Chlamydien sind Bakterien, die sich als Parasiten vermehren. Eine Infektion wird als Chlamydiose bezeichnet. Die Erkrankung betrifft u.a. die Schleimhäute im Augen-, Atemwegs- und Genitalbereich.

Durch eine Behandlung mit Antibiotika lässt sich die übertragbare Krankheit zumeist wirksam bekämpfen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Chlamydien-Infektion: Anzeichen, Beschwerden, Ursachen, Übertragung, Behandlung und Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit.

Was sind Chlamydien?

Chlamydieninfektionen sind die am häufigsten vorkommende sexuell übertragbare Krankheit. Bei den Erregern handelt es sich um kugelförmige Bakterien mit Viruseigenschaften, die in getrockneten Exkrementen bis zu zwei Jahre überleben können. Sie dringen über die Schleimhaut in den Körper ein, das heißt nicht nur im Genitalbereich, sondern auch in Harnwege, Atemwege, Rachen oder Augen.

Chlamydien haben oft keine oder nur schwer als solche erkennbare Symptome, weshalb sie auch als stille Krankheit bezeichnet wird.

Es gibt drei verschiedene Chlamydientypen. Die allgemein bekannten Chlamydien als Geschlechtskrankheit werden durch die Lymphogranula inguinale verursacht. Sie sind eine Unterklasse der Chlamydiae trachomatis. Chlamydia trachomatis kann sexuell übertragbare Erkrankung im Urogenitaltrakt hervorrufen.

Andere Chlamydienarten, wie die chlamydiae psittaci, die über Vögel oder chlamydiae pneumoniae, die über Tröpfcheninfektion übertragen werden, können zu grippeähnlichen Symptomen oder Pneumonien führen. Diese sind allerdings keine Ursache für eine Geschlechtskankheit und haben keine Auswirkung auf die Fruchtbarkeit. Daher ist im Folgenden immer nur von der Infektion durch Lymphongranula inguinale die Rede.

Was sind die typischen Symptome für Chlamydien?

Bei Frauen können nach zwei bis sechs Wochen erste Symptome der Erkrankung auftreten. Diese können sich durch eine eitrige Entzündung der Harnwege als Ausfluss und Brennen beim Wasserlassen äußern. Auch Jucken oder Brennen im Vaginalbereich, Schmerzen und Blutung beim Geschlechtverkehr, Unterleibsschmerzen, Zwischenblutungen oder Bindehautentzündungen am Auge können Symptome sein.

Diese Symptome machen deutlich warum die Krankheit häufig unerkannt bleibt. Eine Frau denkt womöglich bloß an eine weitere Blasenentzündung, eine Pilz-Infektion, oder sogar nur an normale Regelbeschwerden. Wenn die Bakterien auf Eileiter und Gebärmutter oder Eierstöcke überspringen, sind die Folgen starke Unterleibsschmerzen und Fieber, außerdem abnormaler, streng riechender und ungewöhnlich gefärbter vaginaler Ausfluss. Erst dann denkt eine Frau womöglich an etwas Ernsthafteres.

Im Gegensatz dazu verursachen Infektionen bei Männern eine Entzündung der Nebenhoden oder schleimig eitrige Entzündungen der Harnröhre oder Penisspitze, was ein Mann natürlich sofort ernst nimmt.

Eine Infektion kann aber auch komplett syptomfrei verlaufen. Bei 70-80% aller Frauen treten überhaupt keine Symptome auf. Circa 20% der Deutschen sind infiziert ohne es zu wissen. Ein positiver Chlamydientest bedeutet also nicht zwangsläufig Untreue, die oder der Betroffene kann sich auch schon Jahre vorher angesteckt haben.

Eine Chlamydieninfektion muss auch nicht zwangsläufig zu schweren Folgen führen, oft wird das Immunsystem ganz alleine mit dem Erreger fertig, ohne dass es zu Langzeitschäden kommt.

Wie werden Chlamydien übertragen?

Die Chlamydienbakterien befinden sich in den Schleimhäuten von Harnröhre Scheide oder Enddarm, aber auch in der Scheidenflüssigkeit und im Sperma. Beim ungeschützten Geschlechtsverkehr und bei allen Aktivitäten bei denen es zu indirektem oder direktem Kontakt von infizierten Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten kommt, können die Bakterien über diese in den Körper gelangen.

