaut des Eileiters begünstigen können. Leider sind nicht alle dieser Faktoren für uns beeinflussbar.

Wir haben Ihnen eine Liste der wichtigsten Ursachen zusammengestellt:

  • Endometriose, eine Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut
  • Übermäßiger Zigaretten- und Alkoholkonsum
  • Vergangene hormonelle Kinderwunsch-Behandlungen wie zum Beispiel eine künstliche Befruchtung
  • Entzündungen der Eileiter
  • Operationen im Bauchraum
  • Höheres Alter der Mutter

Endometriose betrifft in Deutschland viele Frauen. In ihrem Körper verbreitet sich der Gebärmutterschleimhaut ähnliches Gewebe auch außerhalb der Gebärmutter. Häufig treten bei der Periode von Erkrankten große Schmerzen auf. Durch die Verwachsungen wird die Eizelle eingeschränkt. Sie kommt entweder nur schwer zu ihrem Ziel – der Gebärmutter – oder wird gar völlig durch ein Hindernis ausgebremst.

Ähnlich kann man sich das bei früheren Operationen im Bauchraum vorstellen. Narbengewebe versperrt den Weg zu einer natürlichen Schwangerschaft. Das heißt aber nicht, dass in einer KIWU-Klinik keine Lösung für das Problem gefunden werden kann. Es muss bei einem zweiten Versuch auch nicht zu einer erneuten Eileiterschwangerschaft kommen. Die Natur entscheidet das immer wieder aufs Neue.

Zigaretten, Alkohol und Kinderwunsch? Das passt nie gut zusammen. So ist es auch bei diesem Thema. Das Immunsystem wird geschwächt und Schadstoffe kommen in den Blutkreislauf. Dadurch wird die Geschwindigkeit der Eizelle im Körper maßgeblich beeinflusst. Es kann sein, dass sich die Frucht auf dem Weg in die Gebärmutter zu langsam bewegt.

Die häufigste Ursache sind allerdings akute Erkrankungen bzw. Entzündungen im Eileiter der Frau. Der Eileiter funktioniert dann nicht richtig und kann die befruchtete Eizelle nicht an den vorgesehenen Ort bringen.

Anzeichen der Eileiterschwangerschaft

Für die schwangeren Frauen ist es sehr schwer, eine Eileiterschwangerschaft selbst zu erkennen. Die Symptome dafür sind denen einer normalen Schwangerschaft nämlich zunächst einmal sehr ähnlich und völlig unauffällig. Nachdem die Menstruation ausgeblieben ist, wollen Sie endgültig Gewissheit. Der Schwangerschaftstest zeigt Ihnen zwei Striche an – er ist positiv. Normalerweise können Sie sich jetzt freuen.

Eine Eileiterschwangerschaft ist jedoch noch nicht ausgeschlossen. Nicht einmal zwingend, wenn Sie das erste Mal beim Arzt waren. Im Laufe einer normalen Schwangerschaft würde sich die winzige befruchtete Eizelle im ersten Monat durch den Eileiter in die Gebärmutter bewegen und sich dort zur weiteren Entwicklung einnisten. Das kann sie nicht tun, wenn sie auf ein Hindernis – wie zum Beispiel Verwachsungen durch Endometriose – trifft. Eine Eileiterschwangerschaft entsteht.

Wichtig ist nun, dass die Krankheit früh erkannt wird. Achten Sie auf Ihren Körper! In der sechsten bis neunten Woche können Schmierblutungen und sehr starke Bauchschmerzen auftreten. Auch vermeintlich leichte Berührungen können sich anfühlen wie Messerstiche. Meistens ist es aber so, dass die Schwangere in dieser Zeit schon einen natürlichen Abgang erleidet.

So oder so gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Auch wenn der Mediziner die Eileiterschwangerschaft womöglich nicht sofort auf dem Ultraschall erkennt, sollte er die Diagnose im Laufe der Zeit doch klar stellen können.

Gefahren und Risiken

Wird die Eileiterschwangerschaft nicht rechtzeitig erkannt, kann die Situation für die betroffenen Frauen im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Die Eizelle entwickelt sich in den ersten Wochen wie bei einer normalen Schwangerschaft und wächst immer weiter. Irgendwann kann die Last für den jeweiligen Eileiter zu groß sein. Der Eileiter droht zu platzen. Die Gefahr: Innere Blutungen.

Unterschätzen Sie starke Bauchschmerzen also nicht. Begeben Sie sich bei Unsicherheit umgehend zu einem Arzt oder in ein Krankenhaus. Hier kann ihnen schnell geholfen werden. Bei starken Blutungen müssen die Mediziner eine Not-OP vornehmen und die Eizelle und gegebenenfalls sogar den Eileiter operativ entfernen. Sonst kann es sein, dass die Frau durch die Blutung in einen hämorrhagischen Schock verfällt. Ihr Kreislauf bricht zusammen. Sie sollten also keine Zeit verlieren, um sich und Ihren Körper zu schützen.

