Eine schmerzfreie und kurze Geburt würde sich wohl jede Frau wünschen. Dasselbe gilt für eine Schwangerschaft ohne Übelkeit. Verschiedene wissenschaftliche Studien belegen, dass Akupunktur dafür unterstützend wirken kann. Wie die Akupunkturbehandlung Ihre Schwangerschaft erleichtern kann und wie und wo sie durchgeführt wird, lesen Sie hier in unserem Artikel.

Akupunktur in der Schwangerschaft – wofür?

Die Technik der Akupunktur stammt aus der traditionellen chinesischen Medizin und wird dort schon seit tausenden von Jahren angewandt. Die Vorteile der Behandlung sind heute auch bei Hebammen und Schwangeren angekommen. Sie nutzen die kleinen Nadeln gegen Übelkeit im ersten Trimester, in der Geburtsvorbereitung oder sogar während der Geburt. Schwangere berichten von positiven Effekten auf Schmerzempfinden und Übelkeit, sowie einer positiven Wirkung zum Ablauf der natürlichen Geburt.

In Deutschland setzen mittlerweile ein Drittel aller Frauen in ihrer ersten Schwangerschaft auf Akupunktur. Es wurden verschiedene Studien zu dieser Behandlungsmethode durchgeführt. Diese konnten in vielen Fällen eine positive Wirkung auf Mutter und Baby wissenschaftlich belegen.

Akupunktur eignet sich besonders für Schwangere, die sich mit Hilfe von natürlichen Methoden auf die Geburt vorbereiten möchten. Die feinen Stiche der Nadeln können Frauen in verschiedenen Bereichen der Schwangerschaft unterstützen. Die Therapie darf während der gesamten Zeit der Schwangerschaft und vor allem in den letzten Schwangerschaftswochen nur von Ärzten und speziell ausgebildeten Hebammen durchgeführt werden. Physiotherapeuten dürfen bis dato in Deutschland keine medizinische Akupunktur durchführen.

Welche Akupunkturpunkte werden bei Schwangeren behandelt?

Mit feinen Nadeln aus Stahl sticht ein Arzt den werdenden Müttern rund 1,5 Zentimeter tief in die Haut. Wo genau die Akupunktur angewandt wird, kommt auf das Ziel der Behandlung an.

Viele Frauen leiden während der Schwangerschaft unter Übelkeit, Erbrechen oder Schmerzen. Mit einer medikamentösen Behandlung dieser Beschwerden muss zum Wohle des Kindes oft sehr vorsichtig umgegangen werden. Daher ist es nur verständlich, dass alternative Heilmethoden in dieser Zeit besonders interessant sind. Im Gegensatz zu Medikamenten haben diese meist keine oder nur geringe Nebenwirkungen. Akupunktur kann Frauen daher deutliche Erleichterung bringen, ohne den Körper des Kindes zu gefährden.

Während die Wirkung der gezielten Nadelstiche im Fall von Übelkeit in einigen Situationen bereits bewiesen werden konnte, ist sie im Falle von Schwangerschaftsübelkeit noch umstritten. Bei der Therapie von Rücken- oder Beckenschmerzen hingegen, ist die Akupunktur als Maßnahme sehr effektiv. Im Unterschied zu den anderen Einsatzgebieten der Akupunktur kann im Falle von Schwangerschaftsbeschwerden (wie zum Beispiel Rückenschmerzen) ein Teil der Kosten von der Krankenkasse zurückgeholt werden. Die Methode ist zur Schmerzlinderung bei der Mutter anerkannt.

Die geburtsvorbereitende Akupunktur soll die Entbindung vor allem verkürzen und erleichtern. Der behandelnde Arzt nutzt bei den schwangeren Frauen ab der 36. Woche Akupunkturpunkte an der äußersten Seite der kleinen Zehe und der seitlichen Wade. Warum erst frühestens ab der 36. Woche? Es kann bei diesen Punkten zu vorzeitigen Wehen kommen. Andere Studien stehen dieser Aussage gegenüber und sprechen davon, dass eine verfrühte Wehentätigkeit sogar völlig ausgeschlossen ist. Dem Baby schadet es aber zu keiner Zeit. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme bei Bedenken beraten!

Die Behandlung kann sich wirklich lohnen und die Geburt um durchschnittlich 2 Stunden reduzieren. Neben der verkürzten Dauer hat die geburtsvorbereitende Akupunktur noch weitere Vorteile. Die Wehen sind zielgerichteter und werden außerdem als weniger schmerzhaft empfunden.

Des Weiteren kann durch die Methode aus der chinesischen Medizin der Muttermund reifer und weicher werden. Die Behandlung findet ungefähr ein bis zwei Mal pro Woche statt und dauert zirka 20 Minuten. Dabei werden auf jeder Seite des Körpers vier bestimmte Punkte gestochen. Während der Sitzungen kann mittels CTG überwacht werden, dass die Behandlung keine negativen Auswirkungen auf das Baby hat. Die geburtsvorbereitende Akupunktur wird in der Regel leider nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Kosten liegen zwischen 10 und 60 Euro pro Sitzung.

Auch während der Geburt kann Akupunktur unterstützend wirken. Der Arzt oder die Hebamme beginnt bei dieser Form bei den ersten stärkeren Beschwerden mit dem setzten der Nadeln. Die hier gestochenen Akupunktur-Punkte liegen auf dem Rücken oder dem unteren Bauch. Sie sollen vor allem die Schmerzen der Frauen lindern und wirken sich nicht auf die Dauer der Geburt aus. Wichtig ist allerdings, dass die werdende Mutter ihre erste Akupunktur-Sitzung bereits vor der Entbindung hat, da alle Menschen anders auf die Nadelstiche reagieren.

Häufig tritt bei der werdenden Mutter – wie auch bei anderen mit der traditionell chinesischen Medizin behandelten Menschen – das sogenannte De-Qi-Gefühl auf. Damit wird ein Schwere- oder Druckgefühl bezeichnet, das nach dem Nadeln an der behandelten Stelle eintritt. Auch blaue Flecken sind möglich, besonders dann, wenn sich der Körper erst an den Fremdkörper gewöhnen muss.

Wenn Sie sich durch Akupunktur in der Zeit der Schwangerschaft unterstützen lassen möchten, können Sie dies mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme besprechen. Sollte einer der Beiden eine Fortbildung absolviert haben, die sie zur Behandlung berechtigt, können Sie Möglichkeiten und Risiken individuell abklären. Es ist sinnvoll die Behandlungswünsche möglichst früh in der Schwangerschaft anzusprechen. Der Einsatz von Akupunktur während der Geburt sollte beispielsweise mit dem Wunschkrankenhaus möglichst früh abgeklärt werden.

 

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