Nach der Übertragung werden sie dort von den Zellen aufgenommen und können in ihrer nicht infektiösen Verweilform bleiben, oder sich vermehren, die Zelle zerstören und sich somit selbst freisetzen, um neue Zellen zu befallen. Dieses Verhalten erinnert an das eines Virus, weshalb man auch lange dachte, dass es sich bei den Erregern um Viren und nicht um Bakterien handle.

Bei jungen Frauen ist das Risiko einer Ansteckung besonders hoch, da die Erreger sich aus anatomischen Gründen besonders gut am Muttermund festsetzen können.

Kondome bieten zwar den besten Schutz vor einer Übertragung und reduzieren das Risiko erheblich, können den Kontakt der Schleimhäute allerdings nicht ganz verhindern. Daher ist eine Ansteckung auch bei geschütztem sexuellem Kontakt möglich.

Wie werden Chlamydien diagnostiziert?

Besonders wichtig für die richtige Diagnose ist ein offenes und ehrliches Gespräch mit dem Arzt. Nach der Schilderung der Symptome folgt eine körperliche Untersuchung.

Zur endgültigen Diagnose ist ein Chlamydien-Test notwendig. Es gibt verschiedene Tests um eine Chlamydien-Infektion nachzuweisen. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden bei Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal im Jahr die Kosten für einen Früherkennungstest mittels Urinprobe übernommen.

Bei einer unkomplizierten Chlamydien-Infektionen können die chlamydiae trachomatis durch einen Abstrich der Gebämutterschleimhaut, Harnröhre oder des Mastdarms nachgewiesen werden.

Handelt es sich jedoch um eine urogenitale Chlamydien-Infektion, können die Keime in Becken oder Bauchorgane aufsteigen und sind im Genärmutterhals oder in der Harnröhre oft nicht mehr nachweisbar, was eine Blutuntersuchung notwendig machen kann.

Es gibt auch Chlamydien-Schnelltest, die jedoch nicht besonders zuverlässig sind.

Wie werden Chlamydien behandelt?

Mit Antibiotika lassen sich Chlamydien-Infektionen gut und einfach behandeln. Die Dauer der Behandlung hängt meist von der Dauer der Erkrankung ab. Am häufigsten wird für die Therapie inzwischen Doxycyclin verwendet, auch wenn der Patient keine Symptome zeigt. Doxycyclin wird zweimal täglich ein Woche lang eingenommen.

Eine alternative Behandlung bietet die Einmalnahme von 1,5 Gramm Azithromyclin, diese findet vor Allem bei Schwangeren und Stillenden Anwendung

Bei komplizierteren Infektionen, die auf Eileiter oder Eierstöcke übergesprungen sind, werden kombinierte Antibiotika als Therapie verwendet, die ein bis zwei Wochen eingenommen werden sollen.

Bei 95% der Patienten lassen sich Chlamydia mit Antibiotika erfolgreich bekämpfen.

Wichtig ist bei einer Chlamydien-Infektionen keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben, bevor auch der Partner behandelt wurde, um einen Ping-Pong-Effekt und somit eine erneute Ansteckung durch den Partner zu verhindern.

Welche Auswirkungen gibt es auf Fruchtbarkeit und Kinderwunsch?

Bleibt eine Chlamydieninfektion unbehandelt, können dadurch schwerwiegende Entzündungen im Unterleib verursacht werden. Dadurch können die Eileiter verkleben oder vernarben. Das kann wiederum dazu führen dass entweder die Spermien das reife Ei nicht mehr erreichen können, oder das Ei nicht richtig zur Gebärmütter transportiert werden kann. Das macht die Befruchtung sehr schwer und erhöht gleichzeitig das Risiko für Eileiterschwangerschaften.

Laut der DGGG (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) betrifft dies ca 100.000 deutsche Frauen und ist damit die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit in Deutschland.

In einer Schwangerschaft wird der Erreger der Chlamydieninfektion bei der Geburt auf das Kind übertragen. Außerdem erhöht eine bestehende Infektion das Risiko für eine Frühgeburt. Daher ist es ratsam, die Infektion bei Kinderwunsch vor einer möglichen Schwangerschaft durch einen Arzt untersuchen und behandeln zu lassen. Generell gehört der Chlamydientest aber auch zur standardmäßigen Mutterschaftsvorsorge.

 

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