Behandlung und Operation

Eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter muss in Deutschland grundsätzlich beendet werden. Aber man hat doch schon von der Geburt eines gesunden Kindes nach einer Eileiterschwangerschaft gehört? Möglich. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt aber quasi bei null. Ein Schwangerschaftsabbruch ist hier also keine willkürliche Entscheidung. Ganz im Gegenteil. Die Ärzte versuchen damit, das medizinische Risiko für die Frauen möglichst gering zu halten.

Allerdings wird nicht jede extrauterine – also außerhalb der Gebärmutter liegende – Schwangerschaft durch einen operativen Eingriff beendet. In den ersten Wochen löst sich die Frucht häufig selbstständig vom Eileiter.

Auf ärztliche Unterstützung sollten Sie trotzdem nicht verzichten: Regelmäßige Blutkontrollen stellen sicher, dass die Konzentration von ß-HCG und Progesteron kontinuierlich sinkt und irgendwann nicht mehr im Blut nachweisbar ist. Auch wenn dies die häufigste Form der Behandlung ist, bleibt bei Frauen mit akuten Beschwerden nur der instrumentelle Schwangerschaftsabbruch mit einer OP. Das kann schon sehr früh, sobald der positive Schwangerschaftstest und die Diagnose einer Eileiterschwangerschaft vorliegen, passieren.

Nach einem verpflichtenden Beratungsgespräch wird der Eileiter ausgeschabt und die Schwangerschaft beendet. Bei der Nachbehandlung kontrollieren die Ärzte nochmals den HCG-Wert im Blut. Die psychischen Folgen sind nicht zu unterschätzen. Sie können und sollten sich bei Problemen jederzeit ärztliche und psychologische Hilfe suchen.

Schwanger werden nach Eileiterschwangerschaft

Um mit einem hartnäckigen Mythos aufzuräumen: Eine Eileiterschwangerschaft bedeutet nicht, dass Sie nun keine Kinder mehr bekommen können. Nehmen Sie sich genügend Zeit, um die Geschehnisse zu verarbeiten und setzen Sie sich selbst nicht unter Druck.

Aus rein medizinischer Sicht können Sie jedoch schon nach ca. einem Monat wieder mit dem „Üben“ für eine erneute Schwangerschaft beginnen. Die Wahrscheinlichkeit für positiv verlaufende Schwangerschaften ist unter anderem abhängig von der Behandlung der früheren Eileiterschwangerschaft.

Das führende Journal für Reproduktionsmedizin, „Human Reproduction“, hat dazu eine Studie veröffentlicht. Es wurden 406 Frauen mit Eileiterschwangerschaften an 17 gynäkologischen Zentren über einen Zeitraum von vier Jahren untersucht. Die Ergebnisse zeigen, wie die unterschiedlichen Behandlungen die Chancen auf eine erneute Schwangerschaft beeinflussten. Die drei folgenden Methoden wurden bei den Betroffenen angewandt:

  1. Medikamentöse Behandlung mit einer Injektion von Methotrexat
  2. Konservative Chirurgie, die den Eileiter erhält
  3. Radikale Chirurgie, die den Eileiter entfernt

Eine Eileiterschwangerschaft kann je nach Aktivitätsgrad sehr unterschiedlich akut verlaufen. Dies ist abhängig von dem Risiko, dass der Eileiter platzt, wie viel Zeit seit der letzten Periode vergangen ist, wie hoch der Schwangerschaftswert ist und ob sich bereits freie Flüssigkeit im Bauchraum befindet. Eine Frau kann demnach nur sehr begrenzt selbst entscheiden, wie sie behandelt werden möchte.

Für die Studie wurden die Patientinnen je nach Aktivität der Eileiterschwangerschaft in zwei Gruppen unterteilt. In den Gruppen wurden jeweils die medikamentöse mit der konservativ chirurgischen, sowie die konservativ chirurgische mit der radikal chirurgischen Methode verglichen.

Nach zwei Jahren betrug die Rate an spontanen intakten Schwangerschaften bei den Frauen in der ersten Gruppe nach der medikamentösen Behandlung 67% und 71% nach der konservativen Chirurgie. In der zweiten Gruppe betrugen die spontanen Schwangerschaftsraten 70% nach konservativer Chirurgie und 64% nach Entfernung des Eileiters.

Die Forschungsgruppe der sogenannten DEMETER-Studie, benannt nach der griechischen Göttin der Fruchtbarkeit, konnte also zeigen, dass kein signifikanter Unterschied in der Fruchtbarkeit der Frauen zwischen medikamentöser und konservativer Chirurgie und radikaler Chirurgie innerhalb der folgenden zwei Jahre bestand.

Je nach Aktivitätsgrad der Eileiterschwangerschaft können demnach bei vergleichbarer Fruchtbarkeit nach den verschiedenen Verfahren weitere Faktoren – wie zum Beispiel das Operations- und Narkoserisiko, Behandlungsdauer und Rezidivrisiko – berücksichtigt werden. Dies kann mit der Patientin ausführlich besprochen werden und ihr Wunsch stärker berücksichtigt werden.

 